Kritik an Longierhalle und Stall neben Michaelskirche in Neustadt

Geplanter Pferdehof sorgt für Diskussionsstoff - IG hofft auf Einigung - Im Notfall Bürgerbegehren

Neustadt a.Main
3 Min.

1 Kommentar

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Der geplante Bau einer Longierhalle und eines Offenstalls in unmittelbarer Nähe der Michaelskirche und des Friedhofes als Teil eines Pferdehofes schlägt hohe Wellen im Ort.
Foto: Jochen Kümmel
Der überwiegdne Teil der geplanten Reitanlage soll am südlichen Ortsausgang von Neustadt entstehen.
Foto: Jochen Kümmel
Seit dem Wo­che­n­en­de lässt die am süd­li­chen Orts­aus­gang von Neu­stadt ge­plan­te Reit­an­la­ge die Emo­tio­nen hoch­ko­chen. Seit der ers­te Ent­wurf des vor­ha­ben­be­zo­ge­nen Be­bau­ungs- mit Grün­ord­nungs­plans öf­f­ent­lich aus­liegt und auf der Web­si­te der Ge­mein­de ein­seh­bar ist, lau­fen die Dis­kus­sio­nen im Ort und in den so­zia­len Netz­wer­ken auf Hoch­tou­ren. So­gar ei­ne In­ter­es­sen­ge­mein­schaft (IG) hat sich ge­bil­det und sam­mel­te Un­ter­schrif­ten ge­gen das Bau­vor­ha­ben im Ort.

In den Unterlagen wird ersichtlich, dass oberhalb der denkmalgeschützten Mauer, neben der Michaelskirche und dem Friedhof eine Führ- und Longierhalle mit bis zu 500 Quadratmetern Grundfläche und ein bis zu 785 Quadratmeter großer Offenstall mit Servicebereich geplant ist.

IG: Bürger »laufen Sturm«

»Das wussten 99 Prozent der Bürger mit Sicherheit nicht und jetzt läuft alles Sturm«, sagte ein Vertreter der IG im Telefonat mit dem Medienhaus Main-Echo, der anonym bleiben möchte. »Ein Großteil der Bevölkerung möchte das nicht«, meinte der IG-Vertreter und betonte, dass sich die Einwände ausschließlich auf den Bereich oben am Friedhof beziehen und nicht auf die Planungen auf dem Grundstück am »Kellergarten« an der Staatsstraße. Auch gegen die Bauherrin Tina Kirsch gebe es keine Vorbehalte.

»Wir wollen im Guten erreichen, dass dieser Teil aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen wird«, erläutert der IG-Vertreter. Auch ein Bürgerbegehren schloss er nicht aus, sollten die Einwände kein Gehör finden.

Im Detail bestehen seitens der IG Bedenken bezüglich der Optik der Gebäude. Es besteht die Sorge, dass von der Michaelskirche nur noch das Dach und der Turm sichtbar bleiben. Zudem liegt der Baugrund auf historischem Gelände und bildet den Ursprung des Klosters. Die alte Klostermauer und der Umgriff der Michaelskirche sind ein Bau- und Bodendenkmal.

Gravierendes Thema: Verkehr

Die Mauer soll laut den Plänen drei Meter geöffnet werden. Auch das Thema Verkehr sieht der IG-Vertreter als »äußerst gravierend« an und befürchtet eine Gefährdung der Fußgänger. Es wird ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf dem einspurig, gepflasterten und schlecht befahrbaren Weg befürchtet, wenn Eltern ihre Kinder zum Reitunterricht bringen. Auch die Zufahrt mit Pferdegespannen könnte zum Problem werden. Bei Beisetzungen auf dem Friedhof werden Lärm und im Allgemeinen eine eingeschränkte Friedhofsruhe befürchtet.

Bürgermeister Stephan Morgenroth hätte sich gewünscht, dass bei ihm nachgefragt worden wäre, bevor irgendwelche Argumentationen, Falschaussagen oder gar Verleumdungen von den Initiatoren und Interessengemeinschaften in die Welt gesetzt werden. So wäre das Thema sicherlich nicht so hoch gekocht, meint er.

