Sorgenvoller Blick auf den Herbst

Hessen: Tourismusregionen freuen sich über aktuell gute Buchungszahlen - Strengere Regeln wegen steigender Corona-Zahlen befürchtet

WIESBADEN
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Auch in Frankfurt und Umgebung zeigt sich nach Aufhebung des Beherbergungsverbots ein positiver Trend. Stehpaddler und Ruderer sind vor der Skyline auf dem Main unterwegs. Allerdings sind ausländische Gäste nach wie vor zurückhaltend. Foto: Arne Dedert (dpa)
Foto: Deutsche Presse-Agentur (DPA), Arne Dedert

Mit den Lockerungen der Corona-Regeln hat in diesem Sommer der Tourismus in Hessen wieder Fahrt aufgenommen. Die Regionen melden durchweg eine gute bis sehr gute Buchungslage - mancherorts besser als im Vor-Corona-Jahr 2019. Aber in die Freude mischen sich auch Sorgen: Wie geht es im Spätsommer und Herbst weiter? Hoteliers und Gastwirte blicken mit bangen Gefühlen auf teils wieder steigende Inzidenzen und fürchten, dass strengere Corona-Regeln erneut Gäste abschrecken können.

Rhön: Aus den Betrieben in der Rhön gebe es »positive Rückmeldungen« was die Buchungen anbelangt, teilte ein Sprecher der Rhön GmbH mit. Da im Lockdown Beschäftigte abgewandert seien, ständen jedoch viele der Übernachtungs- und Gastronomiebetriebe aktuell vor der Herausforderung, mit knapper Personaldecke nicht alle Anfragen bedienen zu können. Die Corona-Regeln erforderten nach wie vor viel Erläuterungsbedarf gegenüber den Gästen.

»Erschwert wird die Situation dadurch, dass die Corona-Maßnahmen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind«, erläuterte der Sprecher. Die Rhön erstreckt sich über die Bundesländer Hessen, Thüringen und Bayern. »Auch bemerken wir ein zunehmendes Unverständnis beziehungsweise eine gewisse Müdigkeit beim Einhalten der einzelnen Vorgaben.«

Der Blick auf den Spätsommer und Herbst 2021 werde in der Rhön »von gemischten Gefühlen« begleitet. Die Betriebe sähen sich mit den Hygienekonzepten gut gerüstet. »Dennoch bleibt eine gewisse Besorgnis beim Blick auf die aktuell stetig steigenden Infektionszahlen.«

Westerwald: »Wir können sagen, dass die Betriebe mit den Buchungen sehr zufrieden sind - viele sind wirklich über den Sommer komplett ausgebucht«, teilte die Westerwald Touristik-Service mit. Die Corona-Hygienemaßnahmen seien schon 2020 umgesetzt worden, so dass die Betriebe gut vorbereitet in die Saison hätten gehen können. »Jeder hofft, dass wir im Herbst nicht von einer vierten Welle überrollt werden.«

Taunus: »Aus den Übernachtungsbetrieben erreichen uns die Rückmeldungen, dass die Nachfrage nach touristischen Übernachtungen vorhanden ist und auch das Geschäftsreisesegment langsam wieder wächst«, heißt es aus dem Taunus. »Insgesamt ist die Lage aber noch angespannt«, erklärte eine Sprecherin der Taunus Touristik Service. Campingplätze seien allerdings zum Teil ausgebucht. »Mit gemischten Gefühlen, aber überwiegend hoffnungsvoll« blickten die Betriebe auf den Herbst, teilte die Sprecherin mit.

»Positiv ist festzuhalten, dass die Menschen wieder reisen möchten und viele Deutschland als Reiseziel neu entdeckt haben.« Allerdings herrsche Unsicherheit, da der Tourismus- und Freizeitsektor in der Vergangenheit die Branche war, die zuerst von Schließungen betroffen war.

Rhein-Main: In Frankfurt und der umliegenden Region zeigt sich mit der Aufhebung des Beherbergungsverbots ein positiver Trend. Das teilte eine Sprecherin der Tourismus+Congress GmbH mit. »Die durchschnittliche Bettenauslastung bewegt sich zwischen 15 Prozent im Main-Taunus-Kreis und 37 Prozent im Wetteraukreis.« Nach wie vor blieben aber viele ausländische Gäste wegen der Reisebeschränkungen aus. »Die aktuell steigenden Übernachtungszahlen stimmen die Branche leicht optimistisch für die bevorstehende zweite Jahreshälfte«, sagte die Sprecherin.

