Einblick in die jüdische Kultur

Dokumentation: Ausstellung »Landjudentum in Unterfranken« wird bis 22. Dezember im Karlstadter Gymnasium gezeigt

Main-Spessart
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Eröffnung der Wanderausstellung über fränkische Landjuden: Landrat Thomas Schiebel (links), Historikerin Rebekka Denz und Schulleiter Albert Häusler.
Foto: Sylvia Schubart-Arand
Die Wan­der­aus­stel­lung »Land­ju­den­tum in Un­ter­fran­ken« ist nach Sta­tio­nen in Würz­burg und Bad Kis­sin­gen im Land­kreis Main-Spess­art an­ge­kom­men. Im Jo­hann-Sc­hö­ner-Gym­na­si­um in Karl­stadt hat sie Schul­lei­ter Al­bert Häus­ler mit Land­rat Tho­mas Schie­bel und der His­to­ri­ke­rin Re­bek­ka Denz am Mon­ta­gnach­mit­tag er­öff­net.
Im Gymnasium der Kreisstadt verbleibt die Ausstellung bis zum 22. Dezember. Vom 2. bis 18. Januar wird die Wanderausstellung im Rathaussaal des Alten Rathauses in Lohr zu sehen sein, bevor sie bis 2015 durch weitere unterfränkische Landkreise und kreisfreie Städte tourt.
»Bedeutende Zeugnisse der jüdischen Kultur werden im Landkreis Main-Spessart gehegt und gepflegt«, stellte Landrat Thomas Schiebel fest. Er ging auf den Hintergrund der Ausstellung ein: Innerhalb der Strukturen der lokalen Aktionsgruppe »Wein - Wald - Wasser« entstand 2009 der Arbeitskreis »Landjuden«.
Dort wurde die Idee geboren, in Kooperation mit anderen Aktionsgruppen ein Projekt für ganz Unterfranken zu initiieren. Es soll die Orte miteinander vernetzen, die sich mit der jüdischen Geschichte und Kultur beschäftigen. In Unterfranken gab es 1932 vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten noch 108 jüdische Gemeinden.
Das im November 2011 gestartete Projekt leistet einen Beitrag, das jüdisch-kulturelle Erbe im Regierungsbezirk Unterfranken zu bewahren und in das Denken und Handeln gegenwärtiger und zukünftiger Generationen einzubinden. Der Bezirk, die neun unterfränkischen Landkreise und die Städte Würzburg und Schweinfurt wurden als Förderer gewonnen. Die Trägerschaft des Projekts übernahm der Landkreis Würzburg.
Einblicke in die jüdische Kultur
Heimatforscher, Archivare und Politiker unterstützten die Historikerin Rebekka Denz bei ihrer Recherche für die Ausstellung. Viel Arbeit sei es gewesen, das richtige Bildmaterial zusammenzutragen, stellte sie bei der Ausstellung fest und dankte hier besonders dem ehemaligen Marktheidenfelder Bürgermeister Leonhard Scherg, dem Betreuer des jüdischen Friedhofs, Georg Schnabel, und dem Vorsitzenden des Förderkreises Synagoge Laudenbach, Georg Schirmer. Er hatte vor wenigen Tagen anlässlich der Ausstellung einen Vortrag über das Landjudentum am Beispiel von Laudenbach gehalten. Die Ausstellung gibt in mehreren Stationen einen Einblick in die ländlich-jüdische Kultur. Zunächst werden anhand einer Landkarte 203 jüdische Siedlungen im Untermainkreis nach den Matrikeln von 1817 gezeigt. Die größten der damaligen Zeit waren Heidingsfeld und Niederwerrn.
Die neun Landkreise Unterfrankens werden jeweils hinsichtlich eines Schwerpunktthemas beleuchtet. Würzburg widmet sich beispielsweise dem Thema »jüdische Bildung«. Der Landkreis Main-Spessart fokussiert sich auf die Thematik »Unterwegs in Unterfranken und anderswo« und bezieht sich auf die hohe Mobilität der Landjuden. Damals hatten zwar die meisten Orte einen Betraum oder eine Synagoge, aber keine Schule oder einen Friedhof. Auch für Ausbildung, Heirat oder auf der Suche nach einem Wohnort verließen manche Juden die Region. Da sie sich nicht als Bauern oder Handwerker per Erlass ihr Geld verdienen durften, mussten sie ihre Familien als Vieh- oder Warenhändler ernähren und zogen mit Tragekorb über Land.
Es werden auch Einzelbiografien wie von einer Ärztin oder dem Kaufmann und Dichter Jakob Kohnstam (1809-1871) vorgestellt. An einer Audiostation können die Besucher ein hebräisches Gebet, gesprochen von der Bamberger Rabbinerin Antje Yael Deusel und ein Chanukka-Lied sowie die deutsche Übersetzung anhören. Zusätzlich gibt es pro Landkreis zwei regionale Tafeln über Geschichte und Menschen mit Fotos, wie etwa von der sanierten Synagoge Arnstein.
Ein Denkmal gesetzt
Rebekka Denz betonte, dass »nicht nur die Verfolgungsgeschichte, sondern aktiv handelnde Menschen« dargestellt werden, »es ging uns aber auch darum, nichts zu beschönigen. Den Menschen und ihrer Kultur, die ein Teil Unterfrankens sind, soll mit dieser Ausstellung ein Denkmal gesetzt werden«. Sylvia Schubart-Arand
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