Kai Hetzel übernimmt Arztpraxis

Hafenlohrer Ärztehaus: Arzt Josef Pullmann wechselt zum 1. April in ein Angestelltenverhältnis

Hafenlohr
3 Min.

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Kai Hetzel, Josef Pullmann und Hafenlohrs Bürgermeister Thorsten Schwab (von links) vor einem Entwurf des neuen Ärztehauses. Foto: Joachim Spies
Foto: JOACHIM SPIES
Nur das ge­sch­mück­te Bäum­chen fehl­te, dann wä­re die vor­ge­zo­ge­ne Weih­nachts­be­sche­rung im An­ker­saal in Ha­fen­l­ohr per­fekt ge­we­sen.

Gemeinsam wollten sie »ein Geheimnis lüften« leitete Bürgermeister Thorsten Schwab das Pressegespräch ein und stellte gemeinsam mit Zweiter Bürgermeisterin Elisabeth Stahl und dem örtlichen Arzt Josef Pullmann den Vierten in der Runde vor: Kai Hetzel, den neuen Allgemeinarzt für Hafenlohr. Er wird zum Jahresbeginn in die Praxis Pullmann einsteigen und diese zum 1. April des kommenden Jahres übernehmen.

Dieses Geheimnis war gelüftet, das andere, wie man in Zeiten von Ärztemangel in ganz Deutschland überhaupt so einen Glückgriff landen kann, erklärte Schwab so: »Die Gemeinde hat ihren Teil dazu beigetragen und wird durch den Umbau des Ärztehauses den Standort attraktiv gestalten.« Konkret heißt das unter anderem: eine Erweiterung im rückwärtigen Bereich mit barrierefreiem Zugang und Aufzug, die Umstellung von Öl- auf Pelletsheizung, die Modernisierung von Empfang, Warte- und Behandlungszimmern (siehe Hintergrund-Kasten).

Irgendwann sogar zwei Ärzte?

Rund 640.000 Euro nimmt die Gemeinde dafür in die Hand. Der Beschluss fiel dem Gemeinderat nicht allzu schwer, nachdem am Montag in der Sitzung deutlich wurde, dass es eine Investition in die Zukunft ist, die der Bevölkerung zugute kommt. Die Planung übernimmt Bernd Müller vom Büro BMA. Schwab sagte im Pressegespräch, dass er nicht ausschließe, langfristig einen zweiten Arztsitz nach Hafenlohr zu bekommen. Durch den Ausbau des Ober- und Dachgeschosses im Ärztehaus sind jedenfalls genug Räume da.

Mit Pullmann und Hetzel haben sich zwei gefunden, bei denen offenbar alles passt. Josef Pullmann sprach von einem »großen Glück« und der Freude, dass er seine Praxis nicht schließen müsse. Der Internist wird demnächst 64 und wird ab April als Angestellter bei Hetzel zumindest bis zum Rentenalter von 65 Jahren weitermachen, vielleicht auch länger.

2004 hat Pullmann die Praxis übernommen und kann seinen Patienten nun eine »weiche Landung« bieten. Für sich selbst sieht er einen »geregelten und abgefederten Abschied«.

Lob für den Vorgänger

Kai Hetzel wiederum lobte das »völlig unproblematische Verhältnis«, verglich es gar mit der Übergabe eines Betriebs vom Vater auf den Sohn. Das Entgegenkommen der Gemeinde habe ihm die Entscheidung leicht gemacht, obwohl er sehr viel Auswahl und sogar ein Angebot aus Neuseeland gehabt habe.

»Das hat hier eine Perspektive, insbesondere weil der Umbau die Praxis zukunftsfähig macht«, sagte er. Auch die technische Ausstattung der Praxis durch Pullmann sei toll. Beim Personal - es sind sieben Beschäftigte - werde sich nichts ändern.

Einen gewissen Anteil an der Entscheidung hatte sicher auch die Heimatverbundenheit des neuen Facharztes für Allgemeinmedizin, der am 15. Dezember seine Zulassung von der Kassenärztlichen Vereinigung bekommen hat. Der 43-jährige Hetzel stammt aus Michelrieth und wohnt mit Partnerin und Hund auch wieder dort, hat Abitur in Marktheidenfeld gemacht und in Würzburg studiert. Sein großes Hobby ist die Musik; in mehreren Bands hat der Gitarrist gespielt.

