Was tun bei Ärger mit Wildgänsen?

Tiere: Sie fressen Grünpflanzen auf Feldern und verdrecken Liegewiesen

FRANKFURT
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Die flau­schi­gen Kük­en sind ge­schlüpft und wu­seln zahl­reich ih­ren El­tern hin­ter­her. Was et­wa am Frank­fur­ter Mai­n­u­fer zur Zeit süß an­zu­se­hen ist, sorgt auch für viel Är­ger. Denn der Kot von Wild­gän­sen ver­sch­mutzt We­ge und Lie­ge­wie­sen, die Vö­gel kön­nen zu­dem gro­ße Schä­den im Acker­bau an­rich­ten.

In einem gerade zu Ende gegangenen Forschungsprojekt zu Wildgänsen im Werratal haben Biologen deshalb nach Wegen gesucht, wie Mensch und Tier miteinander auskommen können.

Das Werratal mit seinen zahlreichen Seen sei attraktiv für die Vögel, die tagsüber an Land fressen und nachts auf dem Wasser schlafen, wie Projektleiter und Biologe Johann David Lanz von der Universität Gießen erläutert. Im Winter seien bis zu 1400, im Sommer rund 500 Grau- und Nilgänse gezählt worden, wobei letztere in der Unterzahl seien. »Wildgänse nehmen europaweit zu und breiten sich aus«, sagt Lanz.

Abgesehen haben es die Gänse besonders auf Winterweizen, Zuckerrüben und Winterraps. Zur Lösung der Probleme seien Kommunen, Jäger, Landwirte und Naturschützer an einen Tisch gebracht worden. Die nun nach vier Jahren vorgelegten Ergebnisse sollen als Vorlage auch andernorts in Hessen dienen.

Als ein Mittel eingesetzt wurde bei dem Projekt die Jagd. So seien Gänse mittels Lockjagd in konzertierten Aktionen auf dem einen Feld gejagt und auf anderen Flächen geduldet worden, wie etwa Äcker, auf denen eigens ausgewählte Zwischenfrüchte angesät wurden. Dies habe funktioniert, sich aber auch als sehr aufwendig herausgestellt.

Vergrämungsschüsse helfen

Als effektiv erwiesen hätten sich Vergrämungsschüsse, sagt Lanz. Dabei werden einige aus einer Gruppe mit hunderten Vögeln getötet, um den übrigen zu signalisieren, dass sie sich besser an einem anderen Ort aufhalten. So seien in einem Fall auf einem Rapsfeld vier Vögel geschossen worden, der Rest der Gruppe sei daraufhin 40 Tage ferngeblieben. Nach ihrem erneuten Erscheinen seien drei Vögel getötet worden, danach hätten die übrigen Tiere das Feld gänzlich gemieden.

Für die Schüsse seien enge Grenzen definiert worden, in deren Rahmen künftig Landwirte einen Antrag auf eine solche Vergrämung stellen könnten. Dieses Vorgehen empfiehlt der Biologe auch im Kampf gegen die Verschmutzung von Badestellen durch Nilgänse. Zugleich müssten Flächen mitgedacht werden, auf denen sich die Tiere im Gegenzug aufhalten könnten.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Stadt Frankfurt in ihrem großen Ostpark. Eine Hecke soll den Gänsen dort den Blick auf den See versperren und sie so von der angrenzenden Liegewiese vertreiben. Die Tiere halten sich dort besonders gern in der Zeit der Mauser auf, in der sie nicht fliegen können. Den See brauchen sie als Fluchtmöglichkeit.

Der Sichtschutz erfülle seinen Zweck, die Zahl der Vögel dort zu reduzieren, erklärt das Umweltdezernat. Seit 2018 gibt es dazu ein Monitoring, knapp 500 Gänse wurden in dem Jahr auf der Wiese zur Spitzenzeit im Juni gezählt. Ein Minus von 60 Prozent bei der Nilgans sei bis vergangenes Jahr erreicht worden, bei den Kanadagänsen betrug es 23 Prozent, bei den Graugänsen bis zu 36 Prozent.

Gezeigt habe sich auch, dass bestimmte Pflanzen und Mähtermine Einfluss hätten. Zum »Gänsemanagement« gehöre auch der Hinweis an die Menschen im Ostpark, die Tiere nicht zu füttern.

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