Es lebe der Sport!

Ausstellung des Bezirks im Museum für Franken erzählt Sportgeschichte(n)

WÜRZBURG
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Mat­hil­de Franz hat­te sich be­reits ei­ne rot leuch­ten­de Ba­de­müt­ze ge­näht. In den 1920er Jah­ren hat­te sie sich re­gel­mä­ß­ig mit Freun­din­nen und Freun­den im Schwimm­bad in Lau­fach (Kreis Aschaf­fen­burg) ver­ab­re­det. Der neue Ge­mein­dep­far­rer al­ler­dings hielt da­von we­nig, von der Kan­zel her­ab straf­te er die jun­gen Leu­te ab:

Die Körper bei diesem neuartigen Schwimmsport zu entblößen, widerspräche jeglicher Moral und jedem Anstand. Mathilde Franz stellte ihre Schwimmversuche ein und blieb lebenslang Nicht-Schwimmerin.

Mathilde Franz' rote Bademütze ist als Leihgabe des Spessartmuseums Lohr am Main (Main-Spessart-Kreis) nun bis einschließlich 16. Oktober in der Wanderausstellung »Sport. Eure Geschichten aus Unterfranken« im Museum für Franken zu sehen. Entstanden ist diese in einer Kooperation mit der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken sowie den Museen Schloss Aschach. Dort gastierte sie bereits; weitere Ausstellungsorte sind angedacht, stehen aber noch nicht fest.

Persönlicher Ansatz

Tatsächlich ist es dieser sehr persönliche Ansatz, der die Schau für Sportfans ebenso wie für Sportmuffel sehenswert macht, denn im Vorfeld hatten Bezirk und Museum Sportvereine, aber auch Privatpersonen aus ganz Unterfranken aufgerufen, »ihre« Sportgeschichten zu erzählen. Um die 100 Ideen wurden eingereicht, 30 werden in der Ausstellung erzählt und spiegeln eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte - vom Volkswandern bis zu den Olympischen Spielen. Auch Schattenseiten des Sports - Doping, Homophobie, Bestechung und Missbrauch - werden thematisiert.

Besucher durchwandern beim Ausstellungsbesuch jene Orte, in denen es aktiv wie passiv um Sport geht: ein Wohnzimmer mit Fernseher, Pokalen und Medaillen, den Umkleideraum, einen Sportplatz und das Vereinsheim. Eine bunte Auswahl an Objekten erzählt dort individuelle Geschichten - selbstgebaute Holzskier aus der Rhön zum Beispiel oder der prägende Jugendbuchklassiker »Elf Freunde müßt ihr sein« von Sammy Drechsel. Und der Blick reicht zurück bis ins Mittelalter, damals war der fränkische Raum ein Zentrum des Fechtens. Das so genannte Tower Buch ist das älteste bekannte Fechtbuch überhaupt und entstand um 1300 in Würzburg.

Gestaltet wurde die Schau so weit als möglich inklusiv, unter anderem mit taktilen Leitlinien am Boden, einem Tastplan pro Raum, Texten in einfacher Sprache, PDFs zum Download im Internet, Anleitungen in Brailleschrift, und zahlreichen Elementen, die alle Sinne ansprechen - bis hin zur Aktivstation »so riecht Anstrengung«. Stellt sich die Frage, wie letztere in den Spind gelangte. Tatsächlich gibt es, wie Anne Kraft vom Bezirk Unterfranken beim Rundgang erzählt, eine Firma, die künstlichen Schweißgeruch herstellt. Apropos aktiv: Immer wieder werden Besucher angeregt, sich selbst aktiv einzubringen und zum Beispiel »Ausreden für Sportmuffel« zu sammeln. Interessant in Sachen Inklusion ist auch eine Station, die sich mit dem Thema Blindenfußball beschäftigt. Gespielt wird auf einem 40 Meter langen und 20 Meter breiten Feld. Ein Glöckchen im Ball signalisiert, wo sich dieser befindet, Trainer und Helfer lenken die Mannschaft durch Zurufe.

