Küche im Bürgerhaus Michelrieth erhält großzügigere Ausstattung

Neubau: Stadtrat stimmt nach kontroverser Diskussion zu - Es bleibt bei der ursprünglich geplanten Zufahrt zu den Parkplätzen

Marktheidenfeld
3 Min.

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Die Küche im neu­en Bür­ger­haus in Mi­chel­rieth er­hält ei­ne großz­ü­g­i­ge­re Aus­stat­tung als ur­sprüng­lich ge­plant. Der Stadt­rat stimm­te den Än­de­run­gen am Don­ners­ta­g­a­bend nach ei­ner kon­tro­ver­sen Dis­kus­si­on zu. Al­les beim Al­ten bleibt hin­ge­gen bei der Zu­fahrt zu den Park­plät­zen.

Eine Verlegung wurde vom Stadtrat nicht als sinnvoll erachtet.

Das Untergeschoss sei bereits fertig und ein Großteil des Rohbaus werde Ende Mai abgeschlossen, berichtete Architekt Georg Redelbach über den Fortgang der Arbeiten am Bürgerhaus. Mitte Juni könne dann der Dachstuhl aufgerichtet werden. »Wir können den Terminplan einhalten«, sagte der Architekt.

Bei einem Ortstermin sollte sich der Stadtrat Gedanken über die Farbauswahl, Fenstergestaltung und Dachmaterialien machen. Die Zusammenarbeit mit der örtlichen Lenkungsgruppe bei diesem Projekt des Gemeindeentwicklungskonzepts (GEK) funktioniere sehr gut. Bei den regelmäßigen Treffen habe man auch über die künftige Küche intensiv diskutiert und sich auf eine vernünftige Grundausstattung verständigt.

Kosten jetzt dreimal so hoch

In der Kostenberechnung vom August 2019 sei für die Ausstattung der Küche ein Budget von rund 22 610 Euro angesetzt worden, berichtete der stellvertretende Bauamtsleiter Andreas Burk. Nun seien aus der Lenkungsgruppe einige Wünsche gekommen, zum Beispiel für eine Edelstahloberfläche oder eine Kühlzelle statt eines Kühlschranks. Die Wünsche führten zu zusätzlichen Kosten von rund 46 000 Euro. Außerdem seien dadurch weitere Anschlusskosten von rund 13 000 Euro für Zähler, Verteilerschrank, Leitungen und Anschlüsse erforderlich.

Für Dirk Hartwig (Grüne) war die Kostenmehrung im Hinblick auf die Haushaltslage zu hoch. Für die ursprünglich angesetzten 23 000 Euro bekäme man nicht unbedingt eine Billigversion einer Küche, sagte der Dritte Bürgermeister.

Gut investiertes Geld

Heinz Richter (Promar) meinte, Stahlmöbel seien haltbarer, daher sei das gut investiertes Geld, welches das Gebäude als Veranstaltungsraum aufwerte. Schade sei jedoch, dass diese Wünsche nun nachträglich auf den Tisch kämen, das hätte man zu Beginn der Planungen abstimmen müssen.

Richard Oswald (CSU) sprach von »einem gewaltigen Problem der Kommunalpolitik: einer Verdreifachung der Kosten«. Dies hätte von vornherein vermieden werden können, meinte der Fraktionssprecher.

Burkhard Wagner (Freie Wähler) war mit der Art und Weise, wie jetzt zusätzliche Wünsche geäußert werden, auch nicht zufrieden. Er erinnerte jedoch daran, dass es hier um ehrenamtliches Engagement gehe und man dafür angemessene Bedingungen zur Verfügung stellen müsse - »eine Kröte, die wir eventuell schlucken müssen«, so Wagner.

Welche Veranstaltungen denn geplant seien und welches Konzept dahinter stehe, wollte Klaus Hock (Promar) wissen. »Wie im alten Bürgerhaus auch«, entgegnete Burk und meinte: »Wie sich das entwickelt, sieht man erst im Betrieb.« Redelbach ergänzte: »Nutzungen, die die Dorfgemeinschaft stärken sollen« und zählte auf: Seniorenkreis, Vorträge, Gymnastikgruppen, öffentliche und Kulturveranstaltungen sowie Vereinsjubiläen. »Die gut funktionierende Feuerwehr mit ihren Versammlungen und Übungsabenden nicht zu vergessen«, ergänzte Bernhard Kempf (Freie Wähler).

