LKA startet Kampagne gegen strafbare Inhalte auf Schüler-Smartphones

Tatwaffen in Kinderhand

München
2 Min.

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Gerade in der Pandemie beschäftigen sich Kinder täglich geraume Zeit mit Tablet-Computer, Laptop und vor allem mit ihrem Smartphone. Viele Eltern beschleicht dabei ein gewisses Unwohlsein, wissen sie doch nicht, was ihre Kinder mit den digitalen Mitteln alles so anstellen. Dieses mulmige Gefühl ist oft durchaus berechtigt, stellte der Leiter der Abteilung Prävention im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) Michael Weinzierl am Donnerstag in München fest. Immer mehr Kinder würden Opfer, aber auch unbeabsichtigt Täter der Verbreitung von Kinderpornographie, Gewaltverherrlichung und Volksverhetzung überwiegend in Gestalt von Bildern.

Mit einer neuen bayernweiten Kampagne "Dein Smartphone - Deine Entscheidung", die auf eine Präventionsaktion des Polizeipräsidiums Niederbayern aufsetzt,  will das LKA diesem Trend entgegenwirken. Adressaten der Kampagne, sind vor allem die Elf- bis 13-Jährigen, ihre Eltern und die Schulen. Auf allen verfügbaren Kanälen sollen die Beteiligten dafür sensibilisiert werden, was tagtäglich in den so genannten Sozialen Netzwerken und über Messenger-Dienste wie WhatsApp so alles abläuft. Oft suchten die Kinder gar nicht nach solchen Bildern, sondern würden von anderen Seiten damit konfrontiert, sagte Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU). "Gewalt, Pornographie und Cybermobbing begegnen Kindern und Jugendlichen leider viel zu häufig im Netz. Wir dürfen sie damit nicht allein lassen."

Das funktioniert eigentlich nur über vertrauensvolle Gespräche und Aufklärung. Vom heimlichen Ausspähen des Smartphones des Nachwuchses oder gar dessen Wegnahme rät die Digitalministerin ab. Die meisten Eltern schreckten zurecht davor zurück. Wichtig sei, dass dass die Eltern Interesse daran zeigten, was ihre Kinder im Internet machen und darüber redeten. Wenn es die Pandemie zulasse, seien schulische Elternabende eine gute Möglichkeit, sich zu informieren und sich auch mit Experten der Polizei auszutauschen, so Gerlach. Gerade in der gegenwärtigen Pandemie seien aber die digitalen Kanäle für die Kinder notwendig, um die Kommunikation mit anderen aufrecht zu erhalten.

Kinder können sich selbst strafbar machen

Wie Kinder in die Fallen von Pädophilen und Pornographiehändlern geraten können, zeigte der LKA-Präventionsexperte Weinzierl anhand eines Beispiels auf. So würden Kinder und Jugendliche durch Inaussichtstellen von niedrigen zweistelligen Eurobeträgen, etwa für Spieleplattformen im Internet, dazu gebracht, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen und davon Videos anzufertigen, die dann in einschlägigen Kreisen verbreitet werden.

Sofern die Kinder dabei schon 14 Jahre alt und damit strafmündig sind, können sie sich durch das Versenden solcher Bilder selbst strafbar machen, warnte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Das sei vielen ebenso wenig bewusst wie die Tatsache, dass oft schon der Besitz von pornographischen oder gewaltverherrlichenden Bildern strafbar sein könne. Durch Opfer würden Kinder durch Erpressung mit zuvor versandten Nacktbildern.

Bei täglich mehr als drei Milliarden Fotos, die nach Schätzung von Digitalministerin Gerlach täglich im Internet getauscht werden, ist der Umfang des Problems schwer abschätzbar. Sicher ist nur, dass auch auf Schüler-Smartphones die Menge an strafbaren Inhalten wächst. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in Bayern 4.093 Straftaten der Verbreitung von Pornographie - eine Steigerung von 57 Prozent gegenüber 2019. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung war 2020 um mehr als 23 Prozent auf über 11.000 gestiegen. Die "Tatwaffe Smartphone" spiele dabei eine immer größere Rolle, so der Innenminister. Nicht nur wegen der herrschenden Corona-Pandemie verlagere sich die Kriminalität "von der Straße immer mehr ins Netz".

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