Die »Hosen heruntergelassen«

Literatur: Die Autorengruppe »Der Schreibtisch im Spessart« veröffentlicht mit »Leselaub« ihr erstes Buch

Lohr a.Main
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»Sch­rei­ben heißt im­mer auch, die Ho­sen her­un­ter­zu­las­sen«, sagt Rei­ner Cwie­long (Lohr). Ly­dia Scho­en­tau­be (Lohr) pf­lich­tet ihm bei: »Wenn ich et­was sch­rei­be, muss ich mich be­ken­nen.« Bei­de ge­hö­ren zur Au­to­ren­grup­pe »Der Sch­reib­tisch im Spess­art«, die mit »Le­se­laub« ihr ers­tes Buch ver­öf­f­ent­licht hat.
15 Mitglieder der Gruppe haben in der Anthologie (Sammlung literarischer Texte) ihre »Hosen heruntergelassen«. »Es sind Geschichten drin, die im Spessart spielen oder nachvollziehbar im Spessart spielen könnten«, erklärt Lydia Gröbner (Frammersbach) bei der Buchvorstellung am Dienstag. Sie ist eine der Initiatorinnen des »Schreibtischs« (siehe »Hintergrund«).
Im Buch versammelt seien Gedichte, Kurzgeschichten, Krimis und Fantasy-Storys. Die Geschichten seien »so bunt wie unser Kreis«, so Gröbner. Seit zwei Jahren träfen sich die Stammtischmitglieder einmal im Monat, eine feste Gruppe habe sich herausgebildet. Im Frühjahr sei jemand auf die Idee gekommen, die Werke in einem Buch zusammenzustellen.
Herausgegeben hat es Sabine Fiedler-Conradi (Lohr). Seit vorigem Jahr ist sie Inhaberin des Miraba-Verlags. Diesen hat sie gegründet, um »Entdeckungen im Spessart. 30 Rätsel, nicht nur für Einheimische« zu veröffentlichen.
Das Werk musste sie ganz alleine herausbringen. Bei »Leselaub« wählte sie einen anderen Weg. Die Texte wurden an die Autoren verschickt, jeweils zwei lektorierten einen Text anderer Autoren nach Gesichtspunkten wie Sprache, Stil, Handlungs- und Spannungsbogen sowie Logik. Dritter Lektor war Fiedler-Conradi selbst. »Das war eine unendlich mühsame Arbeit«, erinnert sie sich. Darüber könnte man ein eigenes Buch schreiben. Ein Gutes hätten die Mühen gehabt: »Jeder von uns kennt jetzt fast alle Texte auswendig.«
Wenn sie heute den Text eines Kollegen lese, der nicht mit einem Namen gekennzeichnet sei, wisse sie dennoch, von wem er stamme, bestätigt Rosemarie Knechtel (Gemünden). Bei der Arbeit am Buch »haben wir uns besser kennengelernt«. Beim Lektorieren habe Fiedler-Conradi viel Fingerspitzengefühl gezeigt, bescheinigt ihr Lydia Gröbner. Die Autoren dürften nicht das Gefühl haben, »dass das jetzt ein völlig anderer Text ist«.
Reiner Cwielong meint: »Sie weiß, wie man mit einem alten Haudegen umgeht. Ich fühle mich weichgespült, aber ich habe meine Identität nicht verloren.«
Mit anderen Augen sehen
Lydia Schoentaube kann nach eigenen Worten mit Kritik umgehen, »wenn sie richtig ausgesprochen wird«.
Jürgen Leimeister, der Gedichte in Bischbrunner Mundart beigesteuert hat, ergänzt: »Ich bin froh, wenn ein anderer drüberschaut, der den Text mit anderen Augen sieht.«
Vergeblich wird man in »Leselaub« eine Geschichte von Sabine Fiedler-Conradi suchen. »Es ist rätselhaft: Je mehr ich in die Herausgeberrolle geraten bin, desto weniger hat es gepasst, eine eigene Geschichte beizusteuern«, sagt sie.
Wer sich einen Eindruck vom Buch verschaffen will, kann das am Mittwoch, 18. November, tun. Ab 19 Uhr lesen voraussichtlich zwölf der 15 Autoren ihre Texte im Saal des alten Rathauses, begleitet von Daniel Herzig am Piano.

b Die Anthologie »Leselaub« erscheint im Miraba-Verlag, ISBN 978-3-9817024-1-5. Sie kostet 14,90 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.
Thomas Josef Möhler
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