Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung

Gericht: 23-jähriger Autofahrer muss 3000 Euro zahlen, weil er einen Radfahrer erfasst hat, der dabei tödliche Verletzungen erlitt - Zu schnell gefahren

Main-Spessart
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Das Sc­höf­fen­ge­richt Ge­mün­den hat am Mitt­woch ei­nen 23-jäh­ri­gen Au­to­fah­rer we­gen fahr­läs­si­ger Tö­t­ung zu ei­ner Geld­stra­fe von 3000 Eu­ro (75 Ta­ges­sät­ze zu je 40 Eu­ro) ver­ur­teilt. Der An­ge­klag­te hat­te nach Über­zeu­gung des Ge­richts am 11. Ju­ni 2011 auf der Stra­ße zwi­schen Ro­then­fels und Neu­stadt ge­gen 14.25 Uhr ei­nen Rad­fah­rer fron­tal er­fasst, der nach links in ei­nen Rad­weg ab­bie­gen woll­te.
Noch am Unfallort war der 53-Jährige seinen schweren Verletzungen erlegen. Laut Unfallgutachten war der 23-Jährige schneller unterwegs, als die in diesem Streckenabschnitt zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometer (km/h). Nach Berechnungen der Sachverständigen Ulrike Sauer betrug seine Geschwindigkeit zwischen 120 und 129 km/h.
Aber das Gericht ging von einem erheblichen Mitverschulden des Radfahrers aus. Dieser war offenbar ohne Zeichen zu geben vom rechten Fahrbahnrand abrupt in einem Winkel von 90 Grad abgebogen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Angeklagte bereits den Überholvorgang eingeleitet und war nur noch knapp 60 Meter entfernt. Eine sofortige Vollbremsung kam zu spät.
Unfallzeugen gab es nicht. Ein Atemalkoholtest bei dem 23-Jährigen war negativ (»null Promille«). In der Verhandlung räumte der Angeklagte ein, schneller als 100 km/h gefahren zu sein (»zwischen 110 und 115 km«). Den Radfahrer habe er erstmals aus circa 200 Metern Entfernung gesehen, als er vom letzten Auto einer vorausfahrenden Kolonne überholt worden war.
Zum Überholen angesetzt
Der Radler habe dann einen leichten Schlenker gemacht und kurz nach hinten über die Schulter geschaut, sei aber am rechten Straßenrand weitergefahren. »Ohne mein Tempo zu reduzieren habe ich deshalb zügig zum Überholen angesetzt«, erklärte der Angeklagte. Die Angaben bestätigte in der Verhandlung seine 19-jährige Ex-Freundin, die damals Beifahrerin gewesen war.
Unter diesen Umständen wäre der Unfall für den Autofahrer, so die Gutachterin, auch dann nicht zu vermeiden gewesen, wenn er die zulässigen 100 km/h eingehalten hätte. Dies wäre erst bei einer Geschwindigkeit von weniger als 90 km/h möglich gewesen.
Der Verteidiger regte deshalb wegen geringer Schuld die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an. Hierzu verweigerte der Staatsanwalt aber seine Zustimmung. Er ging davon aus, dass der 23-Jährige in einer unklaren Verkehrssituation erheblich zu schnell gefahren war und beantragte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro. Auch das Gericht sah die Hauptschuld beim Angeklagten. »Ihr Fahrverhalten war für den Unfall und damit für den Tod des Radfahrers verantwortlich«, sagte der Vorsitzende Richter Reiner Lenz in der Urteilsbegründung.
Der Beschuldigte hätte möglicherweise nicht erkennen können, dass sich der Radfahrer im Einmündungsbereich eines Radwegs befand. Aber die ungewöhnliche Kopfbewegung des Radfahrers nach hinten hätte ihn veranlassen müssen, diesen genauer im Auge zu behalten und die eigene Geschwindigkeit erheblich zu reduzieren. Damit liege ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflichten des Autofahrers vor. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
Bernhard Münzel
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!