Bärbel Imhof verlässt Lohrer Stadtrat

Grüne: Nach 31 Jahren im Gremium zieht sich Imhof zurück, um mehr Zeit fürs Private zu haben

Lohr a.Main
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Bär­bel Im­hof von den Grü­nen ver­lässt zum En­de des Jah­res den Loh­rer Stadt­rat, dem sie 31 Jah­re lang an­ge­hört hat. Ih­re Nach­fol­ge tritt Le­na Wer­ner an. Das hat Im­hof ei­ner Pres­se­mit­tei­lung zu­fol­ge in der Jah­res­ver­samm­lung der Loh­rer Grü­nen am ver­gan­ge­nen Mitt­woch be­kannt ge­ge­ben. Die 60-Jäh­ri­ge wur­de 1990 als ers­te und da­mals ein­zi­ge Grü­ne in den Loh­rer Stadt­rat ge­wählt. Die Di­p­lom-Bio­lo­gin war von 2008 bis 2012 zwei­te Bür­ger­meis­te­rin in Lohr und sitzt ak­tu­ell für die Grü­nen auch im Kreis- und Be­zirks­tag.

In einem Telefonat mit der Redaktion gibt Bärbel Imhof private Gründe für ihr Ausscheiden aus dem Stadtrat an: "Mein Mann ist seit einem guten halben Jahr im Ruhestand und wir hatten uns darauf verständigt, dass ich dann auch in der Politik etwas kürzer treten werde, damit mehr Zeit für uns bleibt." Das Ehepaar betreibt eine Bio-Landwirtschaft und plant laut Imhof weitere Projekte auf dem Hof, für die Zeit gebraucht wird. "Ich wechsle von der Politik sozusagen ins Handwerkliche", sagt sie lachend.

Nach 31 Jahren sei es an der Zeit, Platz für die nächste Generation zu machen, findet die Lohrerin. Mit Lena Werner kommt nach Aussage von Imhof "eine junge und engagierte Frau als kompetente Nachfolgerin" in den Stadtrat. "Sie soll auch die Chance und genügend Zeit haben, sich im Stadtrat einzuarbeiten, sich zu profilieren und bekannt zu machen, um bei der nächsten Kommunalwahl entsprechend auftreten zu können", erläutert die 60-Jährige.

Bärbel Imhof zieht sich nicht komplett aus der Lokalpolitik zurück: Sie will ihr Bezirkstagsmandat behalten und plant, bei den Wahlen dafür auch noch einmal anzutreten. Zudem wurde sie in der Jahresversammlung des Lohrer Grünen-Ortsverbands als Vorsitzende wiedergewählt. Aus dem Kreistag werde sie voraussichtlich auch aussteigen. "Es ist aber noch nicht ganz klar wann", sagt die 60-Jährige.

Die Entscheidung, sich schrittweise aus einigen ihrer politischen Ehrenämter zurückzuziehen, hat sie nicht über Nacht getroffen. "Ich habe das in der Fraktion, der Partei und im Ortsverband besprochen und glaube, dass ist auf jeden Fall die richtige Entscheidung", betont Imhof.

In der Jahresversammlung sind laut Pressemitteilung Clemens Kracht zum stellvertretenden Vorsitzenden, Andreas Paff zum Schriftführer und Mathilde Lembach zur Beisitzerin gewählt worden. Ausgeschieden sind Björn Jannetzky und Hannah Imhof, die berufsbedingt nicht mehr kandidieren konnten. Dem Vorstand kooptiert sind die grünen Stadtratsmitglieder und Erno Hirvelä, der den digitalen Auftritt des Ortsverbandes koordinieren soll.

In ihrem Rechenschaftsbericht ging Bärbel Imhof auf die Arbeit des Ortsverbands im vergangenem Jahr ein. Die drei Arbeitskreise Mobilität, Klimawandel und Soziales haben der Stadtratsfraktion zugearbeitet und viele Anträge vorbereitet. Unter der Federführung von Andreas Paff sei ein modernes Mobilitätskonzept erarbeitet worden, das Eingang in das städtische Verkehrsentwicklungskonzept (VEK) finden sollte, finden die Grünen.

Man sei mit viel Elan und großen Hoffnungen in den Prozess des VEK gestartet. So sei das gemeinsam abgestimmte Leitbild im Stadtrat noch gelungen, doch dann habe der Prozess gestockt und sei bis heute nicht abgeschlossen. "Die von den Grünen beantragte Mobilitätsdrehscheibe als zentralen Umsteigepunkt für alle Verkehrsarten am ehemaligen Stadtbahnhof wurde nicht diskutiert und auch von der Reaktivierung der Schiene ist nichts zu hören", betonte die Vorsitzende.

Das Radwegekonzept, das noch vor der Sommerpause vorgestellt werden sollte, sei bis heute unbekannt. Die von der Radinitiative maßgeblich mitausgearbeiteten modernen Abstellanlagen für Räder seien bis heute beim Fördergeber nicht beantragt, obwohl wichtige Fristen am Jahresende auslaufen, kritisierten die Grünen.

Als Tiefpunkt der städtischen Verkehrspolitik bezeichnen die Grünen die mehrheitliche Zustimmung des Lohrer Stadtrats zur B 26n. Erst auf Antrag der Grünen und der ÖDP sei dieses Thema überhaupt im Gremium besprochen worden. Wichtige Informationen zur Zerstörung des Buchentals und des Rombergs wurden von den konservativen Fraktionen im Stadtrat verhindert, schreiben die Grünen in der Pressemitteilung.

Scharf kritisieren sie die Haltung von Bürgermeister Mario Paul, der die Einwandsfrist gegen den ersten Bauabschnitt ungenutzt verstreichen ließ. Sie fordern nun eine Erklärung im Stadtrat. Auf großes Unverständnis stoßen auch die wieder eingeführten Fraktionsvorsitzenden-Gespräche, die "nichtöffentlich und intransparent" stattfinden. "Eine ergebnisoffene, transparente Debatte im Stadtrat wird so unterlaufen", heißt es von den Grünen.

Mit dem Bundestagswahlergebnis der Lohrer Grünen von 14,2 Prozent zeigte sich Bärbel Imhof zufrieden. Man habe 5,8 Prozent im Vergleich zur vorherigen Wahl dazu gewonnen, wenngleich man gerne auch ein paar Prozente mehr gesehen hätte.

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