Camping: Für Ehepaar aus Main-Spessart wird Frankreich-Urlaub zum Alptraum

Heimtückischer Überfall im Wohnmobil?

MAIN-SPESSART
3 Min.

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Bei einem Frankreich-Urlaub mit dem Wohnmobil wurde ein Ehepaar aus Main-Spessart nach eigenen Angaben mit einem Narkosegas betäubt und anschließend ausgeraubt. Der ADAC Nordbayern und die Kriminalpolizei geben Sicherheitstipps für Wohnmobil-Reisende. Symbolfoto: René Ruprecht
Foto: Rene Ruprecht
Es klingt wie in ei­nem Alptraum oder aus ei­nem sch­lech­ten Film: Ein Ehe­paar aus dem Land­kreis Main-Spess­art fährt mit sei­nem Wohn­mo­bil in den Ur­laub nach Fran­k­reich. Doch aus der er­hoff­ten Er­ho­lung wird nichts.

Denn Unbekannte sollen dort ein Narkosegas in das Fahrzeug eingeleitet haben, das das Paar tief und fest schlafen ließ, berichten die Eheleute gegenüber dieser Redaktion. In dieser Zeit plündern sie das Wohnmobil, der Urlaub ist gelaufen. Und doch ist das Ehepaar »froh, mit dem Leben davongekommen zu sein«.

»Generell kommen Einbrüche in Wohnmobile zur Urlaubszeit immer wieder zur Sprache«, teilt ADAC-Pressesprecher Simon Hiller mit, weitere Fälle aus Unterfranken sind dem ADAC Nordbayern aktuell jedoch nicht bekannt. Doch es »häufen sich saisonale Wohnmobileinbrüche an Raststätten, speziell in Südfrankreich, aber auch in Kroatien, Italien, Schweden, Dänemark und Deutschland«, so Hiller. Oftmals werde der Einsatz von Betäubungsgas vermutet, dies lasse sich aber nur schwierig nachweisen.

Keine Vorfälle in Bayern

»Die Gerüchte sind uns natürlich bekannt, de facto gibt es in Bayern aber keine bestätigten Vorfälle«, sagt Markus Bursch von der Kriminalpolizei Würzburg. Er habe beim Bayerischen Landeskriminalamt nachgefragt und zudem vor rund drei Jahren mit Anästhesisten und Rechtsmedizinern gesprochen. Die Antwort: »Rein physikalisch und von medizinischer Seite aus ist die Möglichkeit, Wohnmobil-Überfälle mit Narkosegas so durchzuführen, wie es immer geschildert wird, eigentlich nicht gegeben«, sagt Bursch, der in seiner Freizeit Wohnmobilurlauber ist.

»Narkosegas ist entweder leichter oder schwerer als Luft«, so Bursch. Es gebe Personen, die im Wohnmobil oben liegen, andere würden unten liegen. Da sich die Gas-Konzentration unterschiedlich verteile, müssten mögliche Täter »eigentlich genau wissen, wie viel sie einleiten müssen, damit eine Narkotisierung eintritt«. Das Gas müssten sie genauestens justieren, »denn mit dem Narkosegas hält man die Patienten im Prinzip zwischen Leben und Tod - wenn man zu viel gibt, dann sterben sie«, sagt er. Es seien aber bisher keine Vorfälle bekannt, bei denen wirklich irgendwelche Schäden oder Todesfälle passiert sind.

Keine Löcher gefunden

Löcher, die zur Gaseinleitung eingebohrt wurden, seien ebenfalls noch nicht gefunden worden. Zudem gebe es bei Wohnmobilen eine Zwangsentlüftung. Und die Täter bräuchten so viel Gas, »dass die nicht mit einem Fläschchen kommen, sondern eine etwas größere Apparatur über den Parkplatz schieben müssten, um entsprechend Narkosegas einleiten zu können«, erklärt Bursch.

Aufgrund dieser vielen Faktoren »muss ich ganz klar sagen, dass diese Möglichkeit für mich eigentlich nicht existiert«, sagt Bursch. Dass jemand im Schlaf überfallen wird und es nicht bemerkt, weil er dann im Wohnmobil zur Betäubung »vielleicht einen Lappen auf die Nase gedrückt bekommt, das ist möglich«, sagt der Polizist und Wohnmobilfahrer.