Stellungnahmen werden gehört

Derzeit befinde sich das Bauleitverfahren im Anfangsstadium. Die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit werden gehört. Jede Stellungnahme werde öffentlich in einer Gemeinderatssitzung behandelt. Die jetzt vorliegende Planung stelle lediglich einen ersten Entwurf dar. Mit der Würdigung der Stellungnahmen sei nicht vor Mai/Juni zu rechnen. Im weiteren Verlauf werden diese in die Planung eingearbeitet und dann erneut zur eigentlichen Verfahrensbeteiligung öffentlich ausgelegt, erläutert Bürgermeister Morgenroth im Telefongespräch die weiteren Verfahrensschritte.

Bei der Gestaltung der Bauten am Michaelsberg sei »noch gar nichts entschieden«, so Morgenroth. »Wir stehen ganz am Anfang des Verfahrens. Auch wurde hier nichts beschlossen und wir haben daher ganz bewusst den Vorentwurf der Vorhabensträgerin erst einmal unverändert zur Stellungnahme der Öffentlichkeit und die der beteiligten Behörden ausgelegt.« Würde beispielsweise der offene Stall nach hinten geschoben, dann passt er nach Ansicht des Bürgermeisters womöglich auch in ein landschaftliches Bild, solange er nicht direkt vor der Kirche steht.

Über die Notwendigkeit einer Longierhalle in diesem Bereich wurde bereits grundsätzlich diskutiert. Die Beurteilung der Bodendenkmäler fällt in den Zuständigkeitsbereich des Denkmalschutzes. Auch hinsichtlich einer befürchteten Geruchsbelästigung gibt es strenge Auflagen.

Grundsätzlich soll der gesamte Verkehr nicht durch den Ort, sondern über den Reiterhof und den Mauerdurchbruch laufen, erläutert der Bürgermeister. Wenn jemand sein Pferd zum Reiten abholen möchte, fährt er demnach über die Hauptstraße zum Pferdehof, läuft zum Stall hoch, holt es ab und geht zur Reithalle.

Offener Info-Brief angekündigt

Die oben ausgewiesenen Parkplätze seien grundsätzlich für Mitarbeiter oder Tierarzt gedacht. »Es wird da oben kein Verkehr und kein Reitunterricht sein; dafür gibt es unten eine Reithalle und einen Reitplatz«, erläutert Morgenroth. Auch wird es am Stall keine Bewirtung geben. Der Servicebereich am Offenstall bezieht sich auf die Versorgung der Pferde.

»Wir erhoffen uns einen Mehrwert für die Gemeinde, damit Neustadt noch attraktiver wird«, nennt Morgenroth als Intension des Gemeinderats, das Bauvorhaben zu unterstützen. Mit einem offenen Brief an alle Einwohner mit zahlreichen Klarstellungen möchte der Bürgermeister am Wochenende das geplante Bauvorhaben und die weiteren Verfahrensschritte erläutern.

Hintergrund: Details zum geplanten Pferdehof

Auf dem ehemaligen Sommersitz des Abtes soll ein Pferdehof mit dem Schwerpunkt Fahren, Kinder- und Jugendausbildung entstehen. Am Ortsausgang Richtung Marktheidenfeld in direkter Nachbarschaft des Klosters soll ein Reitplatz, eine Reithalle (47 auf 22 Meter), ein Stallgebäude mit Boxen und Paddocks sowie ein Laufstall entstehen. Am südlichsten Zipfel ist eine Halle für landwirtschaftliche Fahrzeuge und eine überdachte Miste in den Plänen zu finden. Das ehemalige Haus des Abtes wir saniert und dient als Wohnhaus. Oberhalb der Klostermauer neben der Michaelskirche sieht die Entwurfsplanung eine Führ- und Longierhalle sowie einen Offenstall und eine Koppel vor. Insgesamt sollen 40 Pferde auf der geplanten Anlage untergebracht werden. ()

1 Kommentar

laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!