Interview: Mitorganisator der Würzburger Web Week über digitale Innovation und Digitalisierung in Mainfranken

»Erwachsener und professioneller«

Würzburg
3 Min.

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Das Organisatorenteam Gunther Schunk und Ute Mündlein präsentiert das Programm der vierten Würzburger Web Week. Foto: F. Raubach Bildunterschrift 2021-10-26 --> Das Organisatorenteam Gunther Schunk und Ute Mündlein präsentiert das Programm der Würzburger Web Week.Foto: F. Raubach
Foto: : F. Raubach
Die Pan­de­mie ha­be der Ge­sell­schaft ei­nen Di­gi­ta­li­sie­rungs­schub ver­lie­hen, sa­gen Ex­per­ten. Gleich­zei­tig wur­de in vie­len Be­rei­chen Lü­cken sicht­bar. Bei der vier­ten Würz­bur­ger Web Week wer­den noch bis zum 29. Ok­tober in rund 200 Ver­an­stal­tun­gen et­li­che die­ser Fra­gen dis­ku­tiert.

Ein Gespräch mit einem der Organisatoren, Gunther Schunk (54).

Die Zahl der Sponsoren hat sich von der ersten bis zur inzwischen vierten Würzburger Web Week mehr als verdoppelt. Und auch die Zahl der Veranstaltungen mit fast 200 ist beachtlich. Wie haben Sie das geschafft?

Wir haben da gar nichts geschafft, das Thema hat das selbst geschaffen, weil Digitalisierung jeden Lebensbereich erfasst, beruflich wie im Privaten. Und das war auch schon vor vier Jahren so bei der ersten WueWebWeek. Die einen sagten: Wir haben die Angebote, aber müssen sie zeigen. Andere sagten: Wir haben Fragen und wollen Antworten. Wir merkten schnell: Würzburg ist nicht nur ein Bildungs- und Hochschulstandort, sondern auch ein richtig veritabler IT-Standort. Wir hatten selbst nicht auf dem Schirm, wie viele IT-Unternehmen in der Region ansässig sind. Diese Unternehmen waren längst da - und haben auf ein Angebot wie die WueWebWeek eigentlich nur gewartet, die sich inzwischen unterfrankenweit einen Namen gemacht hat: Wir hatten auch schon Unternehmen aus Lohr, Bad Kissingen, Lauda oder Schweinfurt und selbst aus Ansbach, Hof und Coburg dabei. Die WueWebWeek strahlt über Würzburg auch deshalb hinaus, weil zur Präsenzveranstaltung rund 65 Prozent digitale Angebote dazu kommen - und dann ist es egal, wo mein Unternehmenssitz ist.

In welchen Bereichen ist unsere Gesellschaft durch Corona digitaler geworden?

Die Aussage verschiedener Experten, dass die Coronakrise die Digitalisierung um gut sieben Jahre beschleunigt habe, erscheint mir plausibel. In der Coronakrise haben die Menschen im Beruflichen wie im Privaten plötzlich viel mehr Dinge digital gemacht, weil es nicht anders ging. Das Witzige daran ist, dass Berührungsängste, die vorher da waren, unheimlich schnell abgebaut wurden: eCommerce zu machen oder online Essen zu bestellen, zum Beispiel. Hätte ich mobiles Arbeiten in einem Unternehmen vor der Pandemie technisch ermöglichen wollen, hätte dies bestimmt ein Jahr gedauert und ich hätte nur einen Teil der Belegschaft vom Nutzen überzeugen können. Jetzt zogen Mitarbeiter innerhalb weniger Wochen ins Homeoffice um - und es wurde einfach hingenommen.

Weshalb haben Sie heuer das Motto »Digitalisieren und inspirieren« gewählt?

Wir haben in eineinhalb Pandemie-Jahren ganz viel Digitalisierung kennengelernt. Jetzt