Eiche statt Fichte

Forst: Im Stadtwald läuft der Umbau zu Beständen mit standortgerechten Bäumen - Stürme, Käferbefall und Trockenheit als Probleme

Marktheidenfeld
4 Min.

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Auch Totholz ist für den Wald und seine Bewohner wichtig. Der Marktheidenfelder Stadtrat macht sich Gedanken darüber, einen Teil des Waldes stillzulegen, beispielsweise hier in der Abteilung Scheuerberg bei Zimmern. Links Forstbetriebsleiter Wolfgang Netsch, in der Mitte Stadtförster Thomas Vogel. Fotos: Christian Weyer
Foto: Christian Weyer
Eiche statt Fichte: Mit jungen, klimaverträglichen Pflanzen wird der Wald umgebaut, so wie hier bei Glasofen.
Foto: Christian Weyer
Der Markt­hei­den­fel­der Stadt­wald hat un­ter Stür­men, der Tro­cken­heit und dem Kä­fer­be­fall stark ge­lit­ten. In den letz­ten 30 Jah­ren fiel fast ein Drit­tel der Ge­samt­fläche von 784 Hektar die­sen Un­wäg­bar­kei­ten zum Op­fer. Vor al­lem Fich­ten­be­stän­de wa­ren und sind be­trof­fen.

Bei der Wiederaufforstung setzt man auf Baumarten, die gegen diese Naturgewalten besser gewappnet sind. Der Stadtrat machte sich am Dienstagabend bei einer Waldfahrt mit dem Bus ein Bild vom Zustand des Marktheidenfelder Forsts.

Betriebsleiter Wolfgang Netsch und Forsttechniker Thomas Vogel erläuterten die Gegebenheiten. Wie Stadtförster Vogel berichtete, hat eine Serie von Orkanen und Stürmen seit 1990 die Bewirtschaftung des Stadtwaldes gründlich durcheinandergewirbelt.

Ausgangspunkt war der Orkan »Wiebke«, der in der Nacht zum 1. März 1990 auf einen Schlag etwa 65 Hektar Wald dem Erdboden gleichgemacht habe. Durch weitere Stürme, Borkenkäferbefall und zunehmende Trockenheit vor allem in den Jahren 2018 bis 2020 verlor die Stadt insgesamt fast 250 Hektar Waldfläche, die es wieder aufzuforsten galt.

Am schlimmsten waren die Verwüstungen durch den Orkan in reinen Fichtenbeständen zwischen Michelrieth und Marienbrunn. Diese Flächen wurden inzwischen mit standortgerechten Baumarten, vor allem der tief wurzelnden Eiche, aufgeforstet. Auch ein großer Anteil an Buchen und Edellaubhölzern wurde im Stadtwald gesetzt. »Die Eiche ist widerstandsfähiger in der Klimaerwärmung«, sagte der Forstdirektor im Ruhestand Netsch. Angesichts des Klimawandels sollen auch in Zukunft verstärkt standortgerechte Bäume gepflanzt werden, die mit veränderten Bedingungen besser zurechtkommen.

Laubholz dominiert

In der Waldabteilung Erlendelle bei Glasofen besichtigte der Stadtrat zwei eingezäunte Wiederaufforstungsflächen, auf denen die Eichen- und Buchensetzlinge langsam, aber stetig heranwachsen. Im Hintergrund stehen noch einzelne Reihen von Fichten, welche die Stürme überlebt haben.

Nach und nach entsteht jedoch ein anderer Wald, der von einem größeren Anteil an Laubarten geprägt ist. Das Verhältnis von Nadel- zu Laubholz habe sich von ehemals 70 zu 30 Prozent inzwischen in das Gegenteil gekehrt, berichtete Vogel.

1,60 Euro kostet ein Baumsetzling nach Aussage des Stadtförsters. An Fördersätzen erhalte die Stadt jeweils 2,75 Euro. Da spitzten die Stadträte die Ohren, doch aus der »wunderbaren Brotvermehrung«, wie es Gärtnermeister Michael Carl nannte, wird leider nichts, denn die Kosten für die Pflege der zarten Pflänzchen übersteigen den vermeintlichen Überschuss aus der Förderung deutlich. Vor allem das Ausgrasen, das bisher nur von Hand erledigt werden konnte, geht ins Geld, erläuterte Vogel. Durch die Umstellung auf einen fast vollständigen Maschineneinsatz will man diese Kosten künftig verringern.

Außerdem müssten bei den Bäumchen gerade in jungen Jahren Verluste einkalkuliert werden: Von 10.000 Setzlingen pro Hektar blieben am Ende vielleicht 600 Bäume übrig, schätzte der Stadtförster.

Holzmarkt erholt sich

Als positive Nachricht vermeldete Vogel, dass sich der Holzmarkt wieder erholt habe. »Holz ist gefragt und wird auch gut bezahlt«, sagte der Forsttechniker. In den Trockenjahren 2018 bis 2020 habe man für den Festmeter Fichte nur 20 bis 30 Euro erlöst, derzeit reichten die Preise an die 100 Euro heran. Auch beim Brennholz habe die Nachfrage deutlich zugenommen. Während vor wenigen Jahren keiner Nadelholz haben wollte, »laufen die Leute jetzt Amok nach Brennholz«, sagte Vogel, dies hänge mit den hohen Gaspreisen zusammen. Trotz der erhöhten Nachfrage verzichte die Stadt derzeit auf eine Preiserhöhung.

