"Die Kirche im Dorf lassen"

Pfarrgemeinderatswahl: Kandidatinnen in Steinfeld ist Leben vor Ort und persönlicher Glaube wichtig

Steinfeld
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Zentrum der Pfarreiengemeinschaft ist die Steinfelder Kirche Mariä Himmelfahrt und St. Bartholomäus. Sie wurde von 1614 bis 1617 im typischen Julius-Echter-Stil erbaut. Foto: Thomas Josef Möhler
Foto: Thomas Josef Möhler
Am 20. März wer­den in Bay­ern in den ka­tho­li­schen Ge­mein­den die Pfarr­ge­mein­de­rä­te ge­wählt. Sie am­tie­ren vier Jah­re lang. In­zwi­schen ist es auch in länd­li­chen Re­gio­nen nicht mehr so ein­fach, Frei­wil­li­ge für die­ses Lai­en­g­re­mi­um zu fin­den, das den Pfar­rer un­ter­stüt­zen soll. Un­ser Me­di­en­haus hat mit Kan­di­da­tin­nen über ih­re Mo­ti­va­ti­on und Er­fah­run­gen ge­spro­chen.

Auf dem Gemeindegebiet von Steinfeld gibt es je eine Pfarrgemeinde in den drei Ortsteilen, die die Pfarreiengemeinschaft St. Sebastian bilden und einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat haben (siehe Hintergrund). Von den zwölf Kandidaten seien die meisten "Altgediente", es gebe aber auch drei neue Anwärterinnen, berichtete Heike Urlaub auf Anfrage.

Nach Angaben der Mitarbeiterin im Pfarrbüro handelt es sich dabei um "Mamas, deren Kinder neu ministrieren". Die Namen wollte Urlaub aus Datenschutzgründen nicht herausrücken. Von den "Altgedienten" wollten sich die meisten nicht öffentlich äußern oder nur unter Weglassung des Namens.

Gesundes Miteinander

Keine Probleme, ihren Namen in der Zeitung zu lesen, hat Evi Loschert, die mit Unterbrechungen mindestens schon drei Wahlperioden im Pfarrgemeinderat mitarbeitet. Ihr gehe es darum, die "Kirche im Dorf zu lassen", betonte sie. In Steinfeld gebe es noch Menschen, die sich engagierten, ein gesundes Miteinander hätten und vom Glauben getragen würden.

Den Sinn der Arbeit im Pfarrgemeinderat sieht Evi Loschert darin, aufeinander zuzugehen und Probleme zu erkennen, "damit die Leute Ansprechpartner haben, wenn sie in Not sind, und sich aufgehoben fühlen". In der neuen Wahlperiode möchte sie mithelfen, Menschen wieder an den Glauben heranzuführen und alte Traditionen wie etwa die Prozessionen in Steinfeld zu erhalten.

Die Skandale in der katholischen Kirche hindern sie daran nicht: "Mir geht es um meinen Glauben und um Jesus Christus." Für die Missbrauchsfälle und ihre Vertuschung fehlt ihr jedes Verständnis, "die Verantwortlichen müssten die zehn Gebote eigentlich kennen". Mit ihrem Glauben hätten die Missstände in der Kirche aber nichts zu tun: "Mir geht es um Gott."

Für die Zukunft hofft Evi Loschert, "dass immer wieder Leute da sind, die mitmachen und sehen, dass auch Gutes bewirkt wird". In Steinfeld engagierten sich auch noch junge Leute. Sie hoffe, dass das so bleibe und die Sache Jesu, wie es in einem Kirchenlied heißt, weiter Begeisterte finde.

"Weil ich gläubig bin, mir ist meine Religion sehr wichtig", begründet Cornelia Mistler ihr Engagement im Pfarrgemeinderat, das mit Unterbrechungen schon acht Jahre dauert. Sie wolle erreichen, dass das Kirchenleben in Waldzell lebendig bleibe, Veranstaltungen mit Senioren und das Pfarrfest an der Gertraudenkapelle weiter stattfänden. Das brauche "Leute, die ja sagen und sich aktiv einbringen", so Mistler.

Die Skandale in der Kirche können sie davon nicht abbringen: "Weil mein Glaube an Jesus und das, was er uns gelehrt hat, trotzdem fest ist." Menschen, die Kinder missbraucht hätten, hätten in der Seelsorge nichts verloren, "aber das hat mit meinem Glauben nichts zu tun". Wo Menschen handelten, gebe es "schwarze Schafe".

Zur Zukunft der Pfarrgemeinde sagte Mistler, in Steinfeld habe man noch das Glück, drei Gemeinden in der Pfarreiengemeinschaft zu haben. Die Katholiken stünden voll hinter Pfarrer Slawomir Olszewski und man kenne sich gegenseitig. Ihr sei klar, dass das nicht für alle Zeiten in diesem kleinen Rahmen so bleiben werde, aber derzeit sei alles in Ordnung: "Ich fühle mich immer noch gut dabei und es kommt etwas an Anerkennung zurück." Die Menschen freuten sich, dass es noch engagierte Katholiken gebe.

Junge Leute motivieren

Helga Gießler ist seit mehreren Wahlperioden im Pfarrgemeinderat und kandidiert wieder, "weil ich mit der Kirche verbunden bin und etwas für die Gemeinde tun will". Erreichen würde sie gerne, "dass die jungen Leute wieder zur Kirche finden". Allerdings nehme die Zahl der Engagierten ab: "Das bricht immer mehr ein."

Hintergrund: Organisation der Wahl

Mit zwölf Kandidaten gibt es in der Pfarreiengemeinschaft St. Sebastian auf der Fränkischen Platte genau so viele Anwärter, wie es Plätze im Pfarrgemeinderat zu verteilen gibt. Das teilte Heike Urlaub, Mitarbeiterin im Pfarrbüro, auf Anfrage unseres Medienhauses mit. Die drei Gemeinden Maria Himmelfahrt und St. Bartholomäus (Steinfeld), St. Cyriakus (Hausen) und St. Vitus (Waldzell), die die Pfarreiengemeinschaft bilden, haben einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat. Die Anzahl der Plätze im Gremium ergibt sich aus der Katholikenzahl.

Eine Wahl im eigentlichen Sinn wird es daher in der Pfarreiengemeinschaft nicht geben. Bei mehr Kandidaten als Plätze wäre eine Briefwahl organisiert worden. Nach den Worten von Urlaub liegen am Wahltag Listen in den Kirchen und dem Pfarrbüro aus, die von den Gläubigen unterschrieben werden können. Sollte sich doch noch ein weiterer Kandidat bis 20. März melden, könnte die Person laut Urlaub von Pfarrer Slawomir Olszewski in das Gremium kooptiert werden. Von den Kandidaten sind zehn Frauen und zwei Männer im Alter zwischen 45 und 65 Jahren. tjm

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