Direktkandidaten: Hoffmann für Jamaika und Rützel für die Ampel

Verluste beim Christsozialen etwas stärker als beim Sozialdemokraten - Ursache sehen beide in größerer Konkurrenz

Main-Spessart
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Alexander Hoffmann und seine Frau Neslihan bei der Stimmabgabe im Alten Rathaus Retzbach. Bildunterschrift 2021-09-28 --> Alexander Hoffmann bei der Stimmabgabe in Retzbach. Foto: CSU
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SPD-Anhänger feiern im Innenhof des Wahlkreisbüros von Bernd Rützel in Gemünden dessen Wiederwahl in den Bundestag. Foto: Monika Büdel
Foto: Monika Büdel
Gemeinsam ist den Direktkandidaten aus dem Landkreis Main-Spessart Alexander Hoffmann (CSU) und Bernd Rützel (SPD), dass ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017 besser war. Bei der Ursache sind sie sich einig: mehr Konkurrenz. Beim Thema Koalition scheiden sich die Geister: Rützel für die Ampel, Hoffmann für Jamika.

Es sei eine »anspruchsvolle Gegenkandidaten-Kulisse« gewesen und vor diesem Hintergrund zeigte sich Alexander Hoffmann am Tag nach der Wahl durchaus zufrieden mit seinem Ergebnis im Wahlkreis Main-Spessart/Miltenberg. Mit 38,6 Prozent der Erststimmen zieht der CSU-Kandidat zum dritten Mal als Direktkandidat in den Bundestag ein. Ein deutlicheres Ja von den Wählern zu seiner Person als zu seiner Partei, die im Wahlkreis auf ein Tief von 34,4 Prozent bei den Zweitstimmen sinkt.

Allerdings muss auch der 46-jährige Rechtsexperte aus Retzbach große Verluste hinnehmen: im Vergleich zu den Bundestagswahlen 2017 mit 46,6 Prozent minus acht Prozent. Im Landkreis Main-Spessart kommt Hoffmann noch auf 39,7 Prozent, im Kreis Miltenberg nur noch auf 37,4 Prozent. Dort büßt er sogar fast zehn Prozent ein: 2017 stimmten im Kreis Miltenberg noch 47,1 Prozent für Hoffmann, in Main-Spessart waren es 46,2 Prozent.

Mit Ergebnis zufrieden

Es gab viel Gegenwind für Hoffmann: Mit Bernd Rützel (SPD), der besonders im Gemündener Raum punktete, Armin Beck (Grüne), einem bekannten Gesicht aus dem Raum Karlstadt, und Jessica Klug (FW) aus Obernburg hatte er starke Gegenkandidaten, die vor allem lokal die Wähler auf ihre Seite zogen. »Diesen Effekt sieht man und diese Stimmen fehlen. Dass ich trotz dieser Konstellation in die Nähe von 40 Prozent komme, macht mich zufrieden. Wenn man sich die Zweitstimmen anschaut, muss man aber auch sagen, dass es für uns als Volkspartei so nicht weitergehen kann«, sagt er.

Der Wahlkreis, seit jeher eine schwarze Hochburg, wird deutlich bunter. Das zeigt sich, wenn man die Ergebnisse der Bundestagswahlen 2013 hinzunimmt. Bei seiner ersten Kandidatur kam Hoffmann damals auf 51,7 Prozent, die CSU bei den Zweitstimmen auf 49,5 Prozent. Der CSU-Direktkandidat hat seitdem 13,1 Prozent der Wählerstimmen eingebüßt, die CSU sogar 15,1 Prozent. Einen Grund für die großen Verluste sieht Hoffmann in den gesellschaftlichen Herausforderungen. »2017 war es das Thema Migration, heute ist es Corona«, so Hoffmann. Als politischer Vertreter könne man argumentieren, wie man wolle, Menschen, die aufgrund dieser Themen abwandern, hole man nicht mehr zurück. »Unser Anspruch muss es trotzdem sein, zu erklären, warum wir Dinge wie entschieden haben.«

Auf Augenhöhe verhandeln

Dennoch sieht Hoffmann im Gesamtwahlergebnis auch ein deutliches Signal, »dass die Bürger eine links ausgerichtete Regierung nicht wollen«. Bereits diesen Montag machte er sich wieder auf den Weg nach Berlin, um sich für eine »Koalition der Inhalte« einzusetzen. »Eine echte Kanzlerpräferenz hat es nicht gegeben«, sagt Hoffmann. Nun gelte es über die wichtigen Inhalte zu reden, den Klimaschutz und die Frage, wie man einen wirtschaftlich guten Weg aus der Pandemie finde. »Auch als Zweitplatzierter sehe ich in diesem Sinne eine Jamaika-Koalition als beste und effektivste Lösung«, so Hoffmann.

Als Sozialdemokrat strebt Bernd Rützel stattdessen eine Koalition von SPD, Grünen und FDP an. Der Direktkandidat aus Gemünden hat im Wahlkreis Main-Spessart/Miltenberg 24,6 Prozent der Stimmen bekommen. Das sind 1,1 Prozent weniger als vor vier Jahren. Im Landkreis Main-Spessart waren es 2017 noch 26,2 gegenüber den 24,6 am Sonntag. In Miltenberg unterschied sich sein Ergebnis nur hinter dem Komma. 18,6 Prozent aktuell zu 18,8 beim vorigen Mal. Angesichts der stärkeren Konkurrenz ist Rützel dennoch zufrieden und freut sich vor allem, dass die SPD zugelegt hat.

Wichtig ist ihm, dass die Koalitionsverhandlungen zügig vorangehen und deutlich vor Weihnachten abgeschlossen werden. »Wir müssen auf Augenhöhe verhandeln. Es geht nicht um größer oder kleiner.« Die Koalition müsse zu pragmatischem Handeln fähig sein. Das sei vor allem bei Herausforderungen wie der Pandemie oder in anderen Krisen nötig. »In einer Koalition muss man zusammen durch dick und dünn gehen können«, sagt der 52-jährige Gemündener. »Ich hoffe, dass wir das hinbekommen.«

Kummer gewöhnt

Vom Wahlkampf erholen ist nicht drin, bedauert Rützel. Es liefen bereits die Vorgespräche zu den Vorgesprächen für die Koalitionsverhandlungen auf vielen verschiedenen Ebenen. Nachdem Rützel Ende voriger Woche nicht die Worte, aber doch die Stimme gefehlt hatte, ist die Erkältung weitgehend abgeklungen und er schon wieder in Berlin.

Seinen Schwerpunkt Arbeits- und Sozialpolitik möchte Rützel beibehalten. Ob er da nicht Probleme mit der FDP sieht? »Mit der CDU/CSU war es auch schon schwer. Wir sind Kummer gewöhnt«, sagt Rützel am Telefon und lacht. Um das Lieferkettengesetz durchzubringen, hätten sie acht Jahre gebraucht, nennt er ein Beispiel. Und manches habe nicht geklappt, wie das Verbot grundloser Befristungen von Arbeitsverträgen.

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