Jahresrückblick 2018: Das hat uns in der Region bewegt

Region
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Sturm Burglind
Aufräumen nach Burglind: Waldarbeiter und eine Rückemaschine arbeiten im Staatswald bei Krommenthal auf der kilometerlangen Schneise, die der Sturm am 3. Januar durch den Spessartwald geschlagen hat. Die anhaltenden Niederschläge machen der Forstpartie beim Bewältigen der Schäden zu schaffen. Foto: Johannes Ungemach
Foto: Johannes Ungemach
Hündin Rapunzel
Endlich zurück im Familienkreis: Die Hösbacher Familie Ehret-Vaeth nimmt ihre Schäferhündin Rapunzel in Empfang. Foto: Ennio Leanza/Keystone (dpa)
Foto: Ennio Leanza/Keystone (dpa)
Eichenzentrum
Hofgut Erlenfurt: Soll hier Wohnraum statt Eichenzentrum entstehen?
Foto: Björn Friedrich
Großbrand in Stockstadt
Ein Großaufgebot von Feuerwehr und Rettungsdienst war am Ostersonntag bei einem Großbrand in Stockstadt am Main im Einsatz. Foto: Ralf Hettler
Foto: Ralf Hettler
Prozessauftakt Tatort Hasenkopf
Foto: Dirk Ceelen
Neuer Bischof Würzburg
Vorgänger und Nachfolger: Friedhelm Hofmann (links), emeritierter Bischof, und neuer Bischof Franz Jung mit dem Kiliansstab. Foto: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
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Zur Sicherheit gesperrt, weil in einem Wagen Sprengstoff vermutet wurde: Rastanlage Spessart-Süd. Foto: Ralf Hettler
Foto: Ralf Hettler
Hitzewelle: Schuften und Schwitzen
Andrea Fiedler, Postzustellerin in Aschaffenburg-Damm:
Andrea Fiedler, Postzustellerin in einem Bezirk in Aschaffenburg-Damm, zieht drei Flaschen Wasser aus ihrem Postkorb – was nicht die ganze Ration an diesem heißen Vormittag ist: »Ich habe einige ganz nette und liebe Kunden, die mir ein Wasser geben.« So kommt die ?51-Jährige auf ihrem Fahrrad gut durch ihre derzeit schweißtreibende Sechs-Stunden-Schicht: »Wir können nichts ändern. Genießen wir den Sommer.« Sie selbst ist auch in der Freizeit gern draußen, war vor Kurzem zu einem Wanderurlaub auf der Kanaren-Insel La Palma. Nur zu Hause in der Dachwohnung will Andrea Fiedler nicht schwitzen: »Wir haben eine Klimaanlage.«
Foto: Harald Schreiber
Großwallstadt: Endliche Sieg in der 2.Bundesliga
Resolute Härte prägt die Mehrzahl der Spiele in der 2. Handball-Bundesliga. Das bekam beim TV Großwallstadt auch Rückraumschütze Jan Winkler - wie hier gegen den HC Rhein Vikings - zu spüren.
Foto: Björn Friedrich
Vereidigung bayerisches Kabinett
12.11.2018, Bayern, München: Die Mitglieder des neuen bayerischen Kabinetts stehen im Prinz-Carl-Palais nach der Vereidigung für ein Gruppenfoto zusammen: Gerhard Eck (CSU, Reihe hinten, l-r), Staatssekretär im Staatsministerium für Inneres, Sport und Integration, Bernd Sibler (CSU), Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Albert Füracker (CSU), Staatsminister für Finanzen und Heimat, Thorsten Glauber (FW), Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Roland Weigert (FW), Staatssekretär im Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Carolina Trautner (CSU, mittlere Reihe, l-r), Staatssekretärin im Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Georg Eisenreich (CSU), Staatsminister für Justiz, Hans Reichhart (CSU), Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Florian Herrmann (CSU), Leiter der Staatskanzlei, Michael Piazolo (FW), Staatsminister für Unterricht und Kultus, Anna Stolz (FW), Staatssekretärin im Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Kerstin Schreyer (CSU, vordere Reihe l-r), Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Joachim Herrmann (CSU), Staatsminister für Inneres, Sport und Integration, Hubert Aiwanger (FW), stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Markus Söder (CSU), bayerischer Ministerpräsident, Melanie Huml (CSU), Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Michaela Kaniber (CSU), Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Judith Gerlach (CSU), Staatsministerium für Digitales. Foto: Tobias Hase/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Foto: Tobias Hase (dpa)
Geiselnahme Dinglerstraße
Am Donnerstagvormittag im Aschaffenburger Brentanoviertel: Ein 60-Jähriger bedroht zwei Frauen in einem Büro in der Dinglerstraße mit einer Pistole. Foto: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
Manche Momente dieses Jahres sind in ganz besonderer Erinnerung. Bei unseren Lesern wie auch bei uns. Wir haben schöne wie auch tragische Momente mit Ihnen geteilt, 365 Tage lang.

