Alles unter einem Dach beim Rotkreuz

Lohrer Rettungswache: Errichtung des neuen Gebäudes unterhalb des Forsthofs dauert nur neun Monate

Lohr a.Main
3 Min.

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Unterhalb des Forsthofs ist in nur neun Monaten die neue Lohrer Rettungswache entstanden. In ihr sind nun alle Dienste des Roten Kreuzes unter einem Dach.
Foto: Thomas Josef Möhler
Generalunternehmer Johannes Siegler übergab den symbolischen Schlüssel an Marco Ullrich, Klaus Dietrich und Dirk Zirkwick vom Rettungsdienst, Kreisgeschäftsführer Thomas Schlott und Kreisvorsitzenden Eberhard Sinner (von links).
Foto: M
»Jetzt ist al­les un­ter ei­nem Dach für den Ret­tungs­di­enst und die Eh­renamt­li­chen in Lohr.« Auf die­se grif­fi­ge For­mel hat stell­ver­t­re­ten­de Land­rä­tin Sa­bi­ne Sit­ter bei der Ein­wei­hungs­fei­er am Frei­tag den Neu­bau der Ret­tungs­wa­che für das Baye­ri­sche Ro­te Kreuz (BRK) un­ter­halb des Forst­hofs am Som­mer­berg ge­bracht.
Thomas Schlott, Kreisgeschäftsführer des BRK, zitierte Willy Brandt: »Nun wächst zusammen, was zusammengehört.« Alle Dienste des Kreisverbands im Bereich Lohr befänden sich wieder in einem Haus. Ausnahme: Der Rotkreuz-Laden, der von der Partensteiner Straße in ein stadtnäheres Gebäude an der Ludwigstraße umgezogen sei.
Der alte Standort der Rettungswache an der Rechtenbacher Straße ist nach Schlotts Worten »in die Jahre gekommen«. Es gebe dort Feuchtigkeitsschäden und ein Teil der neuen Fahrzeuge passe nicht in die alten Garagen.
Er sei froh, mit dem Wombacher Bauunternehmer Johannes Siegler einen zuverlässigen Investor gefunden zu haben (siehe »Zahlen und Fakten«). Dieser habe im »Eiltempo« von einem Dreivierteljahr den Bau fertiggestellt. Daran könne man erkennen, dass das Rote Kreuz »nicht nur im Rettungsdienst schnell« sei.
Die Generalprobe hat die neue Wache schon bestanden. Laut Schlott zog der Rettungsdienst am Donnerstag von der Rechtenbacher Straße an den Sommerberg um. In der Nacht sei bereits die erste Schicht von dort aus gefahren worden.
Projektentwickler und Generalunternehmer Johannes Siegler erinnerte daran, dass er beim ersten Spatenstich am 7. April trotz des damals um sechs Wochen verzögerten Baubeginns den 1. Dezember als Übergabetermin ausgegeben habe. Von einigen sei er dafür belächelt worden.
Er sei schon stolz darauf, die »sportliche Bauzeit in einer Phase der Bauhochkonjunktur« eingehalten zu haben. Das sei eine »wahrhaft gute Leistung aller Beteiligten«. Der Standort sei mit Blick auf das in der Nähe geplante neue Zentralklinikum für den Kreis gut. Nach dem Erwerb des Grundstücks vom Bezirk Unterfranken, der sich zunächst etwas gesträubt habe, »ging alles sehr zügig«, unterstrich Siegler. Er legte Wert auf die Feststellung, »dass wir es gemeinsam geschafft« haben, Rotes Kreuz, Behörden und die beteiligten Firmen, die alle aus Lohr und der Region stammten.
Als das Rote Kreuz 1991 das letzte Mal umgezogen sei, von einem »ganz kleinen Häuschen« an der Partensteiner Straße an die Rechtenbacher Straße, sei das ein großer Fortschritt gewesen, sagte BRK-Kreisvorsitzender Eberhard Sinner. Doch der Standort Rechtenbacher Straße sei mittlerweile »total ausgereizt«.
Teil des Gesundheitscampus
Ein Teil der Dienste habe bereits zurück an die Partensteiner Straße ausgelagert werden müssen. Den Investitionsbedarf für die alte Wache an der Rechtenbacher Straße bezifferte der frühere Minister auf eine halbe Million Euro - »ohne dass wir dafür einen funktionalen Mehrwert bekommen hätten«. Der neue Standort am Sommerberg sei dagegen zukunftsträchtig und werde mit dem Bezirkskrankenhaus und dem geplanten Zentralklinikum den »Gesundheitscampus Lohr« bilden. Auf der Agenda des Kreisverbandes stehe jetzt noch die Rettungswache Karlstadt, »dann sind alle Standorte zukunftsfähig«.
Der neue Standort biete »optimale Trainings-, Ausbildungs- und Einsatzbedingungen«, so Sinner. Damit werde auch die Attraktivität des Roten Kreuzes gesteigert. Man sei darauf angewiesen, neue Helfer zu finden.
Der Bezirk verkaufe fast nie Flächen an private Investoren, machte der stellvertretende Bezirkstagspräsident Armin Grein deutlich. Hier sei es geschehen, weil der Neubau der Öffentlichkeit zugutekomme. Wegen des Rückgangs bei den niedergelassenen Ärzten kämen auf die Rettungswachen nicht weniger, sondern mehr Aufgaben zu.
Im Rettungsdienst habe es in den vergangenen Jahren einen enormen Anstieg der Einsätze und der Belastungen gegeben, berichtete Thomas Stadler, der in der BRK-Landesgeschäftsstelle Abteilungsleiter für den Rettungsdienst ist. Das Rote Kreuz brauche dringend mehr Personal.
Denn es stehe »auf der Kippe«, ob überhaupt noch alle Schichten besetzt werden könnten, so Stadler. Nachwuchs sei nur zu gewinnen, wenn das Rote Kreuz sichere Arbeitsplätze bieten könne. Das werde aber nicht mehr der Fall sein, wenn tatsächlich die Rettungsdienste, wie von der Politik geplant, alle fünf Jahre erneut ausgeschrieben würden.
Ausschreibewahnsinn beklagt
Stadler forderte ein »Ende des Ausschreibewahnsinns«. Das Rote Kreuz stelle sich dem Wettbewerb, aber es müsse geordnete Strukturen geben. CSU-Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab (Hafenlohr) erklärte, die Politik müsse auf Gerichtsurteile reagieren.
»Die extreme Leistungsfähigkeit passt zum Roten Kreuz«, meinte Bürgermeister Mario Paul. Wer gute Arbeit leiste, brauche auch gute Arbeitsbedingungen. Stellvertretende Landrätin Sabine Sitter meinte zu Johannes Siegler: »Wenn's nach mir ginge, wüsste ich schon, wer das Zentralklinikum baut.« Für den kirchlichen Segen sorgten Dekan Till Roth und Pfarrvikar Christian Nowak.
Thomas Josef Möhler
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