Ziel: Luitpoldhöhe im Jahr 2021 öffnen

Spessart:Runder Tisch hat über die Zukunft des Jagdschlosses in Rohrbrunn diskutiert - Verein Kulturerbe dabei

Weibersbrunn
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Jagdschloss Luitpoldhöhe in Rohrbrunn: An einem runden Tisch wurde jetzt über dessen Zukunft diskutiert. Ziel ist es, das Schlösschen im Jahr 2021 der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Foto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich
Ab so­fort am Kon­zept ar­bei­ten, bis Mit­te 2020 ent­schei­den - und wenn die Ent­schei­dung mit »Ja« aus­fällt«, das Jagd­sch­loss in Wei­bers­brunn-Rohr­brunn (Kreis Aschaf­fen­burg) im Jahr 2021 für die Men­schen öff­nen.

So könnte die Zukunft des Schlösschens aussehen, wie am Mittwoch in Weibersbrunn auf einer Pressekonferenz nach einem runden Tisch deutlich wurde.

Geladen dazu hatte Weibersbrunns Bürgermeister Walter Schreck. Mit dabei: Staatsminister a. D. Eberhard Sinner (CSU) aus Lohr, Peter Winter aus Waldaschaff, Ex-Landtagsabgeordneter (CSU) und Vorsitzender des Vereins »Wir im Spessart«, und Andreas Hänel vom Vorstand des Vereins Kulturerbe Bayern.

Hintergrund: Das Jagdschloss bei Rohrbrunn war Sitz des Prinzregenten Luitpold (1821 - 1912), wenn er zur Sauenjagd im Spessart weilte, was er mehr als 50 Jahre lang tat. Nach Luitpolds Tod nutzte die Forstpartie das Schloss - bis 1996; anschließend stand es bis 2011 leer und verfiel allmählich. 2011 verkaufte der Freistaat Bayern das Gebäude an privat. Das wurde in der Region stark kritisiert, nicht zuletzt von den CSU-Männern Sinner und Winter.

In jüngster Zeit wurde deutlich, dass die Eigentümerfamilie das sanierte und bewohnte Jagdschloss verkaufen will. Wie Sinner am Mittwoch mitteilte, seien die Eigentümer bereit, das Bauwerk im Jahr 2021 zu veräußern. Eine Summe sei nicht genannt worden. Bisher war die Rede von 1,5 Millionen Euro, die die Eigentümer in Kauf und Renovierung gesteckt haben.

Am runden Tisch, so Sinner, sei es darum gegangen zu sondieren, was man aus dem Schlösschen machen kann und wer sich daran beteiligt, ein Konzept zu entwickeln. Alle Teilnehmer hätten signalisiert, dass sie mitmachen. Er habe zudem das Finanz- und das Wissenschaftsministerium über die neue Entwicklung informiert. Auch von dort sei Unterstützung angeboten worden.

Sinner erinnerte an die Machbarkeitsstudie für das Schloss aus dem Jahr 2001. Damals ging es - zusammengefasst - um ein Museum für den Prinzregenten Luitpold plus Infoangebot über den Tourismus im Spessart.

Diese Studie könne nun als Basis für ein neues Konzept dienen, hieß es in der Runde. Es gehe nicht um ein klassisches Museum; vorstellbar sei, in dem Schloss das Trauzimmer der Gemeinde Weibersbrunn unterzubringen und eine Anlaufstelle der hiesigen Tourismus-Organisationen zu schaffen. Schwerpunkt soll aber die Kulturgeschichte des Spessarts sein, das Wittelsbacher Kulturerbe der Region in Verbindung mit dem Prinzregenten, betonte Sinner.

Er verwies darauf, dass im Jahr 2021 der 200. Geburtstag Luitpolds gefeiert werde. »Da bekommt der Regent landesweit Aufmerksamkeit.« In diesem Jahr das Rohrbrunner Schloss für die Spessarter zu öffnen, sei das Ziel.

Sinner machte noch einmal klar, dass der Freistaat Bayern nicht bereit sei, das Schloss zurückzukaufen. Kontakt hat Sinner mittlerweile zum Verein Kulturerbe Bayern geknüpft, vertreten am Mittwoch durch Vorstandsmitglied Hänel. Der Verein, zu dem auch eine Stiftung gehört, wird »wertvolle historische Gebäude ? in Bayern in sein Eigentum übernehmen, mit geeigneten Maßnahmen erhalten und mit lebendigen und tragfähigen Nutzungskonzepten dauerhaft sichern«, schreibt Kulturerbe Bayern in einer Mitteilung. Man ist also Käufer und späterer Betreiber.

