Main-Echo-Fotograf Stefan Gregor gewinnt in vier Kategorien

Pressefoto Unterfranken 2021

Aschaffenburg
5 Min.

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Gleich vier Mal hat die Jury des Wettbewerbs "Pressefoto Unterfranken 2021" unseren Main-Echo-Fotografen Stefan Gregor ausgezeichnet. Die vierfache Ehrung nahm er am Donnerstag während des Festakts beim Bezirk Unterfranken in Würzburg locker entgegen. Schwerer tat er sich hingegen mit einer Antwort auf die Frage: Was macht das perfekte Pressefoto aus?

Das sei schwierig zu sagen, überlegt Gregor. Vielleicht hat es "mit dem richtige Blick für den entscheidenden Augenblick zu tun - wie ihn Henri Cartier-Bresson so schön genannt hat?"

Der  französischer Fotograf, Regisseur, Schauspieler, Zeichner und Maler Cartier-Bresson (1908-2004) gilt als einer der einflussreichsten Fotografen. Seine Bekanntheit verdankt er auch seinen  künstlerischen Schwarz-Weiß-Fotografien. "Henri Cartier-Bresson hat nicht nur Generationen von Nachrichtenfotografen tief beeinflusst, sondern auch das Genre der Straßenfotografie geprägt", heißt es in einer Rezension zu dem Bildband "Henri Cartier-Bresson: Die Photographien – Hommage an einen Jahrhundertfotografen."

Als "ein klassisches Motiv des Genres der Straßenfotografie" bezeichnet Gergor eines seiner Siegerbilder: "Der müde Schneemann" (Kategorie "Ortsgeschichten").  Es zeigt einen in sich zusammengesunkenen Schneemann als Zeugen des sich im Dezember kurz zeigenden aber wieder verschwundenen Winters. Während eines Rundgangs für eine Reportagereihe hatte Gregor ihn zufällig Ende Dezember 2020 entdeckt  und aufgenommen. Mit dem Foto zeigt der langjährige Main-Echo-Fotograf ein Beispiel, was er rund um den Festakt beim Bezirk Unterfranken zu erklären versucht: Was macht das perfekte Pressefoto aus?  "Die Aufmerksamkeit des Fotografen, auch bei reiner Terminarbeit abseits des Hauptgeschehens vielleicht etwas zu sehen, das ein Bild wert ist."

Auch Gregors Siegerfotos "Aufschauen" (Kategorie "Kultur") sowie "Es geht wieder los" (Kategorie "Land&Leute)" sind solche Momente der Aufmerksamkeit. Da ist das kleine Mädchen, das schüchtern und gebannt über eine Absperrung schaut. Es beobachtet einen Tanz zur Musik des Halkevi-Jugendchors während des Festes "Brüderschaft der Völker" im Nilkheimer Park von Aschaffenburg im Juli 2021. Und da ist die Szenerie am 1. März 2021 in der Aschaffenburger Innenstadt, ein Foto, "im Vorbeigehen aus der Hüfte entstanden", erinnert sich Gregor. Vor einem Friseur stehen mehrere Männer und warten mit Mundnasen-Schutz und auf Abstand auf den ersten Haarschnitt nach dem Winter-Lockdown.

Es sind solche Pressefotos wie die von Gregor und die der anderen Gewinner "die ihre ganz eigene Sprache entfalten", wie es Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel in seiner Auftaktrede zur Preisübergabe nennt. "Gute Pressefotos erzählen Geschichten. Sie ziehen uns in ihren Bann, sie machen uns neugierig, sie erheitern uns – oder sie schockieren uns wie derzeit die Bilder aus der Ukraine."

Nicht der Schock spiegelt sich im Gesicht des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.  Es ist die Betroffenheit. Die Betroffenheit nach dem Messeranschlag in der Würzburger Innenstadt mit drei Toten und mehreren Schwerverletzten im Juni 2021. Gregor zu seinem vierten Siegerfoto mit dem Titel "Betroffen" (Kategorie "Stadt Würzburg"): "Söder verharrt in stillem Gedenken am Tatort. Es herrschte rundherum Stille in diesen Augenblicken der Hilflosigkeit gegenüber dieser Gewalttat. Der sonst so forsch auftretende Ministerpräsident stand regungslos vor dem Kranz und seine Betroffenheit war fast mit Händen zu greifen. Das ist der Moment, in dem das Foto entstand."

