500 Euro Geldauflage für ein verschicktes Foto

Amtsgericht Gemünden:20 Jahre alter Verurteilter, der Bild von Glied gesendet hatte, muss zudem Aufsatz und Entschuldigung schreiben

MAIN-SPESSART
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Es war nach ei­ge­ner Aus­sa­ge ei­ne Art »Zwang«, die ei­nen 20-Jäh­ri­gen aus dem Land­kreis Main-Spess­art vor Amts­rich­ter Sven Krisch­ker brach­te. Der Her­an­wach­sen­de hat­te über das so­zia­le Netz­werk »Ins­ta­gram« ei­ner Frau ein Bild sei­nes eri­gier­ten Glieds ge­schickt.

Ohne Aufforderung und Veranlassung, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Dies fällt unter den Straftatbestand »Verbreitung pornografischer Schriften«.

Nach Verlesung der Anklage gab es eine sehr kurze Beweisaufnahme. Denn der Angeklagte räumte die Tat vollumfänglich ein. Er schilderte, dass er die Betroffene online beim »Zocken« kennengelernt hatte. Man habe sich ein paar Mal geschrieben, so der Angeklagte. Zu der Tat habe er sich dann irgendwie gedrängt gefühlt. »Ohne dass ich aufgefordert wurde«, sagte der 20-Jährige. »Wenn sie da wäre, würde ich mich entschuldigen«, fügte er reumütig hinzu.

Er wisse nicht, was zu dem Zeitpunkt in ihn gefahren sei. »Ich sehe es als Problem«, sagte der Angeklagte weiter. Aus diesem Grund habe er schon für den selben Nachmittag einen Termin bei einer Psychotherapeutin ausgemacht. Diese enthob er auf Rat des Vorsitzenden von ihrer beruflichen Schweigepflicht. Auf die Frage der Staatsanwältin, wie man sich zu so etwas gedrängt fühlen könne, verwies der Angeklagte auf früher. »Wir haben uns unter Freunden immer wieder Sachen geschickt«, lautete seine Antwort. Tatsächlich wurde ein Verfahren gegen ihn wegen eines ähnlichen Deliktes erst vergangenes Jahr eingestellt. Dazu kommen drei Einträge im Bundeszentralregister wegen anderer Delikte.

Die Jugendgerichtshilfe ordnete die Zukunft des Angeklagten als »durchwachsen« ein. Hintergrund seien die familiären Verhältnisse, in deren Mittelpunkt die Alkoholkrankheit der Mutter stehe. Diese sei uneinsichtig, dazu komme eine Co-Abhängigkeit des Vaters und Streit mit dem Großvater. Der Angeklagte hatte verschiedene Ausbildungen begonnen, 2019 einen Verkehrsunfall. Seit diesem habe er psychische Probleme.

Am 1. Juli beginnt er eine Arbeit in Teilzeit, möchte auf Vollzeit erweitern und im nächsten Jahr eine Ausbildung beginnen. Er lebe ohne Einkommen bei den Eltern und sei ein leidenschaftlicher Zocker, vor allem von »Ballerspielen«. Die Jugendgerichtshilfe befürwortete die Anwendung von Jugendstrafrecht. Sie erkannte erhebliche Defizite in Sachen Reife und Entwicklung. Die Staatsanwaltschaft beantragte, den Angeklagten zu 50 Sozialstunden zu verurteilen, und regte an, einen sechsseitigen Aufsatz schreiben zu lassen. Thema soll sein, wie sich Betroffene fühlen, die solche Fotos geschickt bekommen. Als Empfehlung sprach sie aus, der Angeklagte möge sich das kurze Video »Männerwelten« vorher ansehen.

Der Verteidiger des Angeklagten meinte, eine Geldauflage von 450 Euro wäre sinnvoller als Sozialstunden. Er schloss sich im Großen und Ganzen der Staatsanwältin an. Unter dem Strich kam Krischker zu folgendem Urteil: Der Angeklagte muss 500 Euro an die Stiftung Opferhilfe in Bayern zahlen. Dazu muss er nicht nur den von der Staatsanwältin geforderten Aufsatz schreiben, sondern auch eine Entschuldigung an die betroffene Frau formulieren. Den Aufsatz beließ er bei drei Seiten, die Entschuldigung stellte er von der Länge her frei. »Es sagt dann viel über ihre Persönlichkeit aus«, so Krischker. Den Termin bei der Psychologin muss der Angeklagte wahrnehmen und nachweisen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil ist rechtskräftig.

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