Linksherzinsuffizienz tritt am häufigsten auf

Spezialambulanz auch in Würzburg

Aschaffenburg
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ILLUSTRATION - Ein Arzt hält am Rande einer Pressekonferenz in einem Herzzentrum ein anatomisches Modell des menschlichen Herzens. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es in Ostdeutschland viel mehr Krankenhausaufnahmen wegen Herzschwäche als in Westdeutschland. Auch sterben im Osten deutlich mehr Menschen an Herzschwäche, die auch Herzinsuffizienz genannt wird. Das geht aus einer am 01.07.2020 veröffentlichten Studie der HFA Discoveries hervor, einer wissenschaftlichen Plattform der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Herzinsuffizienz gilt als häufigster Grund für Krankenhauseinweisungen in Deutschland. +++ dpa-Bildfunk +++ Bildunterschrift 2022-02-23 --> Der Motor des Lebens: Arzt mit Herz-Modell. Foto: Sebastian Kahnert (dpa)
Foto: Sebastian Kahnert
Herz­insuf­fi­zi­enz - um­gangs­sprach­lich auch als Herz­schwäche be­zeich­net - ist laut Deut­scher Kar­dio­lo­gi­scher Ge­sell­schaft in­zwi­schen die häu­figs­te Ein­zel­diag­no­se bei voll­sta­tio­när be­han­del­ten Pa­ti­en­ten.

Die meist schleichend fortschreitende, chronische Erkrankung trifft etwa jeden zehnten Bundesbürger über 70 Jahre und ist häufig die Folge eines schlecht eingestellten Bluthochdrucks, einer koronaren Herzkrankheit oder eines Herzinfarkts.

Allerdings können auch entzündliche Herzmuskelerkrankungen, genetische Veranlagungen oder Veränderungen der Herzklappe zur Herzschwäche führen. Zwischen 2000 bis 2019 wuchs die Zahl der Patienten, die wegen dieser Diagnose in deutschen Krankenhäusern behandelt wurden, um 40 Prozent. Allein von 2018 auf 2019 um 4,8 Prozent. Die bei Ben Stang diagnostizierte Linksherzinsuffizienz tritt dabei am häufigsten auf. Und untypisch junge Patienten wie Ben Stang werden immer mehr. Es sind immer mehr junge Männer, die daran erkranken laut Statistischem Bundesamt. Waren es 2006 erst 1775 Männer zwischen 0 und 39 Jahren, die eine Herzinsuffizienz hatten, sind es zehn Jahre später 2016 schon 2400 Männer. Das entspricht einer Zunahme von 35 Prozent.

Gegenläufige Entwicklung

Die Sterbestatistik zeigt die gegenläufige Entwicklung. Obwohl immer mehr Menschen an einer Herzschwäche leiden, sank die Zahl der dadurch bedingten Todesfälle von 82 pro 100.000 Einwohner im Jahr 1990 auf 54,9 im Jahr 2014. »Der Rückgang um 33 Prozent ist auf die Fortschritte in der Therapie der Herzschwäche zurück zu führen. Dazu gehören die lebensverlängernden Effekte der medikamentösen Therapie sowie die konsequente Umsetzung der Leitlinienempfehlungen in der Versorgung«, analysiert Georg Ertl vom Uniklinikum Würzburg.

2019 standen 722 Patienten auf der Warteliste für ein Spenderherz. 344 sind am Ende transplantiert worden. Um die seit Jahren sinkende Zahl an Organspenden zu kompensieren, gewinnen mechanische Möglichkeiten zur Kreislaufunterstützung bis hin zur Implantation von sogenannten Kunstherzen zunehmend an Bedeutung in der Behandlung der Herzinsuffizienz.

Betreut werden Herzinsuffizienzpatienten unter anderem in der interdisziplinären Herzschwäche-Ambulanz am Uniklinikum Würzburg. Seit 2011 steht die Einrichtung allen Patienten im größeren Umkreis offen. Das Team dort hat sich vor allem auf die schweren und komplizierten Formen der Herzschwäche spezialisiert. Durch die fächerübergreifende Zusammenarbeit mit zahlreichen Spezialisten des Universitätsklinikums Würzburg - Kardiologen, Herzschrittmacher-Experten und Nierenspezialisten, Neurologen, Psychologen und Psychiater, Endokrinologen und Genetiker - wird eine umfassende und gleichzeitig individuelle Planung von Diagnostik und Therapie ermöglicht.

Ben Stang wird in der Kerckhoff-Klinik im hessischen Bad Nauheim behandelt. Dafür nimmt er alle zwei Monate einen Anfahrtsweg von 160 Kilometern auf sich. Im Jahr werden dort über 1000 Patienten ambulant betreut. Seit Februar 2020 ist die Klinik als Überregionales Herzinsuffizienz-Zentrum zertifiziert. Stang hat dort auch seinen Defibrillator eingesetzt bekommen - eine häufige Maßnahme bei Herzschwäche.

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