Die Weichen in die Medizin gestellt hat sein Zivildienst im Marktheidenfelder Krankenhaus. Mehrere Facharztpraxen in der Stadt und dem Umland hat Hetzel während des Studiums und der weiteren Ausbildung kennengelernt.

Ausweichen notfalls möglich

Dass Probleme für den Betrieb des Ärztehauses während des Umbaus auftreten können, glaubt Thorsten Schwab nicht, sieht aber durch das Bürgerhaus nebenan und notfalls eine Containerlösung Ausweichmöglichkeiten gegeben.

Mit dem Bau werde es wohl erst im Jahr 2023 losgehen, meinte der Bürgermeister, der das Projekt dann aber auch im selben Jahr abgeschlossen haben möchte. Im Pressegespräch betonte Schwab, dass die Anstrengungen der Gemeinde Hafenlohr keineswegs im Widerspruch zur derzeitigen Diskussion um ein Ärztehaus in Marktheidenfeld stünden. Dort gehe es um die Ansiedlung von Fachärzten, weniger um Allgemeinmediziner.

Hintergrund

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Hafenlohr ging es auch um die folgenden Themen:

Umgehungsstraße: Bezüglich der Umgehung informierte Bürgermeister Thorsten Schwab, dass in der hochwasserarmen Zeit eine Behelfsbrücke über die Hafenlohr gebaut wird. Dies kann bis zu fünf Monate dauern. Nach deren Fertigstellung erfolgt die Baufeldfreimachung. Dabei werden der Dammkörper auf das erforderliche Niveau abgetragen und die restlichen Bestandsbauwerke zurückgebaut. »Hierbei werden erhebliche Erdbewegungen stattfinden«, so Schwab.

Schlusssitzung: Coronabedingt klang die letzte Sitzung des Jahres nicht mit einer Bildergalerie aus. »Bleibt alle gesund und munter. Wir haben nächstes Jahr ja einiges vor«, sagte Schwab.

Bauantrag: Gegen den Antrag auf Neubau eines Wohnhauses mit Doppelgaragen in der Bahnhofstraße gab es keine Einwände.

Hintergrund: Pläne für Umbau des Ärztehauses in Hafenlohr

In der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres in Hafenlohr war Architekt Bernd Müller zu Gast und stellte die Planungen für den Umbau des Ärztehauses in Hafenlohr vor. Größte Änderung wird hierbei, dass der Eingang von vorne nach hinten verlegt und ein Aufzug installiert wird.

Die Garagen kommen weg und an deren Stelle kommen die neue Heizungsanlage, ein Pelletslagerraum und der Aufzug. Es soll im Erdgeschoss eine barrierefreie Toilette, zwei Wartezimmer und mehrere Behandlungsräume geben. Im Obergeschoss wird es ein Archiv, ein Labor und einen weiteren Behandlungsraum geben und im Dachgeschoss den Personalraum und einen Abstellraum. Da der Umbau laut Bürgermeister Thorsten Schwab aber nicht vor 2023 losgehen wird, ist die genaue Planung noch nicht in Stein gemeißelt und kann noch verändert werden.

Auch die Fragen, ob man noch eine zusätzliche Toilette braucht, die Mauer im Hof doch gleich mit wegmacht und die Heizung auch für den Ankersaal auslegt, können noch geklärt werden. Gleiches gilt für die Frage nach der Dämmung. Eine Außendämmung wird von Manuel Fischer favorisiert, der Architekt wäre eher für eine Innendämmung und Karin Lipinski bevorzugt eine Dachdämmung.

Die Kosten schätzt Müller aktuell auf 640.000 Euro, wovon rund 178.000 Euro förderfähig sind. Er wies darauf hin, dass es sich um eine Kostenschätzung handelt. Am Ende stimmte der Rat den Planungen grundsätzlich zu. ()

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