»Wir alle trommeln Leute zusammen«

Regionalmanagement: Drei Strategen über Apfelmärkte, spanische Lehrlinge und Geld, das auch mal vergebens fließt

Aschaffenburg
3 Min.

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Die Untermain-Familienfreizeitkarte, herausgegeben vom Regionalmanagement, liegt ihnen zu Füßen: Markus Lemberger, Daniela Wagner und Markus Seibel (von links).
Foto: Harald Schreiber
Sie al­le ha­ben das Ziel, ih­re Hei­mat vor­an­zu­brin­gen. »Re­gio­nal­ma­na­ge­ment« heißt die­se Auf­ga­be heu­te, und sie geht weit über die Or­ga­ni­sa­ti­on von Ap­fel­märk­ten und Ge­nuss­ta­gen hin­aus. In Aschaf­fen­burg ha­ben die baye­ri­schen Re­gio­nal­ma­na­ger am Don­ners­tag ge­tagt.
Claus Morhart fragte ihren Sprecher Markus Lemberger (38) aus Cham, seine Vertreterin Daniela Wehner (32) aus Neumarkt und Gastgeber Markus Seibel (45) von der Initiative Bayerischer Untermain, was die Bürger von ihrer Arbeit haben.

Sie bilden ein Netzwerk, müssten aber eigentlich Konkurrenten um die Ansiedlung von Unternehmen sein.
Markus Lemberger: Die Zeiten sind lange vorbei, in denen Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung Firmen akquiriert haben. Wir müssen mit dem Bestand arbeiten und die einheimischen Unternehmen in die Lage versetzen, wachsen zu können.
Daniela Wehner: Die Regionalmanagement-Gesellschaften sind ganz unterschiedlich aufgebaut. Bei den einen steht die Wirtschaft im Vordergrund, andere sind tourismuslastig, etwa in Oberbayern. Manche wie wir sind GmbHs, andere sind Vereine oder Teile der Landkreisverwaltung.

Was verbindet dann die Regionalmanagement-Institutionen?
Markus Seibel: Die Methode. Wir alle trommeln Leute zusammen und entwickeln gemeinsame Ideen, die einen Beitrag zur regionalen Entwicklung leisten sollen.
Wehner: Und wir helfen den Akteuren und treiben Prozesse voran.

Sind Sie alle ähnlich stark mit Geld ausgestattet?
Lemberger: Das ist ganz unterschiedlich. Das kommt auf die Organisationsform an. Wir in Cham sind beispielsweise eine Behörde des Landratsamts.
Seibel: Bei uns ist es so, dass jede der drei Gebietskörperschaften Stadt und Kreis Aschaffenburg und Kreis Miltenberg uns 60 000 Euro an Personal- und Sachkosten gibt. Ein gewisser Anteil davon geht aber weiter nach Rhein-Main, weil wir dort Gesellschafter oder Mitglied in verschiedenen Institutionen sind. Dazu kommen projektbezogene Unterstützungen und Sponsorengelder. In vielen Fällen sind Regionalmanagements aber auch Institutionen, die oft von anderswo Geld herholen, beispielsweise die Leader-Mittel für ländliche Regionalentwicklung. Es gibt also so etwas wie einen Multiplikatoreffekt durch die Arbeit des Regionalmanagements.

Freuen Sie sich, dass es jetzt für Sie ein bayerisches Heimatministerium als Ansprechpartner gibt?
Lemberger: Es ist eine gute Botschaft, dass das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in der bayerischen Verfassung steht und dass man ressorttechnisch dem Ganzen einen Namen gibt. Unsere Erwartung ist, dass wir dort Ansprechpartner finden, die unsere Anliegen für sämtliche Ministerien bündeln.
Herr Seibel, erzählen Sie mal Familie Schmidt aus Aschaffenburg-Damm, was bei der Initiative Bayerischer Untermain konkret für sie herausspringt.
Seibel: Unsere Arbeit kommt nicht immer direkt beim Endkunden, dem Bürger, erkennbar an. Oft arbeiten wir im Hintergrund, bringen Leute für Projekte zusammen, die dann von anderen ausgeführt werden. Es muss nicht immer »Initiative Bayerischer Untermain« draufstehen. Wichtig ist, dass etwas passiert und dass bei den entscheidenden Leuten bekannt ist, dass es uns als Institution gibt. Aber wir haben tatsächlich Projekte, die Familie Müller mitbekommt: die Familienmesse beispielsweise oder den Apfelmarkt als Schaufenster für das Thema Erhalt der Streuobstwiesen. Auch die regionalen Genusstage gehen in diese Richtung.

Herr Lemberger, nun erklären Sie Ihrem Chamer Unternehmer Maier, was er von Ihrer Arbeit hat.
Lemberger: Wir versuchen, spanische Auszubildende zu holen, weil wir eine jährliche Lücke von 500 unbesetzten Ausbildungsplätzen haben. Dazu gibt's Ausbildungsplatzbörsen, bei denen wir 5000 Schüler zu Messen fahren. Beim Thema Qualifizierung versuchen wir, europäische Mittel etwa für Sprachkurse zu bekommen. Unser Kreis grenzt ja an Tschechien. Auch die Breitbandförderung liegt bei uns.
Wehner: Wir sind sehr aktiv im Bereich Städtebau und Dorferneuerung, etwa in den Bereichen Flächenmanagement und neue Wohnformen. Wir unterstützen auch Ideen ganz unterschiedlicher Initiativen - egal, ob Obst- und Gartenbauverein, Jugendring, ein Tourismusprojekt oder eine Trocknungsgenossenschaft von Landwirten auf uns zukommen. Wir schauen dann, mit welchem Förderprogramm wir die Maßnahme umsetzen können.

Das Regionalmanagement hat eher weiche Ziele. Da ist die Erfolgskontrolle schwer, und manchmal wird wohl auch Geld in den Sand gesetzt.
Lemberger: Das gibt's. Diese Dinge macht man einmal, und dann haben wir daraus gelernt. Andere Projekte entwickeln sich dafür wider Erwarten positiv.

Müssen Sie sich für Ihre Arbeit gegenüber den Entscheidungsträgern noch rechtfertigen?
Lemberger: In den Regionen, die ich kenne, sind wir anerkannt. Da gibt's fast keine Diskussion mehr. Jeder Mandatsträger sieht allein durch die Öffentlichkeitsarbeit, was wir tun. Wenn wir 5000 Schüler und damit 10 000 Eltern erreichen, stellt sich kein Mandatsträger mehr hin und fragt, was machen die eigentlich alle den ganzen Tag.
Seibel: Auch politische Wechsel wie jetzt im Landratsamt Miltenberg schaden dieser regionalen Zusammenarbeit gar nicht. Wir sind fest etabliert, es gibt einen engen Schulterschluss der Entscheidungsträger.
Wehner: Auch auf höherer Ebene, für Bezirksregierungen und Ministerien, sind wir ein ganz wichtiger Partner. Die wissen, dass es mit uns jemanden gibt, der Programme auf kurzem Wege umsetzen kann.
Seibel: Inzwischen sind viele Institutionen und viele Fördertöpfe auf dem Markt. Wir wollen hier viel stärker koordinierend wirken.
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