Wie der neue Landrat vor 50 Jahren den vorläufigen Kreissitz im Lohrer Schloss bezug

50 Jahre Main-Spessart

MAIN-SPESSART
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Neu­er Kreis, neu­er Land­rat, vie­le Be­fürch­tun­gen und noch mehr Hoff­nun­gen. So be­gann vor fünf Jahr­zehn­ten der heu­ti­ge Land­kreis Main-Spess­art mit dem vor­läu­fi­gen Na­men Mit­tel­main und dem eben­falls vor­läu­fi­gen Kreis­sitz in Lohr.

Erwin Ammann, der frühere Landtagsabgeordnete und spätere Chef des Altkreises Karlstadt, zog als neuer Landrat am alten Sitz der ehemaligen Lohrer Kreisverwaltung im Schloss ein. Der letzte Lohrer Landrat, Rudolf Balles, räumte nach 14 Jahren mit Wehmut das Feld.

Es war am Montag, 3. Juli, als sich Ammann im seinem Dienst-Mercedes von seinem Wohnsitz im Zellinger Ortsteil Retzbach nach Lohr chauffieren ließ und sich im Fürstenzimmer des Schlosses präsentierte. Teils mit gewinnendem Lächeln, aber auch mit dem ihm nötig erscheinenden Ernst. »Haben Sie Zutrauen zu ihrem künftigen Chef und arbeiten Sie mit der gleichen Intensität und Lust weiter wie bisher - schon um der Bürger willen.« So warb Vorgänger Balles bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung für den Neuen, dem er beim Ringen um den Zuschnitt des neuen Kreises und bei der CSU-Nominierungsversammlung für die Landratswahl unterlegen war.

Artig bedankte sich Ammann für die freundliche Amtsübergabe und wünschte dem neuen Kreisgebilde ein »herzliches Glückauf«. Zuvor hatte er im Gespräch mit der Presse die konstituierende Sitzung des am 11. Juni 1972 gewählten neuen Kreistags für die zweite Julihälfte und die Entscheidung über den endgültigen Kreissitz bis Ende November 1972 angekündigt.

Um Vertrauen gebeten

Der neue Landrat betonte seine Absicht, das gute familiäre Zusammenwirken der Bediensteten weiter zu pflegen. Er räumte aber gleich ein: »Das wird für mich eine schwere Aufgabe sein.« Ammann bat deshalb alle Mitarbeiter, das Vertrauen auf ihn zu übertragen, das sie Rudolf Balles entgegengebracht hatten.

Ob die meisten Probleme aus den Altkreisen Gemünden, Karlstadt, Lohr und Marktheidenfeld gelöst werden könnten, sei eine Frage der engen Zusammenarbeit, behauptete der Landrat, der in Bayern zugleich Leiter des staatlichen Teils des Landratsamtes und auch Chef der Selbstverwaltung des Kreises ist, als Vorsitzender des Kreistags und dessen Ausschüsse fungiert.

Der neue Landrat versprach damals seinen Leuten, dass er nie eine personelle Entscheidung am grünen Tisch treffen würde und erst mit dem Personalrat und den Betroffenen gesprochen werde. Personalratsvorsitzender Herbert Brehm begrüßte ihn mit Blumen.

Allerdings sickerte rasch durch, wie sich Meinungsaustausch bei Ammann üblicherweise vollzog: Ein Mitarbeiter kommt mit seiner Meinung zum Landrat und mit dessen zurück...

Bei der Wachablösung selbst registrierte Altlandrat Balles in Mitarbeiterkreisen ein Gefühl des verhaltenen Abwartens. Jeder Chef habe seinen eigenen Führungsstil und seine eigenen Ideen. Balles charakterisierte den Neuen als einen Mann, mit dem man reden könne, der die Verwaltung kenne und wisse, was möglich sei. Am Ende seiner Amtszeit galt Ammann als dienstältester Landrat in der Geschichte des Deutschen Landkreisverbands.

Fast entschuldigend

Fast entschuldigend ging Balles bei der Amtsübergabe noch auf die Frage ein, warum Lohr im Gegensatz zu Karlstadt kein relativ neues, großes Landratsamtsgebäude besitze. Der Landkreis Lohr habe im den letzten Jahren viel in das Kreiskrankenhaus und in den Kreisstraßenbau investiert und mit einem neuen Amtsgebäude warten wollen. Dabei sei er von der Gebietsreform überrascht worden. Balles wies aber darauf hin, dass der Kreis im Umgriff des Schlosses Flächen für einen Neubau habe.

Erster großer Krach

Wenige Tage später gab es den ersten großen Krach, als herauskam, dass der alte Landkreis Lohr vorsorglich zur Unterbringung von

Behördenmitarbeitern 40 Räume für 4300 Mark monatlich Büroflächen im damals noch größeren Hotel »Post« angemietet hatte. Unnötig, nicht gebraucht und nicht angenommen?

Persönliches: Karlstadterin aus Überzeugung

Das sagen Menschen aus Main-Spessart über ihre Heimat:

Sina Mahlo (23) aus Karlstadt ist Studentin für das Grundschullehramt und lebt aus Überzeugung in ihrer Heimatstadt Karlstadt. »Hier habe ich meine Familie und meine Freunde. Wenn ich von der Uni in Würzburg komme und im Zug sitze, freue ich mich immer schon, wieder in Karlstadt auszusteigen«, sagt die junge Frau. Dort fühle sie sich nie allein, denn es sei immer jemand da, mit dem sie sich treffen könne. »Ich fühle mich schon mehr als Karlstadterin denn als Main-Spessarterin, schätze aber sehr die Natur im Landkreis und das vielfältige kulturelle Angebot.« Hier sei alles klein und gemeinschaftlich, führt sie als Vorzüge an. ()

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