Kartoffelkönige swingen und jazzen

Musik: Eduard Stenger, Bernd Werkmeister und Sigi Elstner spielten als neues Trio Potatokings Gipsy Swing

Lohr a.Main
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Eduard Stenger, Sigi Elstner und Bernd Werkmeister (von links) sind die Potatokings. Foto: privat
Foto: Potatokings
»Wir woll­ten im Al­ter noch ein­mal was an­de­res pro­bie­ren.« Bei Edu­ard Sten­ger weiß man oft nicht ge­nau, ob ei­ne Aus­sa­ge ernst oder schwarz­hu­mo­rig ge­meint ist. Fakt ist je­den­falls: Der Lei­ter des Loh­rer Schul­mu­se­ums, Bernd Werk­meis­ter und Si­gi Elst­ner ha­ben ein Gi­p­sy-Swing-Trio na­mens Po­ta­to­kings ge­grün­det.

Der Gruppenname »Kartoffelkönige« ist schnell erklärt, ist Stenger doch seit Jahren der »Kartoffelkönig« und Chef des Lohrer Kartoffelclubs. Die Aussage mit dem Alter trifft zu, Elstner ist Jahrgang 1939, Stenger 1941 und Werkmeister 1946. Musikalisch haben alle drei »reiche Erfahrungen«, so Stenger.

Der frühere Volksschullehrer lernte schon mit neun Jahren Geige, später weitere Instrumente und war unter anderem in den 1980er- und 1990er-Jahren Mitglied des Lohrer Jazz-Trios Modern Classics mit Bernd Werkmeister und Gerhard Heinstein. Werkmeister gründete schon in der Schulzeit eine Band und trat neben vielen weiteren Engagements 15 Jahre lang beim Veitshöchheimer Fernsehfasching mit der Gruppe Parodis auf.

Der Neue im Trio ist Sigi Elstner, der seit den 1960er-Jahren in Lohr als Akkordeonspieler und Kontrabassist verschiedene Einsätze hatte, hin und wieder als Orgelspieler aushalf und in den letzten 20 Jahren als Alleinunterhalter und in verschiedenen Kapellen auftrat. Ihn kennenzulernen, war nicht schwer. »Er wohnt wie ich in Halsbach«, berichtet Stenger.

Werkmeister ist als Neuendorfer auch nicht weit weg. Im neuen Trio spielt Stenger Posaune, Elstner Kontrabass, Werkmeister ist an der Gitarre zu hören und singt. Die Musikrichtung beschreibt Stenger als Gipsy Swing in Anlehnung an den Stil von Django Reinhardt. Im Moment sei man dabei, Teile des eigenen Repertoires auf diese »anspruchsvolle, mitreißende und etwas andere Art der musikalischen Interpretation« umzustellen, so Stenger. Ihm selbst komme diese Art der Musik sehr entgegen, »weil ich die Töne gerne schleifen lasse«. Es sei eine freie Musik, als Musiker sei man dabei nicht so eingebunden.

Ihm mache die neue Musikrichtung viel Spaß. Mit seinen beiden Mitspielern komme er gut zurecht. Es sei ein Experiment, Auftrittsmöglichkeiten würden sich schon ergeben. Dann bricht wieder der typische Stenger durch: »Das ist eine schöne Musik, für Polterabendmusik sind wir zu alt.« Musikalisches »Hirn« der neuen Band ist Bernd Werkmeister. Die Musik von Django Reinhardt liebe er schon seit vielen Jahren, sagt er. Es sei faszinierend, was Reinhardt mit der Gitarre angesichts seiner Einschränkungen mache.

Jean »Django« Reinhardt (1910 bis 1953) war ein französischer Gitarrist, Komponist und Bandleader. Das Kind französischsprachiger Sinti gilt als Vorreiter des europäischen Jazz. Als Opfer eines Brandes konnte er einige Finger nicht mehr benutzen und entwickelte eine neue Spieltechnik.

Die Musik des neuen Trios erinnert nach Werkmeisters Worten an Swing und Jazz, sei aber rhythmischer aufgebaut. Derzeit sitze er am Computer und arrangiere Stücke in diesem Stil um, »die wir früher als normalen Swing gespielt haben«. Zudem wolle er sich eine Gipsy-Gitarre zulegen. Diese habe einen drahtigeren, manchmal richtig harten Klang in Richtung Banjo und sorge für »knackige« Musik. Zu Reinhardts Zeiten habe es noch keine Verstärker gegeben, deshalb habe sich die Gitarre auf diese Weise gegenüber den anderen Instrumenten behaupten müssen, erläutert Werkmeister.

Die Musik sei anders, nicht jedermanns Geschmack, aber sehr rhythmisch. Was die Potatokings derzeit spielten, sei »mit Sicherheit noch nicht Gipsy Swing, aber wir sind auf dem Weg dorthin«. Damit habe das Trio Alleinstellungsmerkmal in der Region. Eines sei aber allen Beteiligten klar: An moderne Gipsy-Jazz-Virtuosen wie den aus Mönchengladbach stammenden Josho Stephan, den Werkmeister bereits einige Male live gehört hat, »kommen wir nicht mehr ran«.

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