Vor allem Senioren zahlen noch gerne bar

Zahlungsverkehr: Viele Banken verlangen inzwischen Gebühren für Münzrollen - HDE-Kreisvorsitzender verweist auf Anonymität

WÜRZBURG
3 Min.

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Vor allem älteren Menschen ist es lieber, Bargeld abzuheben, statt überall mit Karte zu zahlen. Foto: Marijan Murat (dpa)
Foto: Marijan Murat
Das Bar­geld steht seit län­ge­rem zur Dis­kus­si­on. So ver­sucht die in­ter­na­tio­na­le »Bet­ter-than-Cash«-Al­lianz be­reits seit zehn Jah­ren, den Über­gang hin zu ei­ner di­gi­ta­len Zah­lungs­wei­se zu be­sch­leu­ni­gen. Das stößt aber bei vie­len Bür­ger in Un­ter­fran­ken nicht ge­ra­de auf Ge­gen­lie­be.

Auch Einzelhändler hängen nach wie vor an Münzen und Scheinen. Die Bargeldversorgung allerdings wird zunehmend problematischer. Darauf macht Ralf Ludewig, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands in Unterfranken (HDE), aufmerksam.

In Sachen »Cash« kommt der Modehändler aus Bad Kissingen den Wünschen seiner Kundinnen und Kunden entgegen. Nach wie wandern etliche Kleidungsstücke gegen bar über seinen Ladentisch. Viele Kunden zücken aber auch ihre EC-Karte. Einige zahlen via Handy. Andere mit ihrer Smartwatch. »Wir haben traditionell ältere Kunden, deshalb wird bei uns noch oft mit Bargeld bezahlt«, sagt Ludewig. Das schlägt inzwischen zu Buche. Und zwar deshalb, weil Banken für die Bargeldversorgung immer höhere Gebühren verlangen: »Im Gegensatz dazu sinken die Gebühren für den bargeldlosen Zahlungsverkehr.« Der Trend scheine hin zur Bargeldabschaffung zu gehen.

Für Bargeld, konkret für Münzrollen, zu zahlen, war Einzelhändlern bis vor kurzem fremd. Laut Ludewig änderte sich dies vor etwa zwei Jahren. Nun muss für jede Münzrolle gezahlt werden. Wieviel, hängt von der jeweiligen Bank ab. Die Preise schwanken derzeit zwischen 30 Cent und einem Euro pro Rolle. Wobei nicht jeder Händler unter steigenden Gebühren leidet. »Wir haben noch keinerlei Probleme, Engpässe oder Schwierigkeiten beim Rollengeld«, sagt Hubert Eckert vom Bauer-Markt in Elsenfeld. Der aktuelle Kontrakt mit der Hausbank schließe die kostengünstige Versorgung mit Münzgeldrollen ein.

Allerdings ist Eckert bekannt, dass Kollegen, aber auch Vereine schwer an Rollengeld kommen. Dies bestätigt Ralf Ludewig. Laut dem unterfränkischem HDE-Vorsitzenden gibt es in manchen Orten inzwischen weder einen Bankschalter noch einen Münzgeldautomaten. Mitunter müssten 15 Kilometer bis zur nächsten Bank gefahren werden.

Unter »extrem steigenden« Gebühren für Münzgeldrollen leidet auch Marco Schwarzkopf, Inhaber von »Sport und Outdoor Schädlich« in Aschaffenburg. Grundsätzliche beunruhige ihn, dass an der Abschaffung des Bargelds gearbeitet wird, so der Kreisvorsitzende des HDE. Marco Schwarzkopf hält »hundertprozentig« am Bargeld fest. »Was machen wir bei Stromausfall?«, fragt er. Am 23. Mai kam es denn auch zu einer flächendeckenden Störung bei »Telecash«. Ist Kartenzahlung unmöglich und kommt es gleichzeitig beim Rollengeld für die Barzahlung zu Engpässen, beeinträchtige dies die Abläufe in den betroffenen Betrieben stark, sagt dazu Hubert Eckert aus Elsenfeld.

