Kosten der Jugendhilfe steigen im Main-Spessart-Kreis

Ausschuss: Haushaltsansatz wächst um 916.000 Euro - Größter Posten im Etat ist die Eingliederungshilfe

Main-Spessart
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Ein Junge sitzt mit seinem Schulranzen auf einer Tischtennisplatte. Der Main-Spessart-Kreis muss in diesem Jahr deutlich mehr Geld für die Jugendhilfe ausgeben. Foto: Jens Kalaene/dpa
Foto: Jens Kalaene
Rund 916.000 Eu­ro mehr braucht das Ju­gend- und Fa­mi­li­en­amt des Land­k­rei­ses für sei­ne Auf­ga­ben im Ver­g­leich zum Vor­jahr. Das sind 14,5 Pro­zent mehr bei ei­nem Zu­schuss­be­darf von im­mer­hin 7,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Ju­gendamts­lei­ter Tho­mas Götz be­grün­de­te am Di­ens­tag im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss den Mehr­be­darf, be­vor das Gre­mi­um dem Kreis­tag den Etat­vor­schlag im Rah­men der Haus­halts­be­ra­tun­gen zur An­nah­me emp­fahl.

Deutlich erkennbar ist der Sprung vom Rechnungsergebnis 2020 (Zuschussbedarf: 5,09 Millionen Euro) auf 7,45 Millionen Euro im letzten Jahr, wobei das nur ein vorläufiges Ergebnis ist. Angesichts dieser Zahlen fragte Kreisrat Paul Diener (CSU) mit kritischem Unterton nach: »Die Jugend- und Sozialarbeit im Landkreis ist viel wert, doch wie lange kann sich der Landkreis das noch so leisten?«

Allerdings sei auch ihm klar: Meistens sind es Pflichtaufgaben - und damit ist der Ermessensspielraum für den Kreis gering und zudem nicht immer kalkulierbar. Eine freiwillige Leistung ist beispielsweise die Förderung der Jugendzentren im Landkreis (220.000 Euro). Im Vergleich zu anderen Landkreisen sei Main-Spessart bei den präventiven Maßnahmen von den Kosten her im unteren Bereich, erwähnte die Landrätin.

Die Auswirkungen der Pandemie, aber auch die Reform beim Ausbau der Jugendhilfe mit einer längeren Dauer von Maßnahmen schlagen sich finanziell nieder. Bei den Hilfen für junge Volljährige wurde der Ansatz deshalb um 150.000 Euro auf eine halbe Million Euro aufgestockt. Eingespart wird bei den Sprachreisen (Reduzierung des Ansatzes um ein Drittel auf 100.000 Euro), weil in der Corona-Pandemie nach wie vor Auslandsaufenthalte schwierig sind, und durch die Übernahme von Kindergartengebühren (100.000 Euro weniger).

Dafür werden die ortsnahen Angebote aufgestockt und deshalb dort mehr Geld eingestellt für mehr Tagesveranstaltungen, Stichwort: Abenteuerspielplatz. 50.000 Euro mehr fließen in die Jugendsozialarbeit (Jas), weil diese in Gemünden ausgebaut wird und der Kreis sich an der Fit-Klasse der Grundschule Lohr beteiligt. Erstmals taucht die Projektförderung von 55.000 Euro für das Netz P auf, das Kindern von psychisch kranken Eltern hilft. Im Jubiläumsjahr des Landkreises ist eine Familienmesse geplant, deshalb sind für zusätzliche Aktionen 10.000 Euro vorgesehen.

Müssen Kinder gemeinsam mit Eltern untergebracht werden, wird das teuer. Aktuell sind es drei Fälle und eingeplante Kosten von 240.000 Euro. Bei den Hilfen zur Erziehung setzt der Landkreis künftig mehr auf die Fachkräfte freier Träger. Dafür muss der Etat verdoppelt werden auf 160.000 Euro; bei den Erziehungsbeiständen wird der Betrag verdoppelt auf 120.000 Euro.