Hänel sagte, sein 2015 gegründeter Verein sei dabei, das erste Projekt zu verwirklichen; dabei gehe es um ein Gebäude in Rothenburg ob der Tauber, finanziert durch Spenden. Am Spessarter Jagdschloss habe sein Verein »grundsätzlich Interesse«. Am runden Tisch sei »sehr konstruktiv und produktiv« diskutiert worden. Aber: Man sei »noch weit weg von einer Entscheidung. Das Konzept muss erst konkret werden«.

Unterstützer finden

Es sei wichtig, so Hänel, vor Ort Unterstützer zu finden, etwa einen Freundeskreis fürs Jagdschloss zu gründen. Die Finanzierung von Kauf und Instandsetzung des Schlosses zum Beispiel durch die Stiftung und Spenden sei das eine, eine langfristige Nutzung zu bezahlen das andere. »Das muss sich tragen. Eine reine museale Nutzung trägt sich auf Dauer nicht.« Man brauche etwa Veranstaltungen im Schloss oder Gastronomie.

Peter Winter betonte »den besonderen Stellenwert des Prinzregenten im Spessart«: Luitpold regierte Bayern von 1886 bis 1912; niemand war vor ihm und bisher auch niemand nach ihm länger an der Regierung - weder im Königreich noch im Freistaat Bayern. Durch seinen Geburtsort Würzburg gelte Luitpold als »der fränkische Wittelsbacher«. Während dessen Jagdzeiten sei Bayern vom Rohrbrunner Schlösschen aus regiert worden.

Winter, ehemaliger Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Landtags, sagte, für die Finanzierung des Jagdschlosses gebe es durchaus Fonds und Staatsmittel. Ein wichtiger Punkt sei natürlich der Unterhalt. Ohne ehrenamtlich Aktive sei das Projekt nicht zu stemmen. Im nächsten Schritt gehe es jetzt darum, mit der Autobahndirektion zu klären, wie das Schloss an die Tank- und Rastanlage der nahen Autobahn 3 angebunden werden kann. Dann soll es weitere Treffen geben.

Im Spessart geht es neben dem Jagdschloss noch um zwei weitere Projekte: Im Hafenlohrtal wird der Freistaat ein Eichenzentrum einrichten, am Bischborner Hof soll ein Walderlebniszentrum mit Aussichtsturm entstehen. Die Ideen zum Jagdschloss, so Weibersbrunns Bürgermeister Schreck, stünden dazu nicht in Konkurrenz.

Hintergrund

» Im Jahr 2021 bekommt Prinzregent Ludwig landesweit Aufmerksamkeit. «

Eberhard Sinner,Staatsminister a. D.

Hintergrund

» Wir haben grundsätzlich

Interesse am Jagdschloss. «

Andreas Hänel,Verein Kulturerbe Bayern

Stichwort: Runder Tisch zum Jagdschloss Rohrbrunn

Am runden Tisch zur Zukunft des Jagdschlosses Luitpoldhöhe haben teilgenommen: Staatsminister a. D. Eberhard Sinner, Verein »Wir im Spessart«, Gemeinde Weibersbrunn, Spessartbund, Archäologisches Spessartprojekt, Tourismusverband Spessart-Mainland, Landesamt für Denkmalpflege, Frankenbund, Verein Kulturerbe Bayern, Landesstelle nichtstaatlicher Museen, Verein Naturpark Spessart, Eigentümer des Schlosses.

Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und der Verein »Freunde des Spessarts« waren nicht eingeladen. Sinner sagte, das hänge damit zusammen, dass diese Organisationen den Rückkauf des Jagdschlosses durch den Freistaat befürwortet hätten, was dieser abgelehnt habe. Es sei aber möglich, den Teilnehmerkreis zu erweitern.

Zum Jagdschloss: Der Prinzregent ließ es 1889 errichten. Nach Angaben der Eigentümerfamilie hat es 19 Zimmer, verteilt auf drei Stockwerke. Wohnfläche: 480 Quadratmeter. Das Gelände ist 33 000 Quadratmeter groß. ()

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