Rheingau: So richtig zufrieden sei man nicht, teilte die Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH mit. Wegen der Corona-Regelungen etwa mit der Test-Pflicht bei Übernachtungen seien viele Gäste mit Buchungen sehr zurückhaltend gewesen. Große Veranstaltungen wurden abgesagt, das Event- und Tagungsgeschäft leide nach wie vor stark. »Insgesamt beschreiben die Betriebe das zweite Corona-Jahr als schwieriger als das erste«, hieß es. Dies liege etwa an strengeren Corona-Regeln und Personalmangel.

Spessart: Im Spessart sind die Unterkünfte während der Sommermonate nahezu ausgebucht, sowohl an den Wochenenden als auch unter der Woche, wie eine Sprecherin der Tourismus und Marketing GmbH mitteilte. Einige meldeten rund 20 Prozent mehr Umsatz als in der Vor-Pandemie-Sommersaison 2019. Die meisten Gäste akzeptierten alle Corona-Regeln, einige seien allerdings »diskutierfreudig«. Die Spessart-Betriebe blickten insgesamt recht skeptisch auf den Spätsommer und Herbst, »da die Erfahrungen und Unsicherheiten aus dem letzten Jahr noch nachklingen«. Bislang sähen die Buchungszahlen jedoch noch gut aus.

Odenwald: Das Buchungsaufkommen im Juli und August liegt auf Rekordniveau und übersteigt die Zahlen der Zeit vor der Corona-Pandemie deutlich, wie eine Sprecherin der Odenwald Tourismus GmbH mitteilte. »Teilweise haben die Familien ihren Jahresurlaub im Odenwald verbracht.« Auch für den September lägen die Buchungszahlen schon jetzt über dem Aufkommen von vor der Pandemie. Für Spätherbst und die Wintermonate seien die Gäste noch zurückhaltend. »Das Buchungsaufkommen für die Monate November und Dezember wird davon abhängen, ob angesichts der vierten Corona-Infektionswelle die beliebten Weihnachtsmärkte, vor allem in Michelstadt und Erbach, stattfinden können«, erläuterte die Sprecherin.

Lahntal: Seit der Öffnung der Betriebe ab Mai 2021 hat eine vorsichtige Erholung der Nachfrage eingesetzt, wie der Lahntal Tourismus Verband mitteilte. »Insbesondere Übernachtungen in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen sowie mit dem Wohnmobil sind stark nachgefragt.« Beliebt seien naturnahe Aktivthemen wie Wandern, Radwandern und Wasserwandern. Die Branche schaue mit gemischten Gefühlen auf den Spätsommer und Herbst. »Einerseits besteht die Hoffnung auf eine fortdauernde Öffnung im Rahmen der 3G-Regel. Steigende Inzidenzen führen jedoch zu wachsenden Unsicherheiten.«

Vogelsberg: »Ferienwohnungen mit gehobenem Standard sind in Anbetracht der Lage ganz zufrieden mit der Auslastung«, teilte die Vogelsberg Touristik mit. Manche Anbieter kleinerer Ferienwohnungen hätten sich dazu entschieden, dauerhaft zu vermieten, etwa an Monteure. Bei den Hotels sei die Lage gemischt: Die einen hätten vom Outdoor-Boom profitiert und ihre Wandersparte ausbauen können, während beispielsweise Tagungshotels erst langsam wieder in Schwung kämen.

»Das Jahr 2020 hat viele potenzielle Urlaubsgäste die Vorzüge und Qualitäten des Landurlaubs entdecken lassen«, teilte Vogelsberg Touristik weiter mit. »Auch wenn in absehbarer Zeit wieder entspannterer Fernreiseurlaub möglich sein wird, gehen wir davon aus, dass ein guter Teil dieser Menschen das neu Entdeckte auf dem Lande weiterhin genießen will«, ließ die Vogelsberg Touristik verlauten.

Edersee und Nordhessen: »Die Betriebe melden für die Sommerferien eine positive Bilanz und eine hohe Zufriedenheit«, teilte die Edersee Marketing GmbH mit. »Insbesondere während der hessischen Ferien waren kurzfristig keine freien Betten am See und in der Region Edersee zu bekommen.« Auch die Freizeit- und Wassersportbetriebe seien hoch zufrieden. »Nicht zuletzt hat auch der volle Edersee dazu beigetragen.« Auch für den Herbst gebe es eine hohe Nachfrage für das Reiseziel Edersee. »Allerdings beobachten die Betriebe mit Sorge die Entwicklung der Inzidenz.« Einen weiteren Lockdown würden sicher einige nicht noch einmal überbrücken können.

Eine Sprecherin der Grimmheimat Nordhessen sagte: »Die Betriebe blicken mit gebremstem Optimismus in die kommenden Monate.« Die Nachfrage- und Buchungslage sei noch gut bis sehr gut. »Aber die Unsicherheit, wie sich die Pandemie weiterentwickelt und welche Konsequenzen daraus folgen, lassen vorsichtig sein.«

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