»Systemsprenger« sind Jugendliche, bei denen herkömmliche Hilfen kaum greifen. So ist eine Auslandshilfe in Griechenland mit 80.000 Euro zu finanzieren. Es handele sich dabei um einen von einem anderen Jugendamt übernommenen Auslandsfall, erklärte Götz. Er versicherte, die Maßnahme werde »kritisch beobachtet«, denn es spiele auch ausländisches Recht mit hinein.

Coronabedingt nehmen auch die Fälle zu, in denen Kinder und Jugendliche mehr Schutz benötigen. Hier ist der Ansatz um ein Viertel auf 75.000 Euro erhöht worden. Komplexer und mehr sind die Fälle bei seelisch behinderten Kindern und Jugendlichen (30 Fälle) geworden. Deshalb steigen die Kosten der Eingliederungshilfe um 400.000 auf 2,3 Millionen Euro - der größte Ausgabenposten.

Nach fünf Jahren wird die Förderhöhe für das Projekt Roven der Don-Bosco-Berufsschule Würzburg von 14.000 auf mehr als 16.000 Euro angepasst. Der Verein Wildwasser Würzburg gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen und Frauen bekommt 12.500 Euro.

Ausschuss in Kürze

Main-Spessart. Mit folgenden Themen hat sich der Jugendhilfeausschusses des Main-Spessart-Kreises in seiner Sitzung ebenfalls befasst:

Pflegepauschalen: Auf Vorschlag des Bayerischen Landkreistages hat der Ausschuss einstimmig beschlossen, die Pauschalen für Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien sowie in der Tagespflege aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten rückwirkend zum 1. Januar leicht zu erhöhen. Die Pflegepauschalen betragen bei Vollzeitpflege künftig 923 Euro für Kinder bis sechs Jahre (bisher 917 Euro), bis zwölf Jahre 1041 Euro (bisher 1033 Euro) und für Jugendliche ab 13 Jahren 1197 Euro (bisher 1187 Euro). In der Tagespflege werden 720 Euro (bisher 715 Euro) für Kinder unter drei Jahre und für ältere unverändert 600 Euro gezahlt. sys

Kreisjugendring: Was die Ausschreibung einer halben Stelle für einen Sozialpädagogen für den Kreisjugendring mache, fragte Mathilde Lembach (Grüne) nach. Geschäftsführerin Theresia Schreck wolle ihre Arbeitszeit nach einem Trauerfall in ihrer Familie reduzieren. Die Aufgabe hatte der frühere Kreisjugendpfleger Bernhard Metz als ausgebildeter Sozialpädagoge mit übernommen. Wenn der Kreistag den Stellenplan für das Landratsamt genehmigt, werde die Stelle nach dem 25. Februar ausgeschrieben, hieß es im Jugendhilfeausschuss. Landrätin Sabine Sitter verwies allerdings auf die schwierige Personalsuche für diesen Bereich.

Beteiligung: Holger Seidel (FW) schlug im Rahmen der Jugendplanung und Weiterentwicklung der Jugendarbeit einen Thementag vor, um sich perspektivisch etwa mit dem Thema Jugendbeteiligung auseinanderzusetzen. Hierzu hat sich die Stadt Marktheidenfeld nach einem vergeblichen Versuch erneut für das Projekt »Jugend entscheidet« bei der gemeinnützigen Hertie-Stiftung beworben. Landrätin Sitter strebt einen »Jugend-Kreistag« an, der dann auch echte Entscheidungen trifft, die umgesetzt werden sollen.

Inobhutnahmen: Pamela Nembach (SPD) interessierte sich für Fälle der Inobhutnahmen und wollte wissen, ob die Zahl von Pflegefamilien knapp ist oder noch Kapazitäten frei sind. Ende September, in der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses, soll dieses Thema auf die Tagesordnung. sys

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