Toter durch Hygienemängel in Betrieb

Gesundheit: Probleme in einem hessischen Betrieb

GROSS-GERAU/WIESBADEN
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Auf dem Hof des hessischen Betriebs, aus dem die keimbelasteten Lebensmittel stammten. Foto: Sebastian Gollnow (dpa)
Foto: Sebastian Gollnow
Nach dem Ver­zehr keim­be­las­te­ter Le­bens­mit­tel aus ei­nem Be­trieb in Süd­hes­sen ist ein Mensch ge­s­tor­ben. Ins­ge­s­amt vier Men­schen er­krank­ten auf­grund ei­ner In­fek­ti­on mit Lis­te­rio­se, wie ei­ne Sp­re­che­rin des hes­si­schen Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­ri­ums auf An­fra­ge sag­te.

Ausgangspunkt sei ein Obst- und Gemüsebetrieb, der unter anderem Gurkenscheiben auslieferte. In einem Gutachten seien gravierende Hygienemängel festgestellt worden. Die Betroffenen infizierten sich zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 in Kliniken in Frankfurt und Offenbach.

Die Verantwortlichen im Landkreis Groß-Gerau sehen erhebliche Mängel bei den Kontrollen. Obwohl dieser Betrieb zwei Mal im Jahr hätte kontrolliert werden müssen, sei dies in Zeiten der Corona-Pandemie nicht passiert. »Das alles ist höchst belastend«, sagt Landrat Thomas Will (SPD). Die Kontrollen seien nicht zu akzeptieren, sagte der Gesundheitsdezernent des Kreises, Walter Astheimer (Grüne). Der betroffene Betrieb sei zwei Jahre lang nicht überprüft worden, die Produktion von Schnittware sei mittlerweile eingestellt.

Kenntnis am 10. Februar

Nach Angaben des für eine Task-Force zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt ist man über die Nachverfolgung der Lieferketten auf den Betrieb aufmerksam geworden. Bereits am 10. Februar habe man erstmals Kenntnis erhalten. Kurz darauf hätten Prüfer die Hygienemängel festgestellt. Dass der Fall erst zwei Monate später öffentlich wird, hat Will zufolge nichts mit Vertuschung zu tun. »Man wollte überhaupt nichts unter den Teppich kehren.« Es gebe genügend Fragen, die erst noch aufgearbeitet werden müssten. »Wir wissen noch nicht alle Details in diesem Fall.« Unabhängig von möglichen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen werde man weitere Konsequenzen prüfen.

Das Ministerium erklärte, es sei sofort gehandelt worden. Durch Ermittlungen nach dem Ausbruch hätten weitere Infektionen verhindert werden können. Der Betrieb wurde den Angaben zufolge im Februar geschlossen. In dem Gutachten der hessischen Lebensmittelsicherheit sei die Rede von Schimmel, Rattenkot und Pfützen. Das Unternehmen habe auch an Krankenhäuser geliefert, dort hätten sich mindestens zwei der Betroffenen infiziert. Listerien können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. »Wir gehen davon aus, dass es keine weiteren Fälle gibt«, sagte Will.

Klinik-Küchen einwandfrei

Eine Kreis-Sprecherin verwies auf die Corona-Pandemie, in der mehrere Lebensmittelkontrolleure und eine Amtstierärztin zeitweise für andere Aufgaben eingesetzt worden seien, etwa für die Kontaktnachverfolgung.

Das Regierungspräsidium wies darauf hin, dass die Ursache nicht in den Krankenhäusern zu suchen sei. Die Küchen dort seien in einem einwandfreien Zustand. Angaben zu den Infizierten wurden nicht gemacht. Ein weiterer dieser Patienten sei mittlerweile gestorben, allerdings nicht wegen der Hygienemängel.

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