Samstag, 06.03.2021
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Gewalttat im Main-Spessart-Kreis: Verdächtiger nach 27 Jahren verhaftet

Getötete 13-Jährige im Jahr 1993 in Jauchegrube gefunden

Karlstadt
Tatort Wiesenfeld
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In einer Güllegrube eines Aussiedlerhofs in Wiesenfeld wird am 17. Dezember 1993 die Leiche des getöteten 13-jährigen Mädchens gefunden. Foto (Archiv): Monika Büdel
Foto: Monika Büdel
27 Jahre nachdem die Leiche der damals 13 Jahre alten Sabine B. bei Karlstadt-Wiesenfeld gefunden wurde, könnte der Altfall nun geklärt sein. Die Polizei hat einen dringend Tatverdächtigen festgenommen.

Ein Haftrichter ordnete am Donnerstag Untersuchungshaft gegen den 44-Jährigen aus dem Kreis Main-Spessart an. Das teilen das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Würzburg in einem gemeinsamen Schreiben mit. 

Es ist der 15. Dezember 1993. Die 13 Jahre alte Sabine B. kommt nicht nach Hause. Das passt nicht zu dem zuverlässigen Mädchen aus Wiesenfeld. Schnell kommt die Befürchtung auf, dass die Jugendliche Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte. Suchtrupps von Polizei und Feuerwehr sowie Anwohnern durchkämmen die Gegend.

Massive Gewalteinwirkung

Zwei Tage später dann die traurige Gewissheit: Sabine B. ist tot. Nach Zeugenhinweisen wird ihr Fahrrad bei einem Aussiedlerhof etwas außerhalb von Wiesenfeld gefunden – ebenso wie der Schlüssel zum Pferdestall, den sie besaß, weil sie gerne zu den Tieren ging. Kurz darauf werden ihre Jacke und Kleidung in einer Jauchegrube des Hofs gefunden. Die Feuerwehr pumpt diese ab. So entdecken die Einsatzkräfte auch den leblosen Körper von Sabine B. in der Grube. Einen Unfall schließen die Ermittler aus. Denn die Obduktion ergibt, dass die Jugendliche durch massive Gewalteinwirkung zu Tode kam.

Nun war die Polizei am Mittwoch erneut an eben diesem Einsiedlerhof und durchsuchte das Anwesen. Einen weiteren Durchsuchungsbeschluss hatte die Staatsanwaltschaft für die Wohnung des 44 Jahre alten Verdächtigen erwirkt. Informationen unseres Medienhauses zufolge waren die Beamten hierfür in Birkenfeld (Kreis Main-Spessart) und führten einen Mann ab. Den Erkenntnissen der Ermittler zufolge soll der Verdächtige im Jahr 1993 als damals 17-Jähriger das Mädchen getötet haben.

Nicht der erste Verdächtige

Dieser ist jedoch nicht der erste Verdächtige. Ein damals 15-Jähriger wird 1994 mehrmals festgenommen, wieder auf freien Fuß gesetzt und schließlich freigesprochen (siehe »Im Überblick«).

Neben dem damals 15-Jährigen waren jedoch auch zwei andere Wiesenfelder im Fokus der Ermittler – unter ihnen der aktuell Verdächtige. Damals gab es nicht genügend Beweise. Das könnte sich nun geändert haben.

Wie bei anderen ungeklärten Gewaltverbrechen haben die Ermittler die Akten dieses Falls nie geschlossen. Die Beamten in sogenannten Cold Cases (Englisch wortwörtlich für kalte Fälle, also ungelöste Altfälle) überprüfen gesicherte Beweisstücke mit Hilfe neuer Techniken. Informationen unseres Medienhauses zufolge handelt es sich dabei unter anderem um DNA-Spuren. Dies wollte Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach am Donnerstag nicht bestätigen. Es gebe mehrere zusätzliche Erkenntnisse. »Mehr wollen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.« Aus Juristenkreisen war am Donnerstag bereits zu hören: »Mal sehen wie gut diese DNA-Spuren sind.«

Der Tatort Wiesenfeld ist der dritte Altfall in der Region,  bei dem es in den vergangenen Jahren neue Entwicklungen gegeben hat. Beim Tatort Hasenkopf in Aschaffenburg ist der Beschuldigte aufgrund einer DNA-Spur verurteilt worden. Beim Tatort Schlossgarten, ebenfalls in Aschaffenburg, führte eine Bissspur zu einem Verdächtigen, der aber freigesprochen wurde. Weil der Verdächtige im Schlossgarten-Prozess zur Tatzeit nicht volljährig war, wurde nicht-öffentlich verhandelt. So wird es voraussichtlich auch im Wiesenfelder Fall sein.

Veronika Schreck (Mitarbeit: Ralph Bauer und Sylvia Schubart-Arand)

Weitere Infos im Dossier unter: main-echo.de/tatort-wiesenfeld

Lesen Sie mehr zum Thema:

Kreis Main-Spessart: Mädchen im Jahr 1993 getötet - Fall bis heute nicht geklärt

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