Januar: Eine Schneise der Verwüstung im Spessart

Das Jahr 2018 begann mit einem großen Knall – im wahrsten Wortsinn. Unbeschreiblich muss der Radau gewesen sein, als Sturm »Burglind« am Morgen des 3. Januars binnen Minuten Tausende Bäume umwarf und so zwischen Neuhütten und Lohr eine Schneise der Verwüstung in den Spessartwald schlug. Auf einer Länge von rund fünf Kilometern und einer Breite zwischen 100 und 300 Metern ließ ein Tornado kaum einen Baum stehen. Über Monate zogen sich die Aufräumarbeiten im Staatswald und im Lohrer Stadtwald hin. Rund 2500 Lastwagenladungen Holz mussten weggeschafft werden. Am Ende war die Erleichterung darüber groß, dass die gefährliche Arbeit ohne Unfall abgegangen war. Ohnehin zeigten sich die Förster recht gelassen in dem Bewusstsein, dass dort, wo der alte Wald verschwunden ist, neuer entstehen wird.
Johannes Ungemach

Februar: Die Odyssee der Hündin Rapunzel

Es war die tierische Sensation des Jahres: Schäferhündin Rapunzel büxte im August 2017 beim Alzenauer Tierarzt aus. Ein halbes Jahr später und 400 Kilometer weiter südlich wurde sie wiedergefunden: Schwer verletzt lag sie am Rand einer Züricher Autobahn. Zwei Rettungssanitäter entdeckten die achtjährige Hündin und retteten ihr Leben – obwohl sie in ihrem Rettungswagen gar keine Tiere hätten transportieren dürfen. Ab da standen Rapunzel und ihre Besitzer, die Familie Ehret-Väth aus Hösbach, im Mittelpunkt des Medieninteresses. Sogar die »New York Times« berichtete. Monate nach der Notoperation geht es Rapunzel wieder gut, sagt Jasmin Ehret-Väth: »Sie hinkt überhaupt nicht mehr und wird von uns verwöhnt.«
Julie Hofmann

März: Eichenzentrum und Jagdschloss

Im Spessart geht es 2018 in erster Linie um Gebäude. Ein Eichenzentrum im Hofgut Erlenfurt im Hafenlohrtal: Dafür macht sich CSU-Mann Peter Winter aus Waldaschaff (Kreis Aschaffenburg) stark. Im März nennt er im Gespräch mit der Redaktion Details: 2020 könnte das Zentrum öffnen. Es formiert sich Protest. Im Herbst gibt die Politik unter Auflagen grünes Licht für das Projekt. Nächstes Kapitel: Jagdschloss Luitpoldhöhe Rohrbrunn. Soll es die öffentliche Hand zurückkaufen? Es als Regentenmuseum nutzen? Oder als Tourismuszentrum? Noch ziemlich neblig ist es um das Projekt Aussichtsturm am Bischborner Hof. Mich beeindruckt, wie heftig sich die Spessarter um ihre Heimat kümmern.
Matthias Schwind

April: Millionenschaden und Stromausfälle

Erst brennt es am Ostersonntag in Stockstadt morgens bei der Papierfabrik Sappi, dann am Nachmittag bei der benachbarten Firma Sand Profile. Und zwar gewaltig. So gewaltig, dass 650 Feuerwehrleute im Einsatz sind, die 24 Stunden brauchen, um den Brand der Lagerhalle unter Kontrolle zu bekommen und die letzten Glutnester zu löschen. Der Geruch von verbranntem Gummi und Kunststoff liegt über dem Industriegebiet. Durch den Brand werden zwei Hochspannungsleitungen zerstört. Die Folge: stundenlange Stromausfälle insbesondere in Alzenau, Kahl und Karlstein. Tage später die Erkenntnis: Ein Ex-Mitarbeiter hat den Brand gelegt und einen Schaden von 6,5 Millionen Euro verursacht.
Thomas Giegerich

