Haslocher Gießerei stellt Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung

Unternehmen EGH in finanzieller Schieflage – Sanierung als Ziel

Hasloch
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Das Gießereigeschäft ist ein schwieriges: Das zeigt sich jetzt auch bei der Eisenguss Hasloch Smart Foundry GmbH (EGH), die in finanzielle Nöte geraten ist.

Sie hat beim Amtsgericht Würzburg einen Antrag auf Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens gestellt. Damit will sich die Gießerei im Wege eines Insolvenzplanverfahrens sanieren.
Das Unternehmen  in Hasloch (Kreis Main-Spessart) bei Wertheim hat laut Mitteilung mit sinkender Nachfrage seiner Kunden zu kämpfen. Es gehörte bis zum Herbst 2018 zur Kurtz-Ersa-Gruppe (Kreuzwertheim-Wiebelbach, Kreis Main-Spessart) und wurde dann an die Rheinische Mittelstandsbeteiligung GmbH verkauft. Die EGH bietet rund 90 Arbeitsplätze.

Heute Betriebsversammlung

An diesem Freitag wird unter anderem der Betriebsrat beraten, außerdem sollen die Beschäftigten in einer Betriebsversammlung über das weitere Vorgehen informiert werden.

Beim Eigenverwaltungsverfahren bleibt die Geschäftsführung im Amt und ist weiterhin handlungs- und weisungsbefugt. Ihr an die Seite gestellt wird ein Sachwalter. Für Hasloch wurde Rechtsanwalt Tobias Rußwurm vom Gericht eingesetzt. Das erklärte Ziel des Unternehmens ist laut Mitteilung, »die EGH über eine kurze Durststrecke zu bringen, bis die bereits vor einiger Zeit umgesetzten Maßnahmen greifen«. Bis zum April soll das Verfahren eröffnet werden, am Ende muss ein Sanierungsplan abgesegnet werden. Außerdem müssen Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Der Geschäftsbetrieb läuft nach Firmenangaben weiter. Die Kunden werden aktuell über das Verfahren informiert. Sie zeigten sich gegenüber dem Unternehmen loyal, heißt es. Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind nach EGH-Angaben über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Zu den Gründen für die Schieflage schreibt das Unternehmen: »Der allgemeine Einbruch der Industrieproduktion – insbesondere in dem für das Unternehmen wichtigen Kundenstamm der Maschinenbauer – ist zwar nicht spurlos an der Gesellschaft vorbeigegangen. Jedoch entwickelt sich das Unternehmen entgegen dem Branchentrend positiv. So hat es seit Ende 2019 einen stabilen Verlauf im Auftragseingang gegeben und die hohen Verluste der Vorjahre konnten durch die zahlreiche Maßnahmen deutlich reduziert werden.«

Weniger Windkraftanlagen

Vor allem das vergangene Jahr sei extrem schlecht gewesen, heißt es. Die Rede ist von einem gewaltigen Umsatzeinbruch – unter anderem im Bereich Windkraft. Hier gibt es Klagen auch aus anderen Unternehmen.
Eisenguss Hasloch wird nach eigenen Angaben weiter vom vorherigen Eigentümer Kurtz-Ersa-Konzern unterstützt. Die Geschäftsführung sei außerdem bereits im Gespräch mit der IG Metall und wichtigen Anteilseignern.

Andere Gießereien kämpfen ebenso mit schwacher Nachfrage und Konkurrenz – bei Bosch Rexroth in Lohr wird in diesem Bereich derzeit kurz gearbeitet. Dort kommen weniger Aufträge aus dem eigenen Haus wie auch von Fremdfirmen, der schwächelnde Maschinenbau macht sich auch hier bemerkbar.

Ein weiterer Akteur der Branche in der Region ist der Gussexperte Düker in Laufach (Kreis Aschaffenburg), der gerade einen Sanierungsprozess beendet hat.

Hintergrund: Eisenguss Hasloch Smart Foundry

Die heutige Eisenguss Hasloch Smart Foundry GmbH in Hasloch (Kreis Main-Spessart) blickt auf eine 170-jährige Geschichte zurück.

Das Unternehmen mit rund 90 Beschäftigten liefert unter anderem Teile für Industriegetriebe, Windkraftanlagen und den Schiffbau. Die Produktionskapazität wird mit 20 000 Tonnen pro Jahr angegeben, einzelne Teile können bis zu 9500 Kilogramm wiegen.

Das Unternehmen gilt als hochmodern und wirbt mit 4.0-Technologie. Das zeigt sich auch am Namenszusatz Smart Foundry (schlaue oder intelligente Gießerei) – analog zum vielgenutzten Begriff der Smart Factory, der Intelligenten Fabrik. (bach)

 

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