Klappern aus dem Homeoffice

Osterbrauch: In vielen Ortschaften führen Kinder die Tradition vor der eigenen Haustür fort - Mancherorts fällt der Ritus erneut ganz aus

MAIN-SPESSART
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In manchen Ortschaften fällt das Klappern in Main-Spessart aufgrund der Infektionsgefahr ganz aus, andere planen nur vor der eigenen Haustür oder aus dem Fenster zu klappern. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Foto: Frank Rumpenhorst
Nicht wie üblich können die Kinder und Jugendlichen am Karfreitag und Karsamstag mit ihren Klappern und Ratschen durch die Straßen ziehen und das Läuten der Kirchenglocken ersetzen. Bereits im vergangen Jahr machte Corona den Brauch unmöglich. Auf ihrer Website empfiehlt die Diözese Würzburg von zuhause aus zu klappern.

Zu den sonst üblichen Zeiten sollen die Kinder an die Haustür oder ein offenes Fenster treten und ihren Dienst von dort aus versehen, heißt es in dem Schreiben. In den Kreisstädten Lohr und Marktheidenfeld hat das Klappern keine wirkliche Tradition. Anders sieht es in den kleineren Dörfern und Gemeinden außenrum aus: Hier hat der Brauch eine lange Geschichte. Wie geht man dort dieses Jahr mit der Situation um?

Jeder sollte etwas hören

In Rodenbach folgt man der Empfehlung, erklärt Küsterin Erika Emrich: »Ich habe alle Besitzer einer Klapper hier in Rodenbach kontaktiert. Frühs, mittags und abends klappern sie für drei Minuten von ihrem Grundstück aus.«

Glücklicherweise seien sie dabei ziemlich gut über das gesamt Ortsgebiet verteilt. »Da sollte jeder im Ort etwas hören«, so Emrich. Eine Sammlung von Süßigkeiten und Geld kann es heuer natürlich auch nicht wie normal geben. In Rodenbach geht das nun aber kontaktlos: Emrich verteilt Handzettel, auf denen über das Klappern informiert wird. Auf dem Zettel sind auch Anlaufstellen für die Sammlung angegeben, an denen man kontaktlos eine kleine Aufmerksamkeit für die Klapperer abgeben kann. »Die Klapperer freuen sich darüber. Immerhin ist auch die Sternsinger-Aktion zu Beginn des Jahres schon ausgefallen«, sagt die Küsterin.

Keine persönliche Sammlung

Auch die Wombacher Klappermeister erledigen ihre Arbeit heuer sozusagen im Homeoffice. Auf einem Flyer, den die Mädchen und Jungen über die sozialen Medien verbreiten, heißt es: »Ostern ist trotz Corona. Die Kartage sind trotz Corona.« Vom Balkon, Fenster, der Tür oder dem Hof aus werden die Klappermädchen und -buben dazu aufgerufen, mit Klappern oder Holzklötzen an der Aktion teilzunehmen. Eine Sammlung werde es hier aber nicht geben, heißt es auf Nachfrage.

»In Steinbach fällt das Klappern in diesem Jahr aus«, berichtet Pastoralassistentin Marie-Bernadette Reichert. In Pflochsbach und Halsbach hingegen werde die Tradition des Klapperns auch heuer fortgesetzt. Dort geschieht das allerdings als Dorfgemeinschaftsaktion, erklärt Reichert: Die Bewohner der beiden Gemeinden können dabei zu den festgelegten Uhrzeiten von zuhause aus daran teilnehmen und klappern. Auch Klappersprüche soll es geben.

Die Sendelbacher Messdiener ratschen wie auch die Rodenbacher von daheim aus. Dazu rufen sie die Klappersprüche aus.

Von zuhause aus klirren auch die Menschen in Marienbrunn und Zimmern, sagt Gemeindereferentin Isabel Oestreicher. Normalerweise wird der Dienst nur von den Ministranten der Gemeinde erledigt. Wie aber schon im Vorjahr unterstützen auch heuer wieder Kinder und Erwachsene den Ritus.

Richtig durch die Straßen ziehen die Klappermädchen und -buben in Rothenfels und Hafenlohr. In Rothenfels gehen dabei nur Geschwisterpaare gemeinsam durch den Ort und in Hafenlohr tun sich jeweils maximal zwei Haushalte zusammen, um der Tradition nachzugehen. Allerdings kann auch hier wieder kein Dankeschön in Form von Süßigkeiten oder ähnlichem entgegengenommen werden, heißt es aus der Pfarrei. Auch die Gemeinde Windheim geht nach der Zwei-Haushalts-Regelung vor.

Hintergrund: Klappern und Osterlicht

Am Karfreitag und Karsamstag schweigen traditionell die Glocken der Kirchtürme in der katholischen Kirche. Der Überlieferung zufolge fliegen die Glocken nämlich an diesen beiden Tagen nach Rom zur Beichte. Gemeint ist damit, dass die festlichen Glockenklänge nicht angemessen sind während des Kreuztods Jesu. Während der beiden Tage ist es Brauch, dass Kinder mit lärmenden Instrumenten, sogenannten Klappern oder Ratschen, durch die Straßen ziehen und das Läuten der Glocken ersetzen. Damit verkünden sie die Uhrzeit und rufen zur Messe. Auch hier in der Region drehen Kleingruppen normalerweise dreimal täglich ihre Runden durch die Dörfer und Gemeinden. Frühs, mittag und abends erklingt dann lautstarkes Geklappere. Zu dem Lärm der Ratschen gibt es vielerorts noch Sprüche beim Rundgang durch die Ortschaften.

Weil das in diesem Jahr aber vielerorts nur eingeschränkt möglich ist, haben sich zwei Gemeinden etwas besonderes einfallen lassen: Um die Osterbotschaft und die Osterfreude dennoch auch in diesem Jahr ein wenig greifbar zu machen, verteilen die Sendelbacher Ministranten und die Messdiener aus Zimmern das Osterlicht in der Gemeinde. Auf Vorbestellung können Gemeindemitglieder ein Osterlicht ordern. Am Ostersonntag entzünden die Ministranten dann eine Kerze, die vor dem Haus platziert wird. Das geschieht selbstverständlich kontaktlos und coronakonform, heißt es aus den Pfarreien. ()

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