Mittwoch, 05.08.2020
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Warum ich mich nicht mit der neuen Corona-Warn-App schützen kann

Gescheiterter Download

Aschaffenburg
Corona
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Die offizielle Corona-Warn-App kann ab sofort heruntergeladen werden.
Foto: Deutsche Presse-Agentur (DPA), Oliver Berg
Besitzen Sie ein iPhone 6 – kein 6s oder 6s plus, sondern 6 – und wollen die neue Corona-Warn-App des Robert-Koch-Institutes herunterladen? Vergessen Sie‘s.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die in jedem Jahr wie blöde dem neuen iPhone von Apple entgegenfiebern und es sofort am ersten Erscheinungstag kaufen wollen. Ich würde aber gerne zu den Menschen gehören, die sich am Dienstag die neue Corona-Warn-App des Robert-Koch-Institutes (RKI) auf ihr Smartphone installiert haben. Geht aber nicht, denn ich besitze ein iPhone 6.

In den Markt eingeführt hat der USA-Konzern Apple das Gerät im September 2014. Heißt: Mein Gerät steht kurz vor seinem sechsten Geburtstag – ein Alter, in dem für Mensch die Schulzeit beginnt. Für Informations-Technik bedeutet ein solches Alter heutzutage: Kurz vor scheintot. Spätestens seit dem gescheiterten Download-Versuch der RKI-App ist mir dies sonnenklar.

Zuvor hatte ich den Apple-App-Store angesteuert, die App gesucht und mit dem Installieren begonnen. Übersehen hatte ich dabei eine Klitzekleinigkeit: „Erfordert iOS 13.5 oder neuer“ steht im App-Store unter dem Punkt Informationen. Statt mir die erfolgreiche Installation zu verkünden, ploppte also die Meldung „Diese Applikation erfordert iOS 13.5 oder neuer“ auf meinem Smartphonedisplay auf. Jetzt dämmerte mir: Hatte ich nicht vor einiger Zeit gelesen, dass Apple iPhones der Modelle 6 und älter nur noch Aktualisierung des alten Betriebssystem 12 gönnt? Ja, hatte ich.

Pech für iPhone-6-Nutzer: Auf deren Geräten funktioniert die staatliche Corona-Warn-App nicht
Foto: Torsten Maier

Über 20 Prozent der verwendeten Smartphones in Deutschland sind iPhones, heißt es in entsprechenden Statistiken. Sie liegen damit im Rennen um den beliebtesten Hersteller auf Platz zwei. Das Betriebssystem iOS 13.5 hat Apple aber erst Ende Mai veröffentlicht. Auf nicht mal drei Prozent der iPhones läuft diese Version bislang, stimmen die von Global Statcounter bis Ende Mai erhobenen Zahlen für Deutschland. Laut der Uni Düsseldorf liefert Global Statcounter kostenlos Zugriffsstatistiken. Allein die Betriebssystem-Version 12.4 sollen demzufolge noch auf über neun Prozent der Geräte hierzulande schlummern – vermutlich stammt eine Vielzahl dieser Geräte von den Modellreihen 6 und älter.

Die beliebteste Smartphone-Marke in Deutschland ist Samsung mit über 40 Prozent Verbreitung. Unter anderem auf Samsung-Geräten läuft das Betriebssystem Android. Ab der Version 6.0 funktioniert die Corona-Warn-App des RKI. Veröffentlicht wurde die Version 6.0 im Oktober 2015. Inzwischen steht die Version 11 kurz vor der Veröffentlichung. Zwar nur auf etwas über vier Prozent der in Deutschland benutzen Android-Handys laufen laut Global Statcounter noch Betriebssysteme unter 6.0. Aber immerhin sind es vier Prozent.

Warum Hersteller ihre älteren Modelle irgendwann nicht mehr mit den neuesten Betriebssystemen versorgen? Neben der technischen Weiterentwicklung wird ein Grund sein, die Nutzer zu bewegen, sich neuere Geräte zu kaufen. Stellen Hersteller die Aktualisierung älterer Geräte ein, drohen den Nutzern gefährliche Sicherheitslücken.

Die staatliche Corona-Warn-App, benutzt von vielen Bürgern, kann ein wichtiger Baustein zum Schutz vor dem heimtückischen Corona-Virus werden. Nicht selten geben Kinder ihre abgelegten Smartphones an ihre Eltern oder Großeltern weiter. Gerade für Menschen der Corona-Risiko-Gruppe, Seniorinnen und Senioren, könnte die Corona-Warn-App auch dadurch unerreichbar bleiben. So gut die App – auch wegen der Berücksichtigung des Datenschutzes – ist: Durchdacht haben deren Entwickler sie nicht, wenn die von ihnen programmierte Technik einen Teil der Smartphonenutzer rundweg ausschließt.

Torsten Maier

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