»Kinderknast« immer gut gefüllt

Soziales: Die acht Plätze in Hessens einzigem geschlossenen Heim in Sinntal sind ständig besetzt

Sinntal
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Immer eine gut gefüllte Warteliste: Hessens einziges geschlossenes Kinderheim in Sinntal im östlichen Main-Kinzig-Kreis.
Foto: Marc Tirl (dpa)
In Hes­sens ein­zi­gem ge­sch­los­se­nen Kin­der­heim über­s­teigt die Nach­fra­ge nach The­ra­pie­plät­zen die Auf­nah­me­mög­lich­kei­ten. »Wir ha­ben ei­ne ge­füll­te War­te­lis­te, auf der im­mer An­fra­gen ste­hen«, sag­te Heim­lei­ter Pa­ter Chris­ti­an Vahl­haus rund zwei­ein­halb Jah­re nach der Er­öff­nung des Ju­gend­hil­fe-Heims in Sinn­tal (Main-Kin­zig-Kreis).

Die acht vorhandenen Plätze seien in den vergangenen acht Monaten stets ausgelastet gewesen. Kritiker nennen die intensivpädagogische Wohngruppe einen »Kinderknast«. Kriminelle, aber strafunmündige Kinder zwischen zehn und 13 Jahren können dort untergebracht werden.
Die Kinder, die nach Sinntal kommen, sind mit Gewaltdelikten, Diebstählen und Raub aufgefallen. Sie haben zuweilen auch Drogenprobleme oder haben exzessiv die Schule geschwänzt. »Die Biografie der Klienten wirkt oft ziemlich desaströs«, erklärte der Heimleiter.
»Es ist ruhiger geworden«
Nach Anlaufschwierigkeiten habe sich das Konzept bewährt. Fünf Kinder haben die Einrichtung verlassen können. »Mittlerweile ist die Gruppe stabil. Es ist ruhiger geworden. Auch wenn es manchmal so wirkt, als ob Krise der Normalzustand bei einigen Kindern ist«, erklärte Vahlhaus.
Ruhe herrschte nicht immer. »In der ersten Phase hatten wir viele Zerstörungen und Sachbeschädigungen. Die erste Generation der Kinder hier waren die Material-Tester.« Inventar im Wert von ein paar Tausend Euro musste nach Wutanfällen der Bewohner ersetzt werden. »Auch ein Zwölfjähriger schafft es, eine Heizung von der Wand zu reißen«, sagte Vahlhaus. Rauchmelder, Abdeckungen und Türgummis wurden heruntergerissen, Lichtschalter demoliert. Tische und Schränke waren ohnehin aus stabilem Holz gefertigt worden. Im Sommer 2014 kam es zu einem Zimmerbrand, der glimpflich endete.
Positiver Trend
Dennoch sei der Trend positiv. Vahlhaus erklärte: Erste Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Kinder nicht lange hinter verschlossenen Türen leben müssten. Sie könnten meist nach wenigen Wochen offenere Therapie-Formen besuchen, zum Beispiel Schulunterricht oder Sport- und Freizeitangebote.
Um die Wirksamkeit des geschlossenen Kinderheimes zu überprüfen, wird das Konzept vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKF) in Mainz flankiert. »Wir werden die Begleitung über die ersten drei Jahre hinaus verlängern, damit wir weitere Erkenntnisse gewinnen«, sagte Vahlhaus. Fachleute kritisieren indes, dass ein künstlicher Bedarf geschaffen werde. Sei eine derartige Einrichtung vorhanden, werden die Plätze auch belegt.
JÖRN PERSKE

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