Jugendbegegnung in Israel

Austausch: Main-Spessarter besuchen das heilige Land - Gespräch mit einem Holocaust-Überlebenden

Main-Spessart
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Jugendaustausch mit Israel. Foto: Bernhard Metz, Landratsamt
Foto: Bernhard Metz, Landratsamt
Zum sechs­ten Mal hat ei­ne Ju­gend­grup­pe aus dem Land­kreis Main-Spess­art auf Ein­la­dung von »Ex­pe­ri­ment Is­ra­el« das hei­li­ge Land be­sucht. Mit Sha­lom, Will­kom­men und Deut­sch­land-Fah­nen wur­de die Grup­pe am Flug­ha­fen Ben Gu­ri­on in Tel Aviv von den is­rae­li­schen Ju­gend­li­chen herz­lich be­grüßt.
Der Leiter der Main-Spessarter Delegation, Kreisjugendpfleger Bernhard Metz, hatte im Vorfeld mit den israelischen Verantwortlichen ein interessantes und abwechslungsreiches Besuchsprogramm zusammengestellt. Über den Besuch hat das Landratsamt eine Pressemitteilung verfasst.
Bei den Eltern der israelischen Jugendlichen, die im August 2017 den Landkreis Main-Spessart besucht hatten, waren die Besucher sehr gut untergebracht. Persönliche Kontakte wurden vertieft und neue Unternehmungen für die nahe Zukunft ausgedacht.
Die deutschen und israelischen Jugendlichen besuchten viele historische und geschichtsträchtige Orte und lernten Land und Leute kennen. Wie unterschiedlich die Bevölkerungsgruppen in Israel sind, erlebte die Gruppe in Peki’in, ein Dorf mit 6000 Einwohnern im Norden Israels.
Auf den malerischen Hügeln im oberen Galiläa leben die »Drusen«. Sie sprechen Arabisch, haben eine eigene Fahne und stehen zum Staat Israel - im ganzen Land leben 133 000 Drusen. Die Tour ging weiter in den Norden nach Banyas.
Im Sechstagekrieg eroberte Israel den zu Syrien gehörenden Golan und damit auch das Gebiet um das heutige Banyas. Der Name Banyas geht auf das griechische Paneas zurück. Eine interessante Wanderung führte durch das Quellgebiet des Jordan, einem herrlichen Naturreservat mit Wasserfällen und üppiger Vegetation.
Zusammenhalt stärken
Eine richtige Herausforderung und Mutprobe war der Besuch des »Extrem Park« in Acre (Akko). Mit Team- und Wettbewerbsspielen wurden Gemeinschaft und Selbstbewusstsein der Gruppe gestärkt. Alle Jugendlichen absolvierten den Kletterparcours, bei dem eifrig Schlüssel gesammelt wurden, die für den Gewinn der Schatztruhe notwendig waren. Überwindung kostete der Sprung vom 33-Meter-Turm. Mit dem Besuch des Children’s Memorial im Kibbuz Lohamei Hagetaot und einem Bericht eines Holocaust-Überlebenden wurden die Jugendlichen mit der deutschen Vergangenheit konfrontiert.
»Ich bin kein Held, sondern habe nur Glück gehabt«, so begann der 94-Jährige. Max Livni, Sohn einer Mannheimerin und eines Wissenschaftlers aus Prag. Er schilderte sein junges Leben in Prag sowie die Verschleppung und den Verlust der ganzen Familie im Konzentrationslager Auschwitz.
Gespannt lauschten die Jugendlichen den Erzählungen des Zeitzeugen und waren tief beeindruckt und innerlich berührt von den Erlebnissen des damaligen Jugendlichen. Der rüstige Mann diskutierte mit den Jugendlichen die Ereignisse im Nationalsozialismus und beeindruckte mit seiner Aussage, keinen Groll gegen die jungen Deutschen zu empfinden.
Auf die Frage, was er den jungen Leuten auf ihren Lebensweg mitgeben möchte, forderte er die Jugendlichen auf, für die Meinungsfreiheit und Demokratie einzutreten und dort die Stimme zu erheben, wo Unrecht geschieht. Mit dem Vortrag möchte er ihnen nahe bringen, welches Leid, Ungerechtigkeit und Willkür eine inhumane, fehlgeleitete Politik den Menschen bringen kann.
In Jerusalem angekommen, wurde jeder Schritt zum Erlebnis. Der Ölberg mit dem Garten Gethsemane, an dem Jesus mit den Jüngern seine letzte Nacht vor der Kreuzigung in Todesangst verbrachte, die Klagemauer, an der die Juden den Verlust des Tempels beklagen, der Gang durch die Via Dolorosa, orientalische Basare und die Stationen des Leidens Christi bis zur Grabeskirche Jesu.
Die viele tausend Jahre alte Geschichte Jerusalems konnte damit fast greifbar nahe gemacht werden. Weiter ging es Richtung Süden nach Qaser al Yahud, der Taufstelle Jesu am Jordan. Am Roten Meer, über 400 Meter unter dem Meeresspiegel, konnten die Jugendlichen das mineralhaltige Seewasser und den berühmten schwarzen Heilschlamm genießen.
In der Felsenfestung Masada
Ein weiterer Höhepunkt war die beeindruckende Felsenfestung Masada am Toten Meer. Hier verschanzten sich die jüdischen Zeloten und kämpften bis zum bitteren Ende gegen das römische Imperium.
Ein Stopp bei den Beduinen verdeutlichte die Situation eines einfachen Lebens in der Wüste. Die Negev-Wüste war ein wichtiger Bestandteil der Gewürzstraße. Auf dem Rücken eines Kamels erlebten die Jugendlichen hautnah das Transportmittel der Wüstenbewohner, bevor es wieder zurück nach Tel Aviv ging.
Ein schöner Reiseabschluss war das Treffen mit Nachfahren der ehemaligen Wiesenfelder Familie Stern. Chaim Stern berichtete über die Zerstörung und Schändung der Synagoge in Wiesenfeld. Die fünf Kinder von Hugo und Mathilde Stern konnten nach Palästina auswandern, darunter Max Stern, der Vater von Chaim Stern. Den Eltern dagegen und der Tante Flora gelang die Ausreise nicht mehr: Sie wurden 1942 mit 18 weiteren Wiesenfelder Juden in Belzec ermordet.
Die Reise nach Israel war für alle Teilnehmer eine einmalige, faszinierende Erfahrung. Die Begegnung mit einer anderen Kultur, Traditionen und Lebensweise, die in den Gastfamilien erfahrbar und miterlebt werden konnte, stärkt die Toleranz füreinander.
Die Jugendlichen haben schon fest den Gegenbesuch in Deutschland im kommenden Jahr im Blick. Die Jugendbegegnung wird über das Kinder- und Jugendprogramm der Bundesregierung gefördert.
Pressemitteilung des Landratsamtes Main-Spessart
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