Tatsächlich gibt es thematisch unglaublich viele Geschichten in der Sonderschau zu entdecken. So geht es etwa um die Olympiade in München 1972. Segelwettbewerbe wurden damals im doch reichlich entfernten Kiel ausgetragen - und das Olympische Feuer wurde auch in Deutschlands nördlichste Großstadt gebracht. Der Turnverein Ebern erhielt den Zuschlag über eine Teilstrecke des Fackellaufs. Der Fackelläufer durfte dabei die Hand weder senken noch die Hand wechseln. Alfons Müller trainierte vorab entsprechend und hielt bei den Übungsläufen ein schweres Holzstück in die Höhe.

Eines der wohl auffälligsten Objekte in der Ausstellung ist - Marke Eigenbau - eine alte Seifenkiste des Marktheidenfelder Seifenkistl Rennens (Main-Spessart-Kreis). Seit 1946 hatten die Amerikaner spezielle Programme für deutsche Jugendliche organisiert, die so genannten »German Youth Activities«. Ein besonderer Höhepunkt des GYA-Programms war das 1950 organisierte »Seifenkistl-Rennen« in Marktheidenfeld. Die »Rennfahrer« mussten ihre Kleinfahrzeuge selbst bauen, 1500 Zuschauer säumten später beim Rennen die Straße. Heinz Ruppert gewann. Gestartet war er, wie auf seiner Seifenkiste zu lesen ist, fürs Sägewerk Mehling.

Thematisiert wird die älteste noch aktive Rhönrad-Abteilung der Welt, angesiedelt bei der Turngemeinde Würzburg. Es geht um dem Hawaiianer Arthur Hisatake, der Schweinfurt zu einer Hochburg des Karate-Sports ausbaute. Man begegnet der Würzburgerin Barbara Kolbenschlag, die um Gleichberechtigung im Sport kämpfte und erreichte, dass Frauenhockey 1980 olympisch wurde. Auch wenig bekannte Sportarten wie Faustball werden thematisiert, Damen- und Herrenmannschaften des Segnitzer Turnvereins sind in der Bundesliga vertreten und der Verein ist »Nationaler Faustball-Stützpunkt«.

Hintergrund

Bademütze von Mathilde Franz. Weil sie als junge Frau vom Pfarrer von der Kanzel abgestraft wurde, den Körper beim Schwimmen nicht zu entblößen, blieb sie lebenslang Nicht-Schwimmerin. Foto:

Hintergrund

Olympische Goldmedaille im Rudern von Martin Karl 1936. Foto:

Hintergrund

Marke Eigenbau: Mit dieser Seifenkiste gewann Heinz Ruppert 1950 das Marktheidenfelder Seifenkistl-Rennen. Foto:

Hintergrund: Begleitprogramm zur Ausstellung

Ausstellungsdauer: Die Ausstellung »Sport - Eure Geschichten aus Unterfranken« ist bis 16. Oktober im Museum für Franken auf der Festung Marienberg in Würzburg zu sehen.

Ferienprogramm: In einem Workshop ab acht Jahren heißt es am 11. August zwischen 10 und 13 Uhr »Es lebe der Sport«. Die Teilnehmer begeben sich in der Dauer- sowie Sonderausstellung des Museums für Franken auf Entdeckungsreise, am Ende kann sich jeder einen Fanartikel seines Lieblingsvereins gestalten. Anmeldung unter 0931/205940, die Teilnahme ist kostenfrei.

Sonntagsspaziergänge: Geführte Sonntagsspaziergänge durch die Sonderausstellung »Sport - Eure Geschichten aus Unterfranken« sind am 14. und 28. August sowie 9. Oktober jeweils um 14.30 Uhr geplant.

Familienführungen: Ferien-Familienführungen unter dem Motto »Es lebe der Sport« durch die Sonderausstellung finden am 25. August sowie am 8. September, jeweils um 14.30 Uhr statt. Erwachsene zahlen Eintritt zuzüglich zwei Euro Führungsgebühr. Kinder unter 18 Jahren nehmen kostenfrei teil. Anmeldung unter 0931/205940. ()

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