War es einer dieser Momente für das perfekte Pressefoto? Vielleicht. Gregor sucht weiter nach der perfekten Antwort. Er, der Fan von Leica-Fotokameras, verweist auf den Fotografen  Nik Ut.  Besonders ein Foto des 1951 geborenen  vietnamesisch-amerikanischen Fotografens ist weltweit zum Symbol für den Vietnamkrieg geworden: Das "Napalm-Mädchen" Am 8. Juni vor genau 50 Jahren hatte Nik Ut mit seiner Leica das Mädchen fotografiert, das nackt und schreiend mit anderen Kindern vor einem Napalmangriff flieht.  Gregor: "Das Foto ist zur Medienikone und zur Anklage gegen den Krieg geworden, obwohl es auf den ersten Blick nicht mal besonders spektakulär erscheinen mag. Aber es ist im Gedächtnis geblieben, und genau DAS macht für mich auch ein 'perfektes' Pressefoto aus."

Die Fotos Gregors und die der anderen ausgezeichneten Fotografen zeigen den Betrachtern "immer einen ganz speziellen und zugleich sehr subjektiven Blick auf die Wirklichkeit", sagt Dotzel. Und: Pressefotos brauchen nicht schön sein, "sie brauchen nicht zu gefallen". Ja, beides brauchen sie nicht. Aber wenn es eines der prämierten Fotos schafft, im Gedächtnis zu bleiben, dann ist es vielleicht eines dieser perfekten Pressefotos.   Torsten Maier

Fotoserie: Das sind die Siegerfotos "Pressefoto Unterfranken 2021"
+9 weitere Bilder
Siegerbilder Pressefoto Unterfranken 2021
Foto: Pia Bayer |  11 Bilder
Die Geschichte zu den Fotos: Das sagt unser Fotograf Stefan Gregor
Betroffen (27.06.2021): Kranzniederlegung am Barbarossaplatz in Würzburg bei der Gedenkfeier zur Gewalttat vom 25.06.2021. Ministerpräsident Markus Söder ist die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben, er verharrt in stillem Gedenken am Tatort
Foto: Stefan Gregor

Betroffen (27.06.2021), Kategorie "Stadt Würzburg": "Kranzniederlegung am Barbarossaplatz in Würzburg bei der Gedenkfeier zur Gewalttat vom 25.06.2021. Ministerpräsident Markus Söder ist die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben, er verharrt in stillem Gedenken am Tatort - das ist der Moment, in dem das Foto entstand. Es herrschte rundherum Stille in diesen Augenblicken der Hilflosigkeit gegenüber dieser Gewalttat, der sonst so forsch auftretende Ministerpräsident stand regungslos vor dem Kranz und seine Betroffenheit war fast mit Händen zu greifen. Ich versuchte, so vorsichtig und leise wie möglich zu fotografieren, um diesen Moment nicht zu stören - obwohl ich ja einige Meter weg stand ..."

Es geht wieder los (01.03.2021): Anstehen für den ersten Haarschnitt nach dem Winter-Lockdown bei einem Friseur in der Aschaffenburger Innenstadt
Foto: Stefan Gregor

Es geht wieder los (01.03.2021), Kategorie "Land und Leute": "Anstehen für den ersten Haarschnitt nach dem Winter-Lockdown bei einem Friseur in der Aschaffenburger Innenstadt. Das Bild ist im wörtlichen Sinne im "Vorbeigehen" aus der Hüfte entstanden, die Szenerie am Vormittag des 01. März 2021 hatte in meinen Augen etwas komisches und war zugleich Sinnbild für die Zeit des zweiten Corona-Lockdowns, der an diesem Tage sukzessive endete. Das "normale" Leben fing langsam wieder an."

