Missbrauchsaffäre: FDP fordert personelle Konsequenzen

Offizial Wolf soll nicht länger Rundfunkratsvorsitzender sein  

München
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Aktion gegen Vertuschung von kirchlichem Missbrauch
Die Plastik "Der Hängemattenbischof" steht auf dem Marienplatz in München.
Foto: Sven Hoppe/dpa
Wegen der "Vertuschung und Verharmlosung" schwerer Delikte des Missbrauchs im Erzbistum München fordert die FDP im bayerischen Landtag den Rücktritt des Rundfunkratsvorsitzenden Lorenz Wolf von diesem Amt.

Wolf ist seit 1997 Offizial der Erzdiözese und Vorsitzender des Kirchengerichts. In einem in der vergangenen Wochenende von der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl vorgelegten umfangreichen Gutachten wird der hohe Geistliche schwer belastet.

In dem "Sumpf" aus Vertuschung und Verharmlosung vieler Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker sei der von der katholischen Kirche in den Rundfunkrat entsandte Wolf "eine zentrale Figur", erklärte der FDP-Medienpolitiker und frühere Focus-Chefredakteur Helmut Marktwort am Dienstag in München. In seinen wichtigen Ämtern habe der Geistliche dazu beigetragen, dass schwere Missbrauchsdelikte vertuscht und verharmlost wurden.b.

Diese Haltung ziehe sich "wie ein roter Faden" durch seine priesterlichen Aktivitäten, so der FDP-Landtagsabgeordnete. In einem Fall habe Wolf sogar ein Opfer wegen Erpressung beim Generalstaatsanwalt angezeigt. In einem anderen habe er sexuell motivierte Fotos eines Priesters als "künstlerisches Interesse" verharmlost. Ein solcher Mensch ist nach Auffassung der FDP-Landtagsfraktion nicht geeignet für die Position als Rundfunkrats-Vorsitzender. In dieser Aufgabe gehe es um "Transparenz, Aufklärung und Wahrheit." Wolf habe sich "durch seine "jahrelange Vertuschungsarbeit" für diese Aufgabe disqualifiziert."

Die FDP-Landtagsfraktion forderte Wolf deshalb auf, sein Amt als Vorsitzender des Rundfunkrates niederzulegen. "Unter diesen Umständen kommt selbstverständlich ein Wechsel in den Verwaltungsrat nicht infrage", fügte Marktwort hinzu.

Tatsächlich macht das Gutachten dem Offizial des Bistums besonders viele und schwere Vorwürfe. Wolf habe einen Beitrag geleistet, "dass einschlägig auffällig gewordene Priester vor Maßnahmen bewahrt wurden, die (...) insbesondere dem Ziel dienten, möglicherweise drohenden erneuten Übergriffen vorzubeugen", heißt es in dem Gutachten. Wolf habe sich auch deshalb der Entlassung von solchen Priestern aus dem Klerikerstand gewehrt, weil die Täter dann von der Kirche unbeaufsichtigt seien und weitere Taten verüben könnten. "Dieser Sichtweise", so heißt es, "vermögen sich die Gutachter nicht anzuschließen."

In den geprüften Fällen hätten sich die Gutachter des Eindrucks nicht erwehren können, dass für Wolf "die Interessen der des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Priester gegenüber denen der mutmaßlich Geschädigten im Vordergrund standen."

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