Ein neuer alter Pilgerweg durch den Spessart

Wandern: Seit 2013 laufen die Vorarbeiten, nun wurde der "Kirchweg" offiziell eröffnet

Flörsbachtal
2 Min.

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Gruppenbild zum Start: (von links) Die Bürgermeister Christian Holzemer und Frank Soer, Dieter Anderlohr von den Heimat- und Wanderfreunden, Historiker Paul Reinert, Jürgen Neuwirth (Heimat- und Wanderfreunde), Pfarrer Michael Schmitt und Pastorin Jutta Ehlers.
Foto: Karl-Heinz Liebler
Infotafel, von den Kirchengemeinden gestiftet, werden vor der Kirche in Frammersbach und Lohrhaupten aufgestellt.
Foto: Karl-Heinz Liebler
Früh­er war er die be­schwer­li­che Rou­te, die Fram­m­ers­ba­cher zum Got­tes­di­enst nach Lohr­haup­ten ge­hen muss­ten. Jetzt kann man auf dem Kirch­weg wie­der "pil­gern".

Die beiden Gemeinden Frammersbach und Lohrhaupten verbindet ein neuer alter Wanderweg: der Kirchweg. Er ist rund zwölf Kilometer lang und führt über den Beckberg zum "Gläsernen Heiligen", über den Honigweg und das Gemündener Tal nach Lohrhaupten.

Trotz Nieselregens konnte der Vorsitzende der Heimat- und Wanderfreunde, Günther Neuwirth, am Samstagvormittag viele Beteiligte und zahlreiche interessierte Bürger zur offiziellen Freigabe des "Kirchweges" begrüßen. "Heute können wir das Projekt Kirchweg beenden", freute sich Neuwirth. Er bedankte sich bei den vielen Helfern.

Neben der Unterstützung durch die Kirchengemeinden von Frammersbach und Lohrhaupten und der politischen Gemeinde hob er besonders die Helfer der Heimat- und Wanderfreunde hervor. Dieter Anderlohr war für die Umsetzung der gesamten Maßnahme der Motor und die beiden Vereinsmitglieder Max Krebs und Karl-Heinz Büdel sorgten für die Markierung des Weges. Der Lokalhistoriker Paul Reinert aus Lohrhaupten beschäftigte sich mit dem geschichtlichen Hintergrund des Weges und entdeckte dabei auch Neues.

Die Heimat- und Wanderfreunde stießen bei ihren Wanderungen immer wieder auf diesen Weg. Dazu machte der Hobby-Historiker Reinert auf den Kirchweg aufmerksam. Und schließlich entschlossen sich im Jahr 2013 die Wanderfreunde, die Geheimnisse des alten Weges zu erkunden. Dazu sollte der Wegeverlauf des Kirchweges vollzogen und von der Frammersbacher Kirche "St. Bartholomäus" durch den Wald nach Lohrhaupten in die "Matthäus Kirche" neu markiert werden.

Zahlreiche Gespräche und Abstimmungen mit den Forst- und Kirchenverwaltungen, den beiden Gemeinden und dem Spessartbund waren notwendig, bis der Weg fertiggestellt werden konnte. Die Helfer mussten für die Strecke bei der Ausschilderung 115 Täfelchen mit Alunägeln und einige Hinweisschilder an den vorhandenen Wegweisern anbringen. Die anfallenden Materialkosten teilten sich die beiden Gemeinden und die Heimat- und Wanderfreunde.

Die Geschichte des "alten Kirchweges" fesselte auch den Hobbyhistoriker Paul Reinert. Er fand heraus, dass im Evangeliar in Aschaffenburg eine Kirchenweihe in Lohrhaupten im Jahr 1057 erwähnt wird. Damit gilt die Pfarrei in Lohrhaupten als die älteste bekannte Pfarrei im gesamten Spessart.

Da es in Frammersbach zu dieser Zeit noch keine Kirche gab, mussten zumindest sich die Gläubigen an bestimmten Fest- und Feiertagen auf den beschwerlichen Weg zum Gottesdienst nach Lohrhaupten machen. Erst über 300 Jahre später, im Jahre 1416, erhielt Frammersbach seine eigene Kirche. Damit endete die Zeit der langen Wege zur Kirche. Allerdings mussten noch längere Zeit Abgaben an die Mutterkirche in Lohrhaupten gezahlt werden.

Der Kirchweg führte auf vorhandenen Zufahrts- und Verbindungswegen (teilweise Hohlwegen) in die Richtung der "Birkenhainer Straße". Wie alle Wege im Mittelalter läuft er größtenteils auf dem Bergrücken.

Bei den Nachforschungen kam der Verdacht auf, dass im Gebiet des Haurain auch das ehemalige Centgericht von Frammersbach und Lohrhaupten seinen Sitz hatte. Und tatsächlich bestätigte eine Laserscan-Untersuchung im Auftrag des Lokalhobbyhistorikers diesen Verdacht. In einer kleinen, etwa 25 bis 30 Meter großen Mulde befand sich der Gerichtsplatz und sicherlich der dazu gehörende Galgen. Die Untersuchung des Platzes ist noch nicht abgeschlossen. Ob der Kirchweg nur als Weg zum Gottesdienst benutzt wurde oder auch als "Büßerweg" begangen wurde, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

Die Pastorin Jutta Ehlers aus Lohrhaupten sagte, dass die Eröffnung des " regionale Pilgerweges" an die lange christliche Tradition erinnere. Der Kirchweg zwischen Frammersbach und Lohrhaupten diene nicht nur dem Zweck, ihn zu begehen, sondern er möge die Wanderer empfänglich machen für Gottes Geist. Ein gemeinsames Gebet beendete den geistlichen Teil.

Nacheinander bedankten sich der Bürgermeister von Flörsbachtal, Frank Soer, und der Bürgermeister von Frammersbach, Christian Holzemer, für die ehrenamtliche Arbeit aller Beteiligten. Sie freuten sich über den wieder entstandenen Verbindungsweg und wünschten viel Erfolg. Beide lobten die gute Zusammenarbeit über Bundesländer hinweg. Holzemer stellte zum Frühjahr einen Flyer mit dem Thema "Kirchweg" in Aussicht. Er soll in Zusammenarbeit mit der Framag entstehen.

Für das Bekanntmachen des Kirchweges wäre ein Flyer eine große Hilfe, sagte Helga Lorenz, Vorsitzende für Finanzen beim Spessartbund. Sie dankte für die geleistete Arbeit und wünschte, dass der neue Weg oft begangen wird.

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