Faustschläge nicht bewiesen

Gericht: Streit unter Kindern gipfelt in Rangelei zwischen Familienvätern - Anwalt vermutet gezielte Inszenierung

Gemünden a.Main
1 Min.

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Ein St­reit un­ter Kin­dern, ei­ne Aus­spra­che un­ter Er­wach­se­nen, die in ehr­ver­let­zen­den Äu­ße­run­gen und sch­ließ­lich in ei­ner hand­fes­ten Rau­fe­rei gip­felt: Mit ei­ner sol­chen Au­s­ein­an­der­set­zung zwi­schen zwei Groß­fa­mi­li­en aus Main-Spess­art hat­te sich das Amts­ge­richt in Ge­mün­den jetzt zu be­fas­sen. An­ge­klagt war ein 32-jäh­ri­ger Fa­mi­li­en­va­ter we­gen ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung.

Die Kinder eines 44-jährigen Familienvaters sollen - angestiftet von ihrem zwölfjährigen Bruder - die Kinder des 32-Jährigen geärgert und geschlagen haben. Um den Schikanen ein Ende zu bereiten, wollte der jüngere Vater mit dem älteren Mann reden. Doch mit vernünftigen Worten gelang dies nicht. Dafür äußerte der 44-Jährige Beleidigungen.

Die Antwort darauf war eine Rangelei zwischen den beiden Familienvätern, in deren Folge der Ältere zu Boden ging und seinen Kontrahenten mitzog. Dabei zerriss dessen Hemd, der andere handelte sich dafür eine Ohrfeige ein. Bevor die Polizei eintraf, soll der jüngere Mann dem älteren zudem gedroht haben.

Vom Balkon gefilmt

Dokumentiert wurde die körperliche Auseinandersetzung der beiden Männer auf einem Video, das die Ehefrau des älteren Kontrahenten vom Balkon ihrer Wohnung aus gefertigt hatte. Dies und das schnelle Eintreffen der Polizei veranlassten den Anwalt des Angeklagten zu der Vermutung, dass es sich bei dem Streit um ein inszeniertes Stück der Großfamilie des älteren Mannes gehandelt haben könnte.

Als weiteres Indiz betrachtete der Verteidiger die Bemerkung des Arztes, dem sich der 44-Jährige nach dem Zwischenfall vorgestellt hatte. Der Mediziner erklärte, die bescheinigten Verletzungen beruhten allesamt auf den Schilderungen des Patienten. Zudem war im Polizeibericht vermerkt, dass sich der 44-Jährige bei Eintreffen der Streife plötzlich auf den Boden gelegt und den »sterbenden Schwan« gespielt habe.

Video entlastet 32-Jährigen

Das Video, offensichtlich anfangs dazu gedacht, den Angeklagten zu belasten, stellt sich in der Verhandlung schließlich als Entlastungsmaterial für den 32-Jährigen dar. So hatte es im Strafantrag geheißen, dieser habe den 44-Jährigen mehrmals mit der Faust geschlagen. Doch davon war in der Aufzeichnung nichts zu sehen. Der Staatsanwalt hingegen war von Schlägen überzeugt und wollte Ansätze dazu erkannt haben. Verteidiger und Strafrichter Sven Krischker sahen dies anders.

Dennoch beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 2700 Euro für den vierfachen Familienvater. Was allerdings auch dem Vertreter der Nebenklage ziemlich hoch erschien. »Nicht mehr als die beantragten 90 Tagessätze« sollten es sein, meinte der Anwalt, der in seinem Plädoyer den Bericht der ermittelnden Polizeibeamten als »stark gefärbt« kritisierte. Der Verteidiger hielt 10 bis 20 Tagessätze für ausreichend.

Mit seinem Urteil von 45 Tagessätzen zu 25 Euro (1125 Euro) blieb Richter Krischker ungefähr in der Mitte der Anträge. Hinzu kommen für den Angeklagten die Kosten des Verfahrens sowie die der Nebenklage. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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