"Kinder lieben unheilvolle Geschichten"

Friedel Liedhegener: Der 75-Jährige führt seit seiner Kindheit Puppenspiele auf - Neuerdings auch im Frammersbacher Zimmertheater

Lohr a.Main
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Schon als Kind hat Friedel Liedhegener Puppenspiele aufgeführt - diese Leidenschaft hat sich der Initiator der Lohrer Puppenbühne bis heute bewahrt.
Foto: Frank Zagel
Frie­del Lied­he­ge­ner be­t­reibt seit den 90er-Jah­ren die Loh­rer Pup­pen­büh­ne. Der 75-Jäh­ri­ge tritt nicht nur in sei­nem Hei­mat­land­kreis auf Fes­ten und in Schu­len auf, son­dern bei­spiels­wei­se auch in Aschaf­fen­burg und Würz­burg. Seit ver­gan­ge­nem Jahr be­rei­chert der Rent­ner mit Gast­spie­len das Fram­m­ers­ba­cher Zim­mer­thea­ter. Was das be­son­de­re an sei­nem Pup­pen­spiel ist und warum er Vor­le­sen als lang­wei­lig emp­fin­det, ver­riet Lied­he­ge­ner im In­ter­view.

Herr Liedhegener, woher stammt Ihre Leidenschaft zum Puppenspiel?

Bereits als Kind habe ich gegen Honorar Puppenspiele aufgeführt. Gelernt habe ich das von einem musisch veranlagten Onkel. Das war in den 50er-Jahren. Seitdem haben mich Puppen nicht mehr losgelassen. Geschichten habe ich schon immer gerne erzählt. Früher meinen drei Söhnen, später meinen Enkelkindern. Mit meiner zehnjährigen Enkelin Marie betreibe ich zur Zeit die Lohrer Puppenbühne.

Wie kam die Idee zur Lohrer Puppenbühne?

In den 90er-Jahren entstand durch den damaligen Leiter des Lohrer Juze, Heinz Schwaiger, die Idee, eine Puppenbühne im Jugendzentrum zu installieren. Mit Heinz spielte ich bereits in der Band Moenus. Mit drei weiteren Spielern haben wir die Puppenbühne aufgebaut. Da gab es sogar Livemusik.

Woher haben Sie Ihre Puppen?

Die Puppen habe ich von meinen beruflichen Reisen aus der ganzen Welt mitgebracht. Vor allem aus Rajasthan in Indien.

Sie begannen damals schon mit Ihrer ganz eigenen Form des Puppenspiels?

Die Kinder folgen der Geschichte und agieren ausschließlich mit den Puppen. Dabei leben sie ihr eigenes Spiel, ganz ohne Bühne. Da kann es manchmal heftig zugehen. Mitunter gibt es Mord und Totschlag. In einem persischen Märchen wird der Held von seinem Bruder verraten. Den möchten die Kinder immer sofort lynchen.

Schreiten Sie dann ein?

Ja, das muss ich (lacht). Auch wenn der Verräter den Tod verdient hat, muss er nicht sterben. Da nehmen die Kinder auch keine Rücksicht darauf, dass es der eigene Bruder ist.

Welche Geschichten sind das und warum entschieden Sie sich für sie?

Mit der Puppenbühne gehe ich in die persische Richtung. Alle Geschichten haben ein Grundthema auf zwei Erzählebenen und Tiefgang. Erst ab sechs Jahren verstehen die Kinder die Zusammenhänge. Das Vorlesen ist ein langweiliger Monolog. Als Leser bin ich nur der Sprecher für einen Text. Ich muss immer meine persönliche Note mit einbauen.

Welche Geschichten sind am beliebtesten?

Kinder mögen keine Liebesgeschichten. Dagegen sind die Schwerter meiner Puppen sehr beliebt. Sie lieben unheilvolle und blutige Geschichten. In meinen Märchen geht die Geschichte aber immer gut aus, das wollen die Kinder auch so.

Seit Kurzem haben Sie Gastauftritte im Frammersbacher Zimmertheater von Kolja Liebscher. Wie kam es dazu?

Bei einem seiner Auftritte in Frammersbach sprach ich ihn an. Leider kommen keine großen Kinder, vielleicht auch weil die Eltern nicht fahren wollen. Zwei Veranstaltungen mussten wir schon absagen. Wenn das nicht angenommen wird, höre ich ganz schmerzfrei wieder auf. Wir haben es versucht.

Info: Das Frammersbacher Zimmertheater von Kolja Liebscher in der ehemaligen Tennisklause bietet drei verschiedene Puppenbühnen unter einem Dach. Liebscher selber spielt Schattentheater, Natalie Melchior erzählt mit ihrem Märchenkoffer und seit November ist die Lohrer Puppenbühne mit Friedel Liedhegener vertreten.

Die nächsten Gastspiele von Friedel Liedhegener sind "Das Schloss auf dem Glasberg" am Samstag, 29. Februar, "Omar, der Fischer" am Sonntag, 1. März, und "Kalif Storch" am Sonntag, 29. März, jeweils um 15 Uhr.

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