Gewinnt die Stadt das Brauerei-Areal doch noch für Nahwärmenetz?

Stadtrat: Wolfgang Weis macht Dampf, die Anschlussmöglichkeit nochmals zu prüfen und erntet Gegenvorwürfe von Brigitte Riedmann

Lohr a.Main
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Gibt es doch noch ei­ne Mög­lich­keit, dass der ge­plan­te Neu­bau ei­nes gro­ßen Wohn- und Ge­schäfts­kom­ple­xes auf dem Loh­rer Braue­reia­real an das städ­ti­sche Nah­wär­me­netz an­ge­sch­los­sen wird und so des­sen De­fi­zit min­dert? Stadt­rat Wolf­gang Weis (Grü­ne) je­den­falls for­der­te in der Stadt­rats­sit­zung am Mitt­woch­a­bend Bür­ger­meis­ter Ma­rio Paul auf, die Ver­wal­tung mit ei­ner neu­er­li­chen Prü­fung zu be­auf­tra­ge.
Insbesondere solle geprüft werden, ob die beiden in dem Neubau geplanten Einkaufsmärkte ihre Heizwärme entgegen bisheriger Aussagen nicht doch aus dem Nahwärmenetz beziehen könnten.
Die für den Betrieb des an chronischer Überkapazität leidenden Nahwärmenetzes zuständigen Stadtwerke hatten den Anschluss des Brauereiareals bereits geprüft. Dabei, so erklärte Stadtwerkechef Otto Mergler vor wenigen Tagen, sei man leider zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solcher Anschluss nicht wirtschaftlich sei.
Einkaufsmärkte als Knackpunkt
Grund: Es müsste eine rund 250 Meter lange Wärmeleitung vom neuen Rathaus zum Brauereiareal verlegt werden. Die Kosten in Höhe von rund 300 000 Euro machten bei der zu erwartenden Abnahmemenge einen konkurrenzfähigen Preis der Heizwärme unmöglich, so Mergler. Ein Knackpunkt bei den Verhandlungen war seinen Worten zufolge, dass die beiden in dem Neubau vorgesehenen Märkte von Rewe und dm eben keine Nahwärme abnehmen würden, da sie konzernbedingt eigene Energiekonzepte hätten.
Nicht energisch genug?
Weis hatte Mergler angesichts dieser Aussagen vorgeworfen, das Nahwärmenetz als ungeliebtes Kind zu sehen und nicht energisch genug um neue Abnehmer zu kämpfen. Mergler indes wies diese Kritik deutlich zurück.
Auch wenn man es nicht wahrhaben wolle, müsse man registrieren, dass das einst politisch gewollte, jedoch in der Planung offensichtlich von diversen Unzulänglichkeiten begleitete Nahwärmenetz nicht wirtschaftlich sein könne.
»Teure Morgengabe der CSU«
Für seinen erneuten Vorstoß in Sachen Nahwärmenetz erntete Weis in der Stadtratssitzung bissige Kritik von Brigitte Riedmann. Sie sprach von einer Fehlentscheidung, das 2012 gestartete Nahwärmenetz in der heutigen Form zu realisieren. Inzwischen sei über die Jahre ein Defizit von über einer halben Million Euro aufgelaufen.
Riedmann warf weis Heuchelei vor, wenn dieser nun sage, dass man für Aspekte wie den Klimaschutz auch wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müsse. In der Diskussion um einen Nationalpark im Spessart habe der Grüne genau umgekehrt argumentiert, da sei für Weis die Ökologie zweitrangig und die Eichenwirtschaft im Vordergrund gestanden.
Das Nahwärmenetz sei damals nichts weiter als eine »teure Morgengabe« der Lohrer CSU an den damaligen Koalitionspartner, eben die Grünen gewesen, beendete Riedmann ihre Kritik.
Matthias Schneider, der Fraktionsvorsitzende der CSU sprach angesichts des defizitären Wärmenetzes davon, dass man dessen »Aufrechterhaltung langfristig überdenken« müsse. Johannes Ungemach
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