Neues Schuljahr wird beginnen wie das alte endet: Mit Tests

Corona lässt die Schulen nicht in Ruhe

München
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Michael Piazolo
Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).
Foto: Ralf Müller
Das neue Schuljahr wird im kommenden September in Bayern beginnen wie derzeit das alte endet: Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie mit Masken- und Testpflicht, Abstands- und Lüftungsgebot und auch mit Luftreinigern, allerdings ohne Distanzunterricht.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zeigte sich am Freitag in München jedenfalls fest entschlossen, ins Schuljahr 2021/2022 ausnahmslos mit Präsenzunterricht einzusteigen. Um das auch in der erwarteten vierten Corona-Welle möglich zu machen, setzt Piazolo auf eine Neubewertung der bisher allein ausschlaggebenden Sieben-Tage-Inzidenzwerte: "Nur nach Inzidenzwerten zu sehen, ist inzwischen überholt."

Die Schulen in Bayern sind nach Einschätzung Piazolos "erfolgreich" durch das Corona-Jahr 2020/2021 gekommen. Das zeige der überdurchschnittlich gute Abiturdurchschnitt von 2,14 und soweit absehbar seien auch die Abschlüsse an anderen Schularten trotz des ständigen Wechsels von Präsenz- Wechsel- und Distanzunterricht gut ausgefallen, bilanzierte der Minister. Allerdings habe man sich an die selbst gesetzte Vorgabe, die Schulen als letzte zu schließen und als erste zu öffnen, nicht immer gehalten. "Das kritisiere ich auch", so Piazolo.

Während Piazolo die Leistungen der Schulverwaltung positiv bewertete, hagelte es von der Opposition, aber auch aus den Reihen der Regierungskoalition schlechte Noten. Grüne und SPD vergaben Noten zwischen noch ausreichend und mangelhaft wegen der aus ihrer Sicht unzureichenden Erfolge bei der Digitalisierung der Schulen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Peter Tomaschko verpasste Piazolo eine "Vier minus" wegen versäumter Vorgaben und Qualitätsstandards für den Distanzunterricht, der längst nicht überall funktioniert habe.

"Nicht zu stark auf Noten schauen"

Die Lehrer- und Erziehergewerkschaft GEW veröffentlichte eine von ihr selbst angestellten Umfrage unter 600 Lehrern aller Schularten, die auf einen Notendurchschnitt von 4,77 und damit "mangelhaft" hinauslief. Über 90 Prozent der Befragten seien der Ansicht, dass die Vorgaben zum Gesundheitsschutz an Schulen nur teilweise hilfreich waren, dass es zu wenig Unterstützung bei der Umsetzung von Hygienevorgaben gab und die Kriterien für Schulschließungen und -öffnungen nicht nachvollziehbar gewesen wären.

Die Fortschritte in der Digitalisierung könne man "so oder so" sehen, räumte Piazolo ein und warnte ganz allgemein davor, "zu stark auf Noten zu schauen". Auch verstehe er nicht, warum Lehrer Lehrer kritisierten. Die Digitalisierung der Schulen ist im Freistaat im letzten Jahr aus seiner Sicht gut vorangekommen. So gebe es inzwischen 50.000 digitale Klassenzimmer, 50.000 Lehrer-Dienst-Laptops, 650.000 digitale Endgeräte und bei den digitalen Fortbildungen habe man 175.000 Teilnehmer gezählt. Für das kommende Schuljahr würden 5.000 Lehrkräfte neu eingestellt, davon 1.100 zusätzlich, wie im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern vereinbart.

Vierte Welle wirft Schatten voraus

Ins neue Schuljahr werde man mit 155.000 Lehrern gehen - so viel wie noch nie in der Geschichte Bayerns. Bei der Frage nach der Unterrichtsversorgung formulierte der Kultusminister zurückhaltend, nachdem er in früheren Jahren mit der Ankündigung, vor jeder Klasse werde ein Lehrer stehen, massive Kritik auf sich gezogen hatte. Zu Schuljahresbeginn werde vor jeder Klasse ein Lehrer stehen, wiederholte Piazolo in diesem Jahr, fügte aber hinzu: Erfahrungsgemäß sei die Krankheitsquote kurz nach den großen Ferien sehr gering und steigere sich erfahrungsgemäß im Laufe des Winters. Die Lehrerreserve werde um 221 Vollzeitkapazitäten auf insgesamt 3.800 aufgestockt. Piazolo räumte ein, dass die Personalsituation an Grund-, Mittel- und Förderschulen angespannt bleibe. Dienstrechtliche Maßnahmen würden aber nicht ergriffen.

Die Corona-Pandemie werde zum Schuljahresbeginn im September nicht vorbei sein, sagte Piazolo. Mehr als 90 Prozent der etwa 155.000 Lehrkräfte seien aber inzwischen geimpft. Es werde weiterhin mehrfach pro Woche Antigen-Schnelltests für die Schüler geben, bei den Jüngeren auch Pool-Testungen. Die Maskenpflicht innerhalb der Schulgebäude bleibe bestehen ebenso wie das Gebot, möglichst viel zu lüften. Luftreinigungsgeräte könnten nur eine Ergänzung für das Lüften sein, betonte Piazolo. Keinesfalls bedeute die Installation eines solchen Geräts, dass beim Auftreten einer Infektion in einer Klasse automatisch anders zu verfahren sei als ohne Luftreiniger. Was in einem solche Fall konkret zu geschehen habe, entschieden die zuständigen Gesundheitsämter.

Die vierte Corona-Welle wirft schon zum zu Ende gehenden Schuljahr drohend ihre Schatten voraus. Weil in einigen Kreisen die Sieben-Tage-Inzidenz wieder über 25 gestiegen ist, müssen dort die Schüler an weiter führenden Schulen auch am Platz wieder ihre Masken aufbehalten. Am Freitag überschritten die Stadt Amberg sowie die Landkreise Freising, Starnberg und Berchtesgadener Land diese Grenze.

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