Neuer Bocksbeutel erfolgreich

Marke: Neue Flasche ist größer, hat weniger Bauch und mehr Kanten - Winzer waren anfangs skeptisch

WÜRZBURG
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So sahen die Bocksbeutelflaschen jahrzehntelang aus. Hier eine Aufnahme aus einer Vitrine im Museum »Barockscheune« in Volkach (Landkreis Kitzingen). Seit etwa fünf Jahren ist der neue Bocksbeutel mit weniger Bauch und mehr Kanten im Handel - und laut dem Fränkischen Weinbauverband ein Glücksfall für die Winzer. Foto: Hildenbrand (dpa)
Foto: Deutsche Presse-Agentur (DPA), Karl-Josef Hildenbrand

Seit etwa fünf Jahren ist der neue Bocksbeutel mit weniger Bauch und mehr Kanten im Handel - und nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbandes ein Glücksfall für die Winzer. »Er hat das Altbackene verloren«, sagt Verbandspräsident Artur Steinmann in Würzburg. »Wir erhalten eine sehr gute Resonanz am Markt.«

Dabei war das Rütteln am Aussehen der Ikone des Frankenweins alles andere als einfach. Denn den Frankenwein im Bocksbeutel gibt es mindestens seit 1728. In diesem Jahr beschloss die Stadt Würzburg, dass nur die edelsten Tropfen des Weinguts Bürgerspital in die bauchigen Flaschen gefüllt werden dürfen. Dass nun plötzlich das traditionelle Design einen neuen Schliff bekommen sollte - damit waren Steinmann zufolge längst nicht alle Weinschaffenden einverstanden.

»Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter hat sich entschlossen, ihn nicht einzusetzen.« Mancher sage zudem, der neue Bocksbeutel werde zu preiswert verkauft. Steinmann entgegnet darauf nur: »Es ist nicht entscheidend, was der Bocksbeutel kostet, sondern die Qualität ist entscheidend.« Der Verband jedenfalls sei sehr glücklich mit dem Bocksbeutel PS, wie er offiziell heißt.

Optisch generalüberholt

PS steht für den Hamburger Designer Peter Schmidt, der die Flasche optisch generalüberholte. Moderner, frischer und eleganter - diese Ziele waren gesetzt. Die Grundform des Bocksbeutels ist nach wie vor eher rund und gedrungen. Doch die neue Flasche ist weniger bauchig und mit kleinen Kanten versehen.

Franken ist mit 99 Prozent der Anbaufläche das wichtigste Wein-anbaugebiet in Bayern. Es gibt etwa 3500 Winzer, 700 davon direktvermarktend, und dazu Genossenschaften, die alle insgesamt auf mehr als 6300 Hektar Wein anbauen.

In den vergangenen Jahren haben viele junge Winzer das Ruder in den Familienbetrieben übernommen, wie Steinmann sagt. Der Wein wird jünger vermarktet, Weinarchitektur und innovative Vinotheken seien wichtig. Und die Qualität des Weines sei gesteigert worden.

Mittlerweile sind viele Weinerzeuger in Franken auf den neuen Bocksbeutel PS umgestiegen. Auch die Winzergemeinschaft GWF in Kitzingen - rund 1200 Hektar Anbaufläche - füllt bereits mehr als die Hälfte ihrer Weine in die neue Flasche ab.

Nach Statistik der Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken wurden bereits zwei Jahre nach der Einführung des neuen Designs rund zwei Drittel der Bocksbeutelweine in die neue Flaschenform gefüllt.

Investition von 50 Euro

Die Winzer können nach wie vor wählen, welche Flasche sie nehmen. Der Bocksbeutel PS ist dem Weinbauverband zufolge geringfügig teurer als der traditionelle Bocksbeutel. Wer die neuen Flaschen nimmt, muss nach Worten von Verbandspräsident Steinmann lediglich seine Abfüllanlage und eventuell seinen Etikettierer anpassen - für sein Weingut sei dies eine Investition von 50 Euro gewesen.

Wer seinen Wein in einen Bocksbeutel abfüllen will, hat strenge Kriterien zu erfüllen: eine bestimmte Punktzahl bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung und ein Mindest-Mostgewicht von 72 Grad Oechsle.

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