Spessartgrotte Langenprozelten: "Käthe holt die Kuh von Eis!"

Premiere der Bauernhof-Musikkomödie

Gemünden a.Main
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Sind feste entschlossen, den Hof vor der Insolvenz zu retten (von links): Rascal (Daniel Grauer), Leonie (Andrea Feuchtenberger) und Bäuerin Käthe (Iris Katzer). Foto: Michaela Schneider
Foto: Michaela Schneider
Re­so­lu­te Bäue­rin ir­gend­wo in der Pam­pa, die abends Horn­haut ras­pelt oder den Tie­ren Mär­chen vor­liest, trifft auf ab­ge­dreh­te Groß­s­täd­ter. Ech­te Kno­chen­ar­beit auf dem Hof be­geg­net "Crea­ti­ve Thin­king". Brei­tes­tes Hes­sisch prallt auf Ju­gend­spra­che. Und schwupps, ist ei­ne lau­ni­ge Bau­ern­hof-Mu­sik­ko­mö­d­ie ge­s­trickt. "Käthe holt die Kuh vom Eis!" aus der Fe­der des Mu­si­cal­dar­s­tel­lers und Au­tors Wil­liam Dan­ne fei­er­te jetzt in der Spess­art­grot­te in Ge­mün­den-Lan­gen­pro­zel­ten un­ter Re­gie der Thea­ter­che­fin Hel­ga Hart­mann Pre­mie­re.

Das humorige Stück, das erst im vorigen August uraufgeführt wurde, passt dabei zum Konzept des kleinen Theaters wie die Faust aufs Auge: Jede Menge Kalauer jagen sich ebenso wie bekannte, umgetextete Ohrwürmer; fünf überdrehte Charaktere geben der kleinen Schauspieltruppe Raum, sich fröhlich auszutoben.

Ein großes Lob vorneweg für Christine Hartmann, die für Kostüm und Requisite verantwortlich zeichnet sowie für Bühnenmaler Hartwig Kolb. Das Bühnenbild ist reizend, eine wahre Bauernhofidylle mit immer blauem Himmel und Fenstern mir geschnitzten Herzchen. Die bewegten Hofbewohner - ein Ferkel, eine Kuh und zwei Hühner - bilden den Abend über kurzerhand auch noch die Background-Gesangstruppe. Ein rockendes Handpuppenhuhn und ein sich sinnlich wiegendes Schwein lassen dauerschmunzeln. Und die Schafherde im Zuschauerraum darf immerhin mitklatschen. Ebenfalls gewohnt unterhaltsam: die Choreografien von Daniel Weinmann - ob partylaunig oder in kämpferischer Zeitlupe.

Da kann man Leonie (Andrea Feuchtenberger), die so überdrehte wie naive Erzieherin, glatt verstehen, als sie, frisch auf Käthes Hof eingetroffen, "Ein Bild wie aus dem Heimatfilm" in Musicalmanier trällert. Dass Leonie in ihren kühnsten Träumen wie Heidi ist und Bäuerin Käthe (Iris Katzer) in den Großvater und den Berliner Studienabbrecher Rascal (Daniel Grauer) in den Geißenpeter verwandelt - das ist ein anderes. Und dann taucht auch noch ein schmieriger Möchtegern-Casanova aus Wien auf und stellt sich singend in Frank-Zander-Manier als "Hier kommt? Jürgen" vor (Timo Dassinger). Nicht, dass Käthe scharf wäre auf Bauernhofbesuch. Sie vermietet Gästezimmer an gestresste Großstädter nur, um das idyllische Fleckchen Erde vor der Insolvenz zu retten.

Die Gäste schmieden einen Plan, um der Bäuerin zu helfen. Und was läge näher als, logisch, vegane Märchen für Ökomütter zu drehen, auf YouTube hochzuladen und auf einen Geldsegen durch Werbeeinnahmen zu spekulieren. Ein hippes Rotkäppchen fährt nun also Skateboard (oder zumindest etwas so Ähnliches), der Wolf respektiert Großmutters Recht auf Leben und die ist total übersäuert von tierischen Produkten. Allerdings steht inzwischen auch Insolvenzverwalterin Dr. Vivienne Rechtsprecher (Luise Schlingmann) auf dem Hof, bzw. im Schweinestall.

Iris Katzer als Käthe geht schauspielerisch in die Vollen, babbelt im breitesten Hessisch, spart Casanova Jürgen gegenüber nicht mit ihren - charmant formuliert - robusten Reizen und wickelt mit Bäuerinnenschläue alle um den Finger. Andrea Feuchtenberger ist an sich süß als Leonie, die allzu breit getretene, klischeehafte Naivität des Charakters allerdings im Abendverlauf anstrengend. Dass ein Zuviel nicht immer gut tut, zeigt sich zudem mit Blick auf Timo Dassinger in der Rolle des Möchtegern-Casanovas Jürgen. Viel schlüpfriger Wortwitz gehört zum Stück dazu keine Frage; ohne permanente Bühnenfummelei wäre dieser aber deutlich lustiger. Charmant begegnet dem Publikum (und vor allem der süßen) Leonie Daniel Grauer als Studienabbrecher Rascal. Luise Schlingmann als Insolvenzverwalterin Vivienne glänzt unfraglich gesanglich, ihr "Let me entertain you" - nicht nach Robbie Williams, sondern aus dem Musical "Gypsy" - beeindruckt. Nett ist, wie sie ihre Rolle zwischen knallharter "Rechtsprecherin" und (mehr oder weniger) frechem Bühnensternchen interpretiert.

An mancher Stelle könnte man mit pointierterem Witz, einem konzentrierteren Fokus auf der Sprache und weniger Bühnenklamauk wohl mehr herausholen aus der Bauernhof-Musikkomödie "Käthe holt die Kuh vom Eis!". Das Spessartgrotten-Publikum hat dennoch viel Spaß.

Info: Dauer (mit Pause): 140 Minuten; nächste Vorstellungen, jeweils 20 Uhr: 13., 14., 27. und 28. Mai; 11, 18. und 24. Juni; 8., 9., 22, 23. und 30. Juli.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!