Mai: Tatort Hasenkopf:Urteil nach 30 Jahren

Ein Angeklagter, der nur leise Worte über die Lippen bringt, ein Opfer, das mit Fassung das Unfassbare laut ausspricht: 30 Jahre haben Jürgen R. und Ursula B. mit dem Wissen um den ungestraften Mordversuch im Januar 1988 auf dem Hasenkopf-Berg in Aschaffenburg gelebt. Der Prozess am Landgericht bewegt die Zuhörer dann auf ganz unterschiedlichen Ebenen: Anteilnahme an den Qualen, die B. ertragen musste. Staunen über den Fortschritt im Bereich DNA, der zu R.s Verhaftung führte. Respekt für die sachliche Atmosphäre im Gerichtscontainer. Lebenslang lautet das Urteil, das zumindest die juristische Aufarbeitung abschließen soll. Rechtskräftig war es bis Redaktionsschluss noch nicht.
Nina Lenhardt

Juni: Großes Kino im Würzburger Dom

Ganz ehrlich? Ich bin kein großer Kirchgänger. Und ich bin in Partenstein (Main-Spessart-Kreis) aufgewachsen. Das Spessartdorf war mal eine SPD-Hochburg und sehr evangelisch. Das hat mich geprägt. Das macht es besonders spannend, dass ich als Reporter zusammen mit Kollegen das Bistum Würzburg redaktionell betreue. Im Juni war ich bei der Bischofsweihe, und muss eingestehen: Das war ganz großes Kino – unabhängig davon, ob man die sehr traditionellen Ansichten von  Bischof Franz Jung zur Rolle der Frau und zum Zölibat nun teilt oder nicht. Weihrauchschwaden, festliche Musik und alte Rituale. Was ein Auftrieb! Da hat mich die katholische Kirche beeindruckt und berührt.
André Breitenbach

Juli: Europäischer Fall,Festnahme in Region

Weibersbrunn-Rohrbrunn? Kennt man jetzt auch in Teheran, Wien und Brüssel. Denn auf der A 3 im Kreis Aschaffenburg schnappte die Polizei einen iranischen Diplomaten, der in Österreich stationiert war und gegen den ein belgischer Haftbefehl vorlag. Der 46-Jährige soll ein Attentat auf eine Konferenz oppositioneller Iraner in Frankreich vorbereitet und Komplizen in Luxemburg Sprengstoff übergeben haben. Der Bombenanschlag ist vereitelt, der Diplomatenstatus ist dahin, das Verfahren in Brüssel läuft noch.
Die Geschichte spielt in ganz Europa – und ist ein Beispiel dafür, dass die Terroridee keine (Landes-) Grenzen kennt. Die Ermittlerarbeit aber auch nicht. Und das ist doch Wissen, das beruhigt.
Nina Lenhardt

August: Die Staus des Baustellensommers

Wenn Fernverkehrkolonnen von einer der meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands über die Hauptstraße eines 6500-Einwohner-Ortes umgeleitet werden – die zwar Bundesstraße heißt, doch Dorfstraße ist: Dann kann das nicht gut gehen. Der wochenlange Dauerstau in Hösbach, ausgelöst ab Mitte August durch Bauarbeiten in der A 3-Einhausung, war selbst für die an viel Verkehr gewöhnten Hösbacher der blanke Horror. Als ich auf dem Gehweg für eine Reportage Anwohner befragte, donnerten hinter meinem Rücken tonnenschwere Lastzüge vorbei; für Gespräche verkrochen wir uns in Hinterhöfe. Künftig sollen ähnliche Baustellen besser geplant werden – und die alte Debatte über eine Entlastungsstraße ist wieder entbrannt. Doch dass vielleicht nicht neue Straßen, sondern sicher ein grundsätzliches Umdenken her muss – das zeigten mir, der als Auto-Pendler selbst Teil des Problems ist, die vielen Staus in der Region, über die wir im Baustellensommer noch berichteten: Zwischen Kleinostheim und Karlstein war die B 8 dicht, die Sanierung des Aschaffenburger Südrings wurde zur Belastungsprobe für die Innenstadt.
Jens Raab

