Längstes Bodendenkmal des Spessarts

Spessartprojekt: Alte Straßen wie die Birkenhainer schützen - Münzschatz aus Kloster Einsiedel vorgestellt

Flörsbachtal
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Silberheller aus dem Klosterfriedhof: Erstmals war der Münzschatz bei der Tagung zu sehen.
Foto: Klaus Fleckenstein
Aus der Spess­ar­t­au­to­bahn des Mit­telal­ters ist das längs­te Bo­den­denk­mal der Re­gi­on ge­wor­den. Der Bir­ken­hai­ner Stra­ße wid­met sich ei­ne Ex­per­ten­ta­gung des Ar­chäo­lo­gi­schen Spess­art­pro­jekts, das seit 2012 am al­ten Han­dels­weg gräbt. 30 Re­fe­ren­ten und rund 80 Be­su­cher ka­men am Don­ners­tag und Frei­tag nach Lohr­haup­ten, wo einst Fuhr­leu­te auf den Spess­art­höhen vor­bei­rat­ter­ten.
Allgemein sieht es nicht gut aus um Erforschung und Erhalt der alten Straßenlandschaften. »Es wird überbaut, es wird zerstört«, sagte der Straßen-Archäologe Johannes Litzel aus Halle. Wo die Landschaft der Maschinenbedienbarkeit untergeordnet werde, habe Archäologie keine Chance mehr. Und Denkmalschutzbehörden zeigten wenig Interesse an alten Straßen.
Nicht so das Spessartprojekt: Seit 2012 wird mit einer Helfergemeinschaft das Kloster Elisabethenzell, auch Einsiedel genannt, am östlichen Spessartaufstieg aus dem Boden geschält. Viele Überraschungen holte Archäologe Harald Rosmanitz hervor, die vermeintliche Einsiedelei zwischen Rieneck und Lohr-Ruppertshütten war pulsierende Raststation im 13. Jahrhundert. Die von ihm organisierte Tagung in der Außenstelle des Spessartprojekts präsentierte die Fülle der Erkenntnisse und stellte sie in europäische Zusammenhänge der Fernhandelswege.
Verwurzelung und Herzblut
Den Erfolg der Grabungen macht die Verwurzelung mit den Spessartern aus. Dafür gab es gerade den Deutschen Denkmalschutzpreis, der aus der Vitrine im Saal leuchtete. Freiwillige aus den Orten ringsum sind eingebunden, werden geschätzt als Partner einer Aufbereitung »von unten«. Ingbert Roth, Vorsitzender des Geschichtsvereins Ruppertshütten, gab den Anstoß fürs Einsiedel-Projekt und organisiert die Vernetzung: »Nur auf diese Weise ist es möglich, dem Verblassen des Interesses an dem mit viel Herzblut in Wert gesetzten Bodendenkmal entgegenzuwirken«, lautete sein Fazit.
»Es ist dringend geboten, die historischen Straßen zu dokumentieren und zu schützen«, forderte Litzel. An der Birkenhainer fand er beste Voraussetzungen, als er den Hohlweg öffnete, bis er auf die in den Fels gehauenen 1,10-Meter-Fahrspuren stieß.
Die im Klosterfriedhof gefundenen Silbermünzen glänzten frisch aufbereitet im Bürgersaal: 80 Händlein-Heller, der kleine Geldschatz war erstmals zu sehen. »Eine Art Euro des Mittelalters«, so Rosmanitz, Einheitswährung für die Fuhrleute unterwegs.
Blinkende Wohlstandsbeweise
Die Silberheller sind auch blinkende Beweise, dass der Verkehr Wirtschaft und Wohlstand brachte entgegen der Vorstellungen von der Armutsregion. Mühlen, Bergbau, Eisenhämmer und Glashütten exportierten nach Mainz, Köln, Antwerpen. Von dort kam das Kapital der Investoren, schilderte Gerhard Ermischer, Leiter des Spessartprojekts: »Die Straße bildet die breitgefächerte Wirtschaftsbasis«, vergleicht er die Wirkung für Orte am Wegrand mit der heutigen Spessartautobahn.
Viele der Altstraßen sind vergessen und verloren. »Aber es gibt welche, auf denen man laufen kann. Wenn man sie erforscht, ist es noch viel spannender dort unterwegs zu sein«, so Ermischer.
An diesem Samstag sind die Wissenschaftler und die Heimatforscher draußen unterwegs - vom Bergbau am Wiesbüttmoor bis zum Kloster Elisabethenzell.
Klaus Fleckenstein
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