Einigung nach heftigem Streit

Gericht: Unklare Zeugenaussagen zu Beleidigung und Körperverletzung - Einstellung gegen Geldauflage

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Zu Beginn der Verhandlung vor dem Amtsgericht Gemünden sahen sich die beiden Angeklagten, ein 46-jähriger Familienvater und sein 20-jähriger Sohn, die seit mehreren Jahren als Migranten in einer Gemeinde des Landkreises leben, als unschuldig an. Den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung und Beleidigung, wofür sie sich zu verantworten hatten, wiesen sie von sich. Doch am Ende waren sie bereit, sich mit dem als Nebenkläger auftretenden Geschädigten darauf zu einigen, dass das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt wird.

Die Aussagen der beiden Zeugen und die Ausführungen der Angeklagten passten in einer Reihe von Punkten nicht zusammen. Es war daher auch nach der Beweisaufnahme recht unklar, was sich genau abgespielt hatte. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass ein Streit wegen einer angeblichen Geschäftsübergabe eskaliert sei. Davon war aber später bei der Einvernahme von zwei Zeugen nicht mehr die Rede. Der Ort der Auseinandersetzung war ein kleines Lebensmittelgeschäft, das in der Nähe des Gemündener Bahnhofs liegt. Hier kaufte der angeklagte Familienvater ein, als ein Landsmann ihn auf das Übelste beschimpft haben soll. Dieser grundlose Konflikt habe sich dann nach Darstellung des Angeklagten vor dem Geschäft weiter zugespitzt, bis er tätlich angegriffen worden sei.

Der Geschädigte habe auch ein Messer in der Hand gehabt, was ihm von einem Mann abgenommen worden sei. Dass der Beschuldigte dann seine Söhne angerufen habe, damit diese ihn mit Gewalt unterstützen, bestritt dieser vehement. Er habe vielmehr seiner Tochter davon berichtet, was abgelaufen sei. Und sie sollte die Polizei informieren, damit sie den Konflikt beende. Dass seine Söhne dann auftauchten, sei eher zufällig gewesen. Sie seien auf keinen Fall von ihm gerufen worden, um gewalttätig einzugreifen. Der mitangeklagte Sohn betonte, seine Eltern erwarteten von ihm, dass er sich gut verhalte und sich vorbildlich integriere.

Das stellte einer der zwei geladenen Zeugen ganz anders dar. Nach seiner Aussage habe der Angeklagte die Söhne ganz gezielt angerufen, damit sie mit Gewalt in den Konflikt eingreifen. So sei das dann auch geschehen. Der Zeuge habe vergeblich versucht, die Konfliktparteien zu trennen. Daher habe er dann die Polizei gerufen. Er habe Schläge, aber kein Messer gesehen und auch keinen Stein, der gegen den Kopf des Opfers geschlagen worden sei.

Immer noch Schmerzen

Ganz anders schilderte das der als Nebenkläger auftretende 40-jährige Geschädigte, der sich grundlos angegriffen und beleidigt fühlte. Nach dem Anruf seien die Söhne des Angeklagten mit Steinen in der Hand gekommen. Er sei gegen den Kopf geschlagen worden und habe heftig geblutet. An der Lippe habe er eine Narbe, die noch immer sichtbar sei. Durch die heftigen Schläge sei er aber so benommen gewesen, dass er nicht mehr genau sagen könne, wie das im Einzelnen abgelaufen sei. Er habe aber immer noch Schmerzen am Kopf und erinnere sich an den Satz: »Wir kommen zu dir und schlachten dich.«

Der Geschädigte versuchte anschließend, den von ihm belasteten Angeklagten als gefährlich und aggressiv zu schildern. So habe dieser ihm früher einmal gestanden, dass er in seinem Heimatland wegen Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt worden sei. Mit so einer Person wolle er nichts zu tun haben, die auch seine Frau unsittlich beleidigt habe. Auf Nachfrage des Richters bestätigte er, dass er von so jemandem auch keine Entschuldigung akzeptieren könne, was dessen Frau angeregt hatte.

Der Anwalt zog sich dann mit seinen beiden Mandanten zu einer Aussprache zurück. Danach erklärte er sich im Namen der Angeklagten bereit, eine Ausgleichszahlung zu akzeptieren, wenn dafür das Verfahren eingestellt würde. Dem stimmten der Anwalt des Nebenklägers, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und auch Richter Volker Büchs zu. Er hatte angekündigt, dass ohne eine solche Einigung das Verfahren mit zwölf weiteren Zeugen und entsprechend höheren Kosten fortgeführt werden müsste. Man einigte sich darauf, gegen eine Auflage von 2000 Euro und die Übernahme der Kosten für die Nebenklage das Verfahren zu beenden.

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