Bewachte Plätze suchen

Sein Tipp: Gerade in Südfrankreich oder im spanischen Bereich, wo Überfälle eher vorkommen sollen, sollten Reisende Wohnmobilstellplätze oder Campingplätze auswählen, die bewacht sind. »Nicht überwacht mit Video, sondern bewacht mit einem Sicherheitsdienst«, betont Bursch. Sich einfach nur an eine Raststätte zu stellen, sei dagegen nicht empfehlenswert. Dort laufen einige Kühlaggregate der Lkw, »dann ist es sowieso ein bisschen lauter, da achtet auch keiner wirklich darauf, ob da jemand läuft und irgendwo einbricht«, so Bursch.

Als eine Betrugs-Masche bei Wohnmobilisten gebe es laut dem ADAC immer wieder vorgetäuschte Pannen. Dabei werde als »Ablenkungsmanöver für einen Diebstahl auf vermeintliche Schäden am Fahrzeug hingewiesen«. Zudem gebe es den sogenannten Spiegeltrick: Dabei behaupten die Betrügerinnen und Betrüger, »dass man einen Seitenspiegel eines anderen Fahrzeugs beschädigt hätte«, so ADAC-Pressesprecher Hiller. Auch aufgeschlitzte Reifen seien eine gängige Methode, um Wohnmobilisten zum Anhalten zu zwingen.

Fenster und Türen schließen

Der ADAC Nordbayern empfiehlt, das Wohnmobil mit einem Spanngurt oder einer Kette zu sichern, die etwa durch Haltegriffe oder Armlehnen gezogen werden können. So werde verhindert, dass Fahrzeugtüren von außen geöffnet werden können. Um sich gegen nächtliche Einbrüche bestmöglich zu schützen, sollten Fenster und Türen möglichst geschlossen bleiben. Im Fachhandel gibt es zudem Türsicherungen, die einen zusätzlichen Schutz bieten.

Dokumente und Wertsachen sollten laut Hiller »keinesfalls offen auf dem Beifahrersitz liegen«, sondern in einem fest eingebauten Safe aufbewahrt werden. Wertvollen Schmuck sollten Wohnmobil-Reisende gleich zu Hause lassen. Sinnvoll sei zudem, die Notrufnummern von Polizei und Pannenhilfe im jeweiligen Land sowie »ein aufgeladenes und betriebsbereites Handy bereitzuhalten«, so Hiller.

Laut Bursch gibt es zusätzliche Sicherheitstechniken, die es »ein bisschen erschweren, die Wohnmobile aufzubrechen. Da muss man aber auch ganz klar sagen, dass die Konstruktion von den neueren Wohnmobilen da nicht wirklich lange standhält«, da vieles aus Plastik oder Schaumstoff sei. »Ob damit ein großer Widerstand erreicht werden kann, sei dahingestellt«, sagt der Polizist.

Stattdessen könnten Wohnmobilisten eine Alarmanlage einbauen, damit sie geweckt werden, sobald ein Einbruchversuch stattfindet. Auch ein Gaswarner sollte laut Bursch ins Wohnmobil - aber nicht wegen möglicher Narkosegas-Überfälle - sondern zur Sicherheit, falls Gas aus der eigenen Gasflasche austritt.

Hintergrund: Wohnmobile und Sicherheit

Nicht nur das Ausrauben von Wohnmobilen, sondern auch der Diebstahl von Wohnmobilen selbst stellen eine Gefahr für Camper dar. Laut Polizei gibt es die meisten Übergriffe auf Wohnmobile in in Nordrhein-Westfalen (336 Fälle im Jahr 2017), gefolgt von Baden-Württemberg (309) und Niedersachsen (229). Bayern (15) ist wie Schleswig-Holstein (27) hingegen ein eher sicherer Ort für den Wohnmobilurlaub.

Die Polizei in Hessen registrierte einem Bericht der »Welt« zufolge bereits 2019 einen Anstieg bei Diebstählen von Wohnmobilen und einen Gesamtschaden von fast 900.000 Euro. Laut Landeskriminalamt wurden 38 Wohnwagen und Wohnmobile gestohlen, zehn Jahren zuvor waren es 24.

Allerdings hat auch die Zahl der Campingfahrzeuge stark zugenommen, da diese Urlaubsform im Trend liegt. Nach Angaben des Caravaning Industrie Verbands wurden 2018 rund 71.000 Wohnwagen und Reisemobile in Deutschland neu zugelassen - ein Plus von 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. ()

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