September: Traumsommer mit Kehrseiten

Ein weiteres Jahr der Wetterrekorde, was Schlimmes ahnen lässt. Was wird zum Beispiel aus unserem Wald, falls das mit der trocken-heißen Witterung so weitergeht? Werden die Förster von Dürre und Hitze überrollt, weil sie beim klimabedingten Waldumbau gar nicht so schnell reagieren können, wie es nötig wäre?
Es war ein Traumsommer, der bis in den Oktober dauerte. Aber mit Kehrseiten: Wassermangel, Ernteausfälle, Waldbrandgefahr. Von Februar bis November viel zu wenig Niederschlag, laut »Dürremonitor« herrschte im Mainviereck eine außergewöhnliche Trockenheit. Erst im Dezember wieder Regen. Die Wasserdefizite der vergangenen Monate und Jahre sind damit aber längst nicht ausgeglichen.
Heinz Scheid

Oktober: Gegen Wikinger Bann gebrochen¶

31:23: Dieses Endergebnis prangt am ersten Mittwoch im Oktober auf der elektronischen Anzeigentafel in der Elsenfelder Untermainhalle. Die allermeisten der 1897 Zuschauer sind erleichtert, hat doch der TV Großwallstadt in fünf Spielen zuvor gerade mal zwei Pünktchen eingesammelt. Mit dem Erfolg über den HC Rhein Vikings scheint der Traditionsclub endlich in der 2. Handball-Bundesliga angekommen zu sein. Zur Halbzeit hat das Team von Trainer Florian Bauer mit 15:11 Toren geführt. Diesen Vorsprung baut die Mannschaft um Routinier Michael Spatz bis zum Abpfiff auf acht Treffer aus. Das aber gelingt zu selten in der Vorrunde, so dass die Blau-Weißen zum Jahresende tief im Abstiegssumpf stecken.
Manfred Weiß

November: Das neue Kabinett – Die Region inklusive

Des einen Leid, der andren Freud': Dass der Aschaffenburger Jurist Winfried Bausback nach fünf Jahren allgemein und auch von politischen Gegnern positiv bewerteter Amtszeit als Bayerns Justizminister nicht weitermachen durfte, überraschte dann doch – gleichwohl es spätestens mit der absehbaren Koalitio n der CSU mit den Freien Wählern über Tage hinweg Spekulationen über die Besetzung des Kabinetts und damit auch über Bausbacks politische Zukunft gegeben hatte. Aber Nachfolger im Amt Georg Eisenreich ist nun mal ein ausgemachter Söder-Getreuer und Oberbayer zudem: Kabinettsbildungen in Bayern sind eine Gratwanderung, bei der freistaatliche Regionen und innerparteiliche Seilschaften exakt ausbalanciert werden müssen.Unterfrankens Gesicht in diesem Kabinett ist nun das von Judith Gerlach, der Stimmkreisabgeordneten von Aschaffenburg-Ost: Die 33 Jahre alte Juristin ist seit 12. November Bayerns erste  bayerische Staatsministerin für Digitales – ein Amt als Chance: Die Strukturen kann Judith Gerlach selbst aufbauen. Stefan Reis

Dezember: Geiselnahme, Mord, und Busunfall

Eine Geiselnahme, ein Unfall mit einem Reisebus, ein Vater unter Verdacht, die Tochter ermordet zu haben. Innerhalb kurzer Zeit gibt es eine ungewohnte Dichte an dramatischem Geschehen in der Region. »Der Tag war aufwühlend«, schreiben wir einmal aus der Redaktion heraus in einem Whatsapp-Newsletter. Auch uns haben die Ereignisse bewegt: jenseits der objektiven Berichterstattung, die unsere wichtigste Aufgabe ist. Bei der Geiselnahme haben wir in einem Blog informiert, um Sie live auf dem Laufenden zu halten und auch zu entwarnen. Es gab keine Gefahr für die Bevölkerung in Aschaffenburg; und auch die bedrohten Frauen im Büro der Aschaffenburger Wohnbau blieben körperlich unversehrt.
Manuela Klebing

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