Bauchweh verspürt der Stadtförster derzeit durch »viel trockenes Kronenmaterial und dürre Bäume am Wegesrand«. Er macht sich Sorgen um die Haftung, wenn jemand von einem abbrechenden Ast getroffen wird. Die Rechtslage sei schwammig, manche Städte und Gemeinden sperrten bereits ihre Wege, um eine Haftung auszuschließen. Vor allem auf dem Mainberg am Mahnmal stehe viel totes Holz, berichtete Vogel.

Teilfläche stilllegen

Dieses sei jedoch nur dann schlecht, wenn es die Verkehrssicherheit gefährde. Ansonsten werde Totholz von vielen Waldbewohnern gerne genutzt, zum Beispiel als Spechthöhle. Deshalb befasste sich der Stadtrat am Dienstag auch mit der Frage, ob Teile des Waldes stillgelegt werden sollen. Die beiden Förster schlagen dazu eine 31 Hektar große Fläche im Stadtteil Zimmern in der Abteilung Scheuerberg vor. »Waldflächen, die aus der Nutzung genommen werden, entwickeln - allerdings über sehr lange Zeiträume - naturnahe und urwaldähnliche Strukturen. Sie dienen damit in besonderer Weise dem Natur- und Artenschutz«, zitierte der Stadtförster aus der Haushaltsrede der SPD-Fraktion vom vergangenen Jahr, in der eine Teilstilllegung angeregt worden sei.

Der zu 68 Prozent von Eichen und zu 29 Prozent von Buchen dominierte Bestand am Scheuerberg sei 65 bis 175 Jahre alt und befinde sich an einem kaum erschlossenen Steilhang oberhalb des Radweges von Zimmern nach Erlach. Kleinflächig beinhalte er auch einen naturschutzfachlich hochwertigen Ahorn-Linden-Hangschuttwald.

Schwer zugänglicher Steilhang

Das Waldstück sei schlecht erschlossen und daher schwer zu bewirtschaften, was es den Forstleuten einfacher macht, würde man hier Flächen stilllegen.

Grundsätzlich sei eine Einzelbaumförderung möglich, die der Stadt jeweils 125 oder 200 Euro einbringe, je nachdem, ob der Umfang des Stamms in Brusthöhe unter oder über 60 Zentimeter betrage. Eine andere Möglichkeit sei, die Stilllegung von Waldflächen als Ökopunkte und damit Ausgleich für Flächenversiegelungen zu verbuchen. Hierfür erhalte man pro Quadratmeter einen Punkt, für die Gesamtfläche von 31 Hektar wären es folglich 310.000 Ökopunkte. Die Frage, die es zu beantworten gelte, lautet: »Brauchen wir Punkte fürs Ökokonto oder nehmen wir das Geld?«, verdeutlichte Netsch. Der Stadtrat werde sich nach der Sommerpause in Ruhe und Gelassenheit damit auseinandersetzen, kündigte Bürgermeister Thomas Stamm an, denn unter Zeitdruck stehe man in dieser Frage nicht.

Im Überblick: Stadtwald und Holzverkauf

Die Stadt Marktheidenfeld besitzt und verwaltet 784 Hektar Stadtwald. Dieser ist aufgeteilt in sechs Distrikte: I. Marktheidenfeld 182,9 Hektar; II. Michelrieth 187,1 Hektar; III. Altfeld 142,3 Hektar; IV. Glasofen 120,5 Hektar; V. Marienbrunn 47,2 Hektar; VI. Zimmern 104 Hektar. In Oberwittbach gibt es keinen Waldbesitz der Stadt.

In der von der Flurbereinigung stark ausgeräumten Landschaft dient der Stadtwald als wertvolles Rückzugsgebiet vieler Tier- und Pflanzenarten und den Bürgern als Naherholungsziel. Er erfüllt die Funktionen des Boden- und Wasserschutzes und sorgt für ein ausgeglichenes Klima.

Laut Angaben von Stadtförster Thomas Vogel wurden im vergangenen Jahr 4200 Festmeter (fm) Holz eingeschlagen und restlos verkauft. Das jährliche Einschlagssoll liegt bei 4700 fm. Das eingeschlagene Holz war ausnahmslos Kalamitätsholz aus den Trockenjahren 2018 bis 2020. Deshalb wurden für die 4200 fm Schadholz keine Spitzenpreise erzielt, obwohl es für Frischholz eine hohe Nachfrage und einen massiven Preisanstieg gab. Im laufenden Jahr kann die Hälfte des Einschlags zu erfreulich hohen Preisen verkauft werden. Hierbei handelt es sich um frische Sturmholzfichte aus dem Februar 2022. Die andere Hälfte ist Holz geringer Qualität aus den Trockenjahren.

Derzeit liegen die Festmeter-Preise für frische Fichte zwischen 90 und 100 Euro. In den Trockenjahren wurden für Schadholz 20 bis 30 Euro erzielt. ()

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