Ein Blick in die jüngste Historie zeigt, wie wichtig es sein kann, über bares Geld zu verfügen. So wurden in Kanada die Konten protestierender Trucker eingefroren. Marco Schwarzkopf macht sich aber auch wegen des Datenschutzes Sorgen. »Wir brauchen keinen Überwachungsstaat mit Bonussystem, wie es in China inzwischen bargeldlos praktiziert wird«, so der Einzelhändler. Laut Peking-Korrespondent Fabian Kretschmer gibt es in China in der Tat Überlegungen, verurteilte Kriminelle mit dem Sperren ihres Pay-Accounts zu bestrafen.

Barzahlung nimmt ab

Laut einer Info des Bundesverbands HDE nahm die Barzahlung im Einzelhandel deutlich ab. 2006 zahlten noch zwei Drittel aller Kunden mit Münzen und Scheinen. Inzwischen sind es höchstens noch 40 Prozent. Hoch im Kurs steht Bargeld weiterhin bei Senioren. Das bestätigt Franz Josef Zöller aus Collenberg (Kreis Miltenberg). »Beim Tanken zahle ich mit EC-Karte, sonst überwiegend bar«, erklärt der 81-Jährige. Nur so habe er immer einen Überblick über seinen Geldbestand. Zöller hebt jede Woche einen festen Betrag ab. Mehr gibt er nicht aus: »Ist der Geldbeutel leer, ist er leer.«

Das Bargeld dürfe nicht sterben, fordert der CSUler. Bereits 2015 gehörte Zöller zu den Unterstützern eines Antrags zur Landesversammlung der Senioren-Union, der zum Widerstand gegen die Einführung eines bargeldlosen Finanzsystems aufrief. »Die immer größer werdende Datensammelwut der letzten Jahre hat gezeigt, wie wichtig der Schutz eines jeden Bürgers geworden ist«, heißt es in dem Antrag. Die Antragsteller warnten weiter, dass der Verzicht auf Bargeld zu einem Verlust der Anonymität führen würde. Damit verwiesen sie auf die digitale Spur, die elektronisches Geld zwangsläufig erzeugt. Diese Spur kann theoretisch noch nach Jahrzehnten eingesehen werden.

Dass nicht mehr jeder Einzelhändler ortsnah bei einer Bank vorbeigehen kann, um Bargeld abzuholen oder abzugeben, bestätigt die Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau. An einigen kleineren Standorten ohne Einzahlungsautomat seien die Kapazitäten für die Bargeldannahme begrenzt. Im Übrigen, so Vorstand Jürgen Schäfer, verursachten Bargeldgeschäfte für Banken hohe Kosten. Die entstünden zum Beispiel für die Belieferung mit sowie die Ablieferung von Bargeld an die Bundesbank. Auch das Befüllen und Leeren von Automaten durch den Dienstleister für Werttransporte kostet. Schließlich fielen Kosten für die Wartung der Automaten an.

Fester Bestandteil

Dennoch will die Sparkasse nicht vom Bargeld wegkommen. »Die Menschen in Deutschland schätzen Bargeld weiterhin als Zahlungsmittel und greifen gerade in Krisenzeiten auf Vertrautes zurück«, so Schäfer. Dieses Vertrauen dürfe nicht einfach in Frage gestellt werden. »Das Bargeld wird auch mit Sicherheit so schnell nicht abgeschafft werden«, beruhigt der Sparkassen-Vorstand. Auch wenn sich viele Menschen inzwischen ein Leben ohne Bargeld vorstellen könnten und immer mehr Kunden überwiegend bargeldlos bezahlen, bleibe Bargeld vorerst fester Bestandteil des Zahlungsverkehrs.

Hintergrund

» Beim Tanken zahle ich

mit EC-Karte,

sonst überwiegend bar. «

Franz Josef Zöller aus Collenberg

Stichwort: Bargeld

Bargeld ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel. Allein Bargeld ermöglicht die finanzielle Teilhabe aller Menschen, da auf diese Weise auch Bürger ohne Bankkonto Geldgeschäfte tätigen können. Bargeld bedeutet gleichzeitig Freiheit, da Banknoten und Münzen als einzige Form von Geld ohne Beteiligung eines Dritten aufbewahrt werden können. Aus der Tatsache, dass auf Euro lautende Münzen und Scheine das einzige gesetzliche Zahlungsmittel sind, leitet sich eine Annahmepflicht von Bargeld ab. (pat)

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