Holz als Heizstoff der Zukunft?

Energie: Vortragabend in der Lohrer Forstschule zu Wärmequellen in Deutschland - Fossiler Anteil bei 75 Prozent

Lohr a.Main
2 Min.

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Klaus Reisinger
Foto: Steffen Schreck
Otmar Körner
Foto: Steffen Schreck
Marie Neufanger
Foto: Steffen Schreck
Das The­ma En­er­gie und Hei­zen be­schäf­tigt die Men­schen. Auch mit­ten im Som­mer. Knapp 40 Be­su­cher ka­men am Di­ens­ta­g­a­bend zu ei­nem Vor­trag in die Loh­rer Forst­schu­le. Nach wie vor er­f­reut sich Holz als Wär­me­qu­el­le gro­ßer Be­liebt­heit. Klaus Rei­sin­ger vom Kom­pe­tenz­zen­trum für Nach­wach­sen­de Roh­stof­fe (TFZ) in Strau­bing, Ot­mar Kör­ner von der En­er­giea­gen­tur Un­ter­fran­ken so­wie Forst­re­fe­ren­da­rin Ma­rie Neu­fan­ger re­fe­rier­ten.

Klaus Reisinger, Abteilungsleiter Wissenstransfer im TFZ, machte den Anfang. Er klärte über rechtliche und technische Rahmenbedingungen bei der Verfeuerung von Holz auf. In einer Gegenüberstellung zeigte er die einzelnen Werte sowie technische Daten von der Einzelfeuerstelle wie dem Kaminofen über Scheitholzkessel, Pellet- und Hackschnitzelkessel sowie einigen Kombinationen davon auf.

Bei Einzelraumfeuerungen wie einem Kaminofen gibt es im Gegensatz zu Zentralheizungen keine Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. Technisch wurde es, als Reisinger die benötigte Kesselleistung in einem durchschnittlichen Heizjahr sowie die Wirkungsgrade von Holzfeuerungen näher erläuterte. "Die Anlage nicht zu groß dimensionieren", lautete sein Fazit. Eine Hackschnitzelanlage komme meistens für Einzelobjekte weniger in Frage. Pessimismus kam auf zum Thema Strom, der für jede Art von Zentralheizung für die Pumpen benötigt wird. Reisinger meinte, es sei ihm kein Zeitraum bekannt, in dem über einen längeren Zeitraum kein Strom zur Verfügung gestanden hätte. "Das kommt noch", hieß es gleich aus mehreren Stimmen im Publikum.

Im Anschluss warf Otmar Körner die Frage in den Raum "Was passt für meine Situation?". Er verglich mögliche Wärmequellen und Heizsysteme hinsichtlich Kosten und Nutzen. Mit einem Anteil von 49,5 Prozent (Gas) und 25 Prozent (Öl) sind in Deutschland nach wie vor die fossilen Brennstoffe das meist genutzte Heizsystem. Über die Hälfte davon sind zehn Jahre und älter, wie Körner mit einer Grafik zeigte.

Vergleich: Welche Systeme sind wirtschaftlich?

Lediglich 26 Prozent des Heizungsanlagenbestandes könne man als effizient bezeichnen, stellte er mit einem weiteren Schaubild dar. Anhand der festen, variablen und sonstigen Kosten stellte Körner die verschiedenen Systeme nach ihrer Wirtschaftlichkeit gegenüber. Das Heizöl schnitt dabei, nicht zuletzt wegen der enorm gestiegenen Preise am schlechtesten ab. Zum Thema Teuerung von Pellets meinte Körner, dass gleichzeitig eine große Nachfrage nach Holz für Spanplatten zuletzt die Preise nach oben getrieben hätten. Aktuell sei die Biomasse deutlich günstiger als fossile Energie, für Biomasse allerdings eine höhere Investition nötig.

Preise seien allgemein sehr schwankend und Prognosen schwierig, so Körner. Auch die Frage, ob genug Wald für alle da sei, konnte er nicht beantworten. Er rechnet eher mit einem sinkenden Angebot und dass Waldeigentümer wegen CO2-Zertifikaten Prämien für die Nichtnutzung bekommen. "Holz fehlt am Markt", meinte Körner. Ein Zuhörer meinte, er schlage im Jahr 350 Ster Holz ein. Die Nachfrage sei nach größeren Mengen zuletzt gesunken. "Vor ein oder zwei Jahren hätte ich 600 Ster im Jahr verkaufen können", meinte der Mann. Derzeit würden ein bis drei Ster pro Kunde in den Raum Frankfurt gehen. Für rund 150 Euro pro Ster und 100 Euro Lieferkosten.

Am Ende der Vortragsreihe gab Klaus Reisinger einen Überblick über aktuelle Förderprogramme für effiziente Gebäude (BEG). Enttäuschen musste Reisinger das Publikum beim Thema Förderprogramm BioKlima, das aus seinem Haus stammt. "Die Fördergelder sind ausgeschöpft", so Reisinger.

Hintergrund: Holz richtig lagern

Forstreferendarin Marie Neufanger zeigte den Zuhörern mit Bildern und Grafiken auf, wie Holz im Idealfall richtig gelagert wird. Das Holz soll im Winter geschlagen und trocken, aber luftig gelagert werden. Frühestens nach einem halben, eher nach einem Jahr Lagerzeit ist das Holz bereit für die Verfeuerung, meinte Neufanger.

Den idealen Wassergehalt beim Verfeuern bezifferte sie mit 15 bis 20 Prozent. Wenn das Holz frisch geschnitten aus dem Wald kommt, beträgt der Wasseranteil rund 45 bis 60 Prozent. Auch eine zu lange Lagerung kann für das Holz schädlich sein. Nach zwei bis maximal fünf Jahren soll es verfeuert werden. Aus den Zuhörerreihen kamen verschiedene Anmerkungen. Diplom-Forstwirt Wolfgang Grimm sagte, Eiche sei erst nach drei Jahren zum Verfeuern geeignet. Ein Zeichen dafür, dass das Holz trocken genug ist, sei "klappern", wenn man es auf den Stapel wirft. Klaus Reisinger meinte, vor allem das Abdecken des frischen Holzes sei in erster Linie im Winter sinnvoll. sts

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