Wenn Jäger den Falschen treffen

Fatale Fehlschüsse: Jäger sprechen von seltenen Ausnahmen, Tierschützer sehen das anders

BAD NAUHEIM/GENSINGEN
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Eine Statistik darüber, wie oft Jäger versehentlich die falschen Tiere oder sogar Menschen treffen, gibt es nicht. Foto: Friso Gentsch/dpa
Foto: Friso Gentsch
Jä­ger er­schie­ßen nicht nur Wild­tie­re - manch­mal ver­let­zen sie mit ih­ren Waf­fen auch an­de­re Tie­re und so­gar Men­schen töd­lich.

So wurde dieses Jahr ein Jäger wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, nachdem er im Herbst 2018 bei einer Treibjagd im Kreis Bad Kreuznach versehentlich eine Frau erschossen hatte. In Mittelhessen traf bei einer Jagd vor einigen Jahren eine Kugel einen Jagdhund tödlich, im vergangenen Sommer erschoss ein Jäger im Hochtaunuskreis nachts ein Pferd auf der Koppel - er hatte es für ein Wildschwein gehalten.

Statistiken liegen nicht vor

Wie oft Jäger solche fatalen Fehlschüsse abgeben, ist nicht bekannt. Eine entsprechende Statistik gibt es nicht, die Jäger sprechen von sehr seltenen Ausnahmen. Lea Schmitz vom Tierschutzbund in Bonn sieht das anders. »Nach unserer Erfahrung kommt es häufiger vor«, sagt sie und verweist auf mehrere Presseartikel aus den vergangenen Jahren, in denen unter anderem von versehentlich an- und erschossenen Menschen und Pferden berichtet wird.

Der Durchschnittsjäger sei männlich und im fortgeschrittenen Alter, eine obere Altersgrenze gebe es für sie nicht. Bei der Jägerprüfung müssen stehende und bewegliche Ziele getroffen werden, anschließend wird die Schießfertigkeit nicht mehr überprüft. Für die Teilnahme an Bewegungsjagden muss vorher lediglich an einem Übungsschießen mitgemacht werden. »Diese Teilnahme sagt aber nichts über die Schießfertigkeit aus«, so Schmitz. Auch für die Verlängerung des Jagdscheins muss nicht der sichere Umgang mit Waffen nachgewiesen werden.

»Die Landesjagdverbände sowie der Deutsche Jagdverband weisen immer wieder auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften hin«, antwortet Till Krauhausen vom Landesjagdverband Hessen in Bad Nauheim auf die Frage nach entsprechenden Vorsorgemaßnahmen. Insbesondere der Umgang mit der Waffe sei ein wichtiger Bestandteil sowohl der Ausbildung als auch der Jägerprüfung - dort führten Fehler etwa in der Waffenhandhabung sogar zum Ausschluss. Der rheinland-pfälzische Jagdverband in Gensingen verweist auf Seminare sowie auf Schießstände, in denen die Jäger üben könnten. Sicherheit auf der Jagd habe »den höchsten Stellenwert«.

Schießen dürfen Jäger nicht nur auf Wildtiere, sondern auch auf Katzen und Hunde, wenn sie diese beim Jagen erwischen und weitere Umstände wie eine Mindestentfernung zur nächsten Ansiedlung vorliegen. Auch hier schweigt die Statistik, für erschossene Haustiere gibt es keine Meldepflicht. »Die gesetzlichen Anforderungen sind so hoch, dass es in der Praxis so gut wie nicht möglich ist, wildernde Katzen oder Hunde zu töten«, sagt der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz. Der Verband in Hessen berichtet ebenfalls von »sehr strengen Vorgaben«, aber auch von zwei Hunden und 128 Katzen, die laut Streckenliste im Jagdjahr 2020/21 von Jägern getötet worden seien.

»Höhere Dunkelziffer«

Mike Ruckelshaus von der Tierschutzorganisation Tasso in Sulzbach hält beide Aussagen für unrealistisch. Die hessische Streckenliste beruhe lediglich auf freiwilligen Angaben und sei daher wertlos, sagt er. »Es ist von einer weitaus höheren Dunkelziffer auszugehen.«

Geschätzt werde eine Zahl von Zehntausenden Katzen und etwa Tausend Hunden, die jährlich den Jägern bundesweit zum Opfer fielen, so Ruckelshaus. Dabei gebe es keine Beweise, dass diese Tiere eine nennenswerte Bedrohung für Wild seien.

Hintergrund: Abschuss von Hunden und Katzen

Nur in wenigen Bundesländern ist der Schuss auf Haustiere bislang verboten, darunter im Saarland. Eine Regelung, die nach der Meinung von Mike Ruckelshaus von der Tierschutzorganisation Tasso in Sulzbach in ganz Deutschland gelten sollte: »Wir fordern die Abschaffung des Abschusses von Hunden und Katzen durch Jäger, das ist ein Relikt aus der Feudalzeit.« (dpa)

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