Der müde Schneemann (11.12.2020): Beim Gang durch den Höhenort Hambrunn, einem Ortsteil von Schneeberg: Dieser Schneemann ist müde geworden und hat sich es auf dem Boden gemütlich gemacht
Foto: Stefan Gregor

Der müde Schneemann (11.12.2020), Kategorie "Ortsgeschichten": "Beim Gang durch den Höhenort Hambrunn, einem Ortsteil von Schneeberg: Dieser Schneemann ist müde geworden und hat sich es auf dem Boden gemütlich gemacht ... Ein klassisches Motiv des Genres der Straßenfotografie, deren Motive eigentlich nie vorhersehbar und dadurch oft besonders reizvoll sind. Aufgenommen während eines Rundganges durch den Höhenort im Rahmen der Reportagereihe zum 75jährigen Jubiläum des Main-Echo im Jahr 2020. Ganz besonders freut es mich und erfüllt mich mit Stolz, dass ich mit diesem Bild den im Gedenken an Rainer Reichert von seiner Schwester Maria Goblirsch gestifteten Preis "Ortsgeschichten" gewonnen habe. Denn Rainer war mir nicht nur ein Kollege, er war im Bayerischen Journalistenverband mein Mentor und vor allem war er mein Freund, dessen viel zu früher Tod eine große Lücke hinterlassen hat."

Aufschauen (17.07.2021): Ein kleines Mädchen steht an der Absperrung vor der Bühne des Festes „Brüderschaft der Völker“ im Nilkheimer Park von Aschaffenburg und schaut schüchtern und mit gebanntem Blick einem Tanz zur Musik des Halkevi-Jugendchors zu.
Foto: Stefan Gregor

Aufschauen (17.07.2021), Kategorie "Kultur": "Ich habe das Foto 'Aufschauen' genannt. Ein kleines Mädchen steht an der Absperrung vor der Bühne des Festes „Brüderschaft der Völker“ im Nilkheimer Park von Aschaffenburg und schaut schüchtern und mit gebanntem Blick einem Tanz zur Musik des Halkevi-Jugendchors zu. Nach der Corona-bedingten Zwangspause des Vorjahres gab es das Fest 2021 in stark abgespeckter Form, trotz oder gerade deswegen mit großer Resonanz beim Publikum."

Hintergrund: Pressefoto Unterfranken

Seit nunmehr rund 30 Jahren gibt es den Wettbewerb "Pressefoto Unterfranken".  Initiiert wird er vom Bezirksverband Mainfranken im Bayerischen Journalistenverband (BJV) mit Unterstützung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bezirk Unterfranken. Laut der Initiatoren ist er er ist "einer der wenigen Wettbewerbe – auf regionaler Ebene der einzige – der das Pressefoto in den Mittelpunkt stellt".

Jedes Jahr wählt eine Fachjury aus Hunderten Einsendungen von Presse-Fotografen nicht nur das Pressefoto Unterfranken. Es kürt zudem die Sieger in den Kategorien , Land&Leute, Stadt Würzburg, Kultur, Sport, Umwelt&Energie, Universität&Wissenschaft, Serie, Nachwuchspreis sowie Ortsgeschichten aus Unterfranken.

Besonders der im vergangene Jahr erstmal ausgelotete Preis der Kategorie Ortsgeschichten erinnert an den Mann, der den Wettbewerb seinerzeit ins Leben gerufen hat: Rainer Reichert,  langjähriger und 2019 überraschend verstorbener Main-Echo-Redakteur. Reichert Ansinnen war vor rund 30  Jahren,  insbesondere die Arbeit der Presse-Fotografen in der Öffentlichkeit in den Vordergrund zu rücken.  Reicherts Schwester, die Journalistin Maria Goblirsch, lobte den Preis nach dem Tod ihres Bruder aus. Die Kategorie "Ortsgeschichten" hat ihren Ursprung in einer gleichnamigen Sommerserie, die Rainer Reichert über Jahre für das Main-Echo verfasst hatte. Insgesamt gehen Preisgelder in Höhe von  5250 Euro an die Sieger. (mai)

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