Mehr Ehrlichkeit angemahnt

Wolfgang Hörnig (CSU) hatte berechnet, »dass wir wieder mehr als 100 000 Euro zusätzlich zur Planung ausgeben«. Er forderte daher mehr Ehrlichkeit bei der Vorstellung der Entwürfe. Jetzt sei man wieder bei Kosten von 2,7 Millionen Euro, »das kann so nicht weitergehen«, sagte Hörnig, »wir müssen von verlässlichen Zahlen ausgehen«.

Es gehe um die Förderung der Dorfgemeinschaft, so Christian Menig (CSU), »deshalb ist die Kröte saumäßig groß, die wir runterschlucken müssen«, sagte der Zweite Bürgermeister.

Architekt Redelbach berichtete, dass man zunächst bei viel höheren Zahlen gewesen sei und sich dann von einigen Wünschen wieder verabschiedet habe. Dies hätte gleich gesagt werden müssen, dass der Nutzerwunsch noch höher war und die jetzt vorgelegten Zahlen bereits ein Kompromiss waren, monierte Richard Oswald.

»Wir fangen niedrig an und kommen höher raus«, stellte Heinz Richter fest. Dies sei genau umgekehrt zu dem, wie ein privater Bauherr vorgehe, der zunächst mit vielen Wünschen komme, von denen er sich dann im Gespräch mit seinem Architekten wieder verabschieden müssen. Der Fraktionssprecher von Promar beharrte darauf, die Zusatzwünsche »hätte man schon in der ersten Planung einbringen müssen, jetzt ist es total ärgerlich.«

Die Kritik an den Abläufen fand auch sein Fraktionskollege Ludwig Keller berechtigt. Zu bedenken gab er andererseits, »dass die Michelriether über Jahrzehnte mit dem bescheidensten Bürgerhaus auskommen und mit großem Mangel die ganze Zeit leben mussten«.

Kröte geschluckt

Hermann Menig meinte: »Der Worte sind genug gewechselt. Wir müssen die Kröte schlucken und haben einen dicken Hals.« Mit der Faust in der Tasche stimme die SPD zu. »Die Michelriether kriegen ein schönes Bürgerhaus, dann sollen sie auch eine schöne Küche bekommen«, so Hermann Menig. Der Stadtrat schluckte die Kröte und stimmte mit 24:1 Stimmen den überplanmäßigen Ausgaben für die Küche zu, nur Dirk Hartwig blieb bei seiner ablehnenden Haltung.

Lange diskutierte das Gremium auch über eine andere Zufahrt zu den Parkplätzen am Bürgerhaus über einen Feldweg von Süden her. Dieser hätte für rund 70 000 Euro asphaltiert werden müssen. Die Lenkungsgruppe sei dafür gewesen. Mit 23:2 Stimmen entschied sich der Stadtrat jedoch für die ursprüngliche Zufahrt neben dem alten Pfarrhaus. Um diese zu gewährleisten, wird ein Nebengebäude abgerissen.

»Die Zufahrt von Süden ist die deutlich bessere Lösung«, hatte Bürgermeister Thomas Stamm (parteilos) dafür plädiert, fand aber letztlich bei der Abstimmung nur einen Mitstreiter in Florian Hoh (Promar). Dass die alternative Zufahrt über den Radweg Richtung Röttbach führen würde, brachte Caroline Kutz (Promar) als Gegenargument vor. Zudem wären Anwohner betroffen durch die Zufahrt von der Grafschaftsstraße über ein schmales Gässchen.

Renate Schneider (CSU) hielt den Umweg für umständlich, und bei 17 Parkplätzen sei auch mit keinem unzumutbaren Verkehrsaufkommen in der Grafschaftsstraße zu rechnen. Außerdem könne man bei der ursprünglichen Zufahrt gleich sehen, ob noch Parkplätze frei sind.

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