Keine eigene Stelle für Sozialarbeit an Grundschule Wombach

Erziehung

Lohr a.Main
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Mit sie­ben zu drei Stim­men hat der Aus­schuss für Wirt­schaft, Ge­sell­schaft und Kul­tur des Stadt­ra­tes am Mitt­woch den An­trag der Grund­schu­le Wom­bach ab­ge­lehnt, dort ei­ne Stel­le für Ju­gend­so­zial­ar­beit an Schu­len (JaS) ein­zu­rich­ten. Da­mit ist das The­ma aber nicht vom Tisch. Bür­ger­meis­ter Ma­rio Paul ver­si­cher­te, die Stadt­ver­wal­tung wol­le sich ei­nen Über­blick ver­schaf­fen, wie die Grund­schu­len in ih­rer Er­zie­hungs­ar­beit un­ter­stützt wer­den könn­ten.

An den vier Grundschulen im Stadtgebiet gibt es bislang nur in Lohr eine halbe JaS-Stelle. Die Wombacher Rektorin Christine Schleßmann berichtete, von den aktuell 94 Kindern in fünf Klassen aus Wombach, Rodenbach und Neustadt hätten 29 Prozent einen Migrationshintergrund. Einigen Kindern merke man an, dass es ihnen schwer falle, Erlebtes und die täglichen Herausforderungen im Schulalltag zu bewältigen.

Dazu komme die Sprachbarriere. Durch die Corona-Pandemie hätten sich psycho-soziale Probleme allgemein verschärft. Kinder hätten Schwierigkeiten bei der Einhaltung schulischer Regeln. Das sei auch auf die fehlenden Kontakte in den Zeiten mit Distanzunterricht zurückzuführen, so Schleßmann.

Viele Eltern brauchen nach den Worten der Schulleiterin Hilfe und Beratung in Erziehungsfragen. Die Schule wolle früh unterstützend eingreifen und habe deshalb den Antrag auf eine JaS-Stelle gestellt. Besonders bei zwei Kindern müssten weitere Hilfen in Anspruch genommen werden. »Der Förderbedarf steht überhaupt nicht in Frage«, betonte Bürgermeister Paul. Es stelle sich aber die Frage, welches Instrument das richtige sei, um dem Förderbedarf zu begegnen.

Nach Angaben von Marcel Brunner, dem Referenten für Familie, Kinder und junge Menschen im Lohrer Rathaus, gibt es derzeit wegen der Corona-Pandemie eine erhöhte Förderung für JaS-Stellen. Bisher steuerten das Jugendamt und die Regierung in Würzburg jeweils rund 16.300 Euro für eine JaS-Vollzeitstelle bei. Die restlichen Kosten müsse die Kommune tragen.

Das Förderprogramm lege noch einmal 16.300 Euro drauf, so dass kaum Kosten bei der Kommune verblieben. Allerdings ende das Programm mit Ablauf des Schuljahrs 2022/23. Sollte sich der Ausschuss für eine Stelle in Wombach entscheiden, müsse er sich Gedanken über eine Anschlussfinanzierung machen.

Zudem müsse auch noch der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistags zustimmen, so dass mit einer Besetzung der Stelle erst Anfang 2023 zu rechnen sei. Das bedeute, dass die erhöhte Förderung nur für ein gutes halbes Jahr in Anspruch genommen werden könnte, so Brunner. Das Rathaus sehe den Antrag kritisch, weil viele der von Schleßmann geschilderten Herausforderungen keine JaS-Aufgaben seien, und empfehle dem Ausschuss deshalb die Ablehnung.

Als Alternative brachte Bürgermeister Paul eine Zuweisung der beiden besonders förderbedürftigen Schüler durchs Schulamt an die Fit-Klasse an der Grundschule Lohr ins Spiel. Dabei handelt es sich um ein zusätzliches unterstützendes Angebot mit verringerter Klassenstärke und erhöhtem Personaleinsatz. Eine Überweisung an die Förderschule komme nicht in Frage, weil diese keine Kapazitäten frei habe, erfuhr Ulla Menzel (CSU) von Schleßmann.

Peter Sander (FDP) betonte, man dürfe die JaS-Stelle an der Grundschule Wombach nicht nur von den beiden Fällen abhängig machen. Wegen der Corona-Pandemie und ihren Folgen werde der Bedarf nach solchen Stellen in den kommenden Jahren an allen Schulen steigen. Das sah auch Marcel Brunner so: »An allen Schulen ist die Situation zurzeit schwierig. Man merkt die Isolation der Kinder in den letzten eineinhalb Jahren am Sozialverhalten. Das soziale Miteinander ist nicht mehr so wie vor der Pandemie.« Dennoch seien zwei Fälle zu wenig für eine JaS-Stelle.

»Ich tue mich schwer«, bekannte Mario Paul. Es gebe schulische Herausforderungen, die zunähmen. Auch wenn die JaS-Stelle nicht die richtige Lösung für Wombach sei, könne man nicht einfach »Nö sagen und das Thema dann fallen lassen«. Vielmehr müsse man schauen, was für die Schule, die Lehrkräfte, die Kinder und die Eltern das beste sei. Das solle übergreifend für alle Grundschulen in Lohr geschehen, versicherte er.

Für diesen Kurs fand sich im Ausschuss eine Mehrheit von sieben Stimmen. Für eine JaS-Stelle in Wombach votierten neben Peter Sander die beiden Sozialdemokraten Sven Gottschalk und Thomas Nischalke.

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