Main-Spessart: Einbau von Luftfilteranlagen in Schulen läuft nur schleppend

Obwohl Experten den Nutzen der Geräte betonen, bleiben sie oft nur eine Ergänzung

Main-Spessart
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Der Landkreis Main-Spessart hat für seine Schulen 41 Luftreiniger für die Klassenzimmer angeschafft. Auch in den Kommunen wurden Geräte gekauft, beispielsweise in Frammersbach oder Burgsinn. Foto: Landratsamt Main-Spessart
Foto: Landratsamt Main-Spessart
Nach den Osterferien waren die Kinder und Lehrer zunächst in den Präsenzunterricht gestartet. Der Inzidenzwerts lag da noch unter 100. Beherrschendes Thema waren die Corona-Schnelltests, die die Schüler selbst vor Ort durchführen sollten. Doch wie sieht es mit der Ausstattung von Filteranlagen in den Klassenzimmern aus?

Lüften, lüften, lüften. Das ist nach wie vor das Gebot der Stunde für Räume im Kampf gegen Corona-Viren - wenn die Schulen denn wieder geöffnet haben. Doch laut Expertenmeinung sind professionelle Luftreiniger besser als Lüften, um in Schulen das Infektionsrisiko zu vermindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Universität Münster. Demnach senken Luftreiniger das Ansteckungsrisiko durch virenbelastete Aerosole in geschlossenen Räumen deutlich.

Keine zehn Prozent der Zimmer

In Unterfrankens Schulen läuft der Einbau von Luftfilteranlagen anscheinend nur schleppend. Das geht in dieser Woche aus einer Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib aus Ochsenfurt hervor. So hätten bislang 48 kommunale Sachaufwandsträger die Förderung des Freistaats für Luftfilter beantragt.

Das betreffe aber nur gut 800 Klassenräume. Das seien noch nicht einmal zehn Prozent aller Klassenzimmer in Unterfranken, so die Kritik des Abgeordneten. Auch die Stellvertretende Landrätin Pamela Nembach (ebenfalls SPD und selbst Gymnasiallehrerin) kritisiert, dass noch immer nicht flächendeckend Filteranlagen in Klassenzimmern zur Verfügung stehen.

Die Beschaffung richtete sich nach den räumlichen Voraussetzungen: Vom Robert-Koch-Institut und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) werden mobile Raumluftreinigungsanlagen nur als Ergänzung zur AHA-Regel und zu einem fachlich angemessenen Lüftungskonzept gesehen.

Fenster auf

Der Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte kommt vor allem für den Teil der Klassen- und Fachräume sowie Lehrerzimmer in Betracht, die nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine Raumlufttechnische (RLT-) Anlage gelüftet werden können, heißt es aus dem Landratsamt. Betroffen sind Räume mit ausschließlich Oberlichtern oder sehr kleinen Fensterflächen, innen liegende Fachräume sowie Räume mit RLT-Anlagen mit Umluftbetrieb und ohne ausreichende Filter, in denen Fenster nicht geöffnet werden können.

Das sagen die Schulen

»Für uns trafen die Kriterien nicht zu wegen der Größe unserer Fenster und der Belüftbarkeit unserer Räume«, nennt Leiter Hartmut Beck vom Marktheidenfelder Balthasar-Neumann-Gymnasium den Grund, warum dort keine Geräte stehen.

Der Zweckverband vom Schulzentrum Nägelsee in Lohr hat keine Geräte bestellt, da mit der Generalsanierung des Komplexes auch die Entlüftungsanlage erneuert wurde. »Wir haben eigentlich immer optimale Werte«, sagt dazu Geschäftsführer Andreas Frech. Das Gymnasium und die Mittelschule wurden abgefragt und einschließlich der Verwaltung rund 40 kleine Geräte zur Messung des CO²-Gehalts angeschafft.

In Frammersbach hat die Gemeinde für die Luftverbesserung in den Schulräumen, die nicht quer belüftet werden können, elf Luftreiniger angeschafft. Eines hat 4000 Euro gekostet; dafür gab es einen Zuschuss von 1750 Euro. »Das sind Topmodelle, die mit Winkeln sicher an die Wände der Klassenzimmer montiert wurden. Wir machen eine sehr positive Erfahrung damit«, ist Schulleiter Christoph Rüttiger über diese Investition und die CO²-Ampeln zufrieden. »Alles richtig gemacht«, so sein Urteil.

Jedes Mehr an Sicherheit werde begrüßt, fügt er auch als Kreisvorsitzender des Lehrerverbands hinzu. Als solcher vermisse er beispielsweise die Durchimpfung der Lehrkräfte oder auch, dass bei den Coronatests in dieser Woche keine Hygienehandschuhe mitgeliefert wurden.

Die Hälfte vom Freistaat

Im Sinngrund sind alle Klassenzimmer und die Fachräume der Grund- und Mittelschule in Burgsinn ebenfalls mit mobilen Filteranlagen ausgestattet worden. Dank Rollen können diese Geräte beispielsweise auch einmal in einen Raum für Elterngespräche geschoben werden, so Schulleiter Michael Meisenzahl. »Die bestellten Geräte sind eine wichtige Ergänzung unseres Hygienekonzepts - schließlich filtern sie nicht nur einen Großteil von Krankheitserregern, sondern auch Staub und Pollen zuverlässig aus der Luft.«

Trotz eines leisen Grundgeräuschs - ähnlich wie bei einem Beamer oder einem Diaprojektor - könne man gut unterrichten, versichert er. Der Freistaat Bayern zahlte dafür die Hälfte der Anschaffungskosten - 15 600 Euro trage dennoch der Schulverband.

Hintergrund: Investition für die Luftreinigung

Für die Ausstattung in den Schulen im Landkreis sind im Bereich der Grund- und Mittelschulen die Kommunen beziehungsweise die Schulverbände zuständig, für die Realschulen und Gymnasien weitestgehend der Landkreis. »Wir haben uns strikt nach der Empfehlung des Kultusministerium gehalten«, so Sebastian Gehret, zuständig im Landratsamt für die Schulen. Als das Förderprogramm im Januar aufgelegt wurde, hatte die Behörde sofort reagiert und 41 Luftreinigungsgeräte beschafft für die Realschulen in Lohr, Marktheidenfeld und Arnstein, die Gymnasien in Karlstadt und Gemünden und die Berufsschulstandorte in Karlstadt und Lohr.

Rund 70 000 Euro hat der Landkreis für Luftreinigungsgeräte in den besonders betroffenen Bereichen ausgegeben. Weitere rund 40 000 Euro steckte der Landkreis in rund 400 CO²-Ampeln für alle Unterrichtsräume in allen seinen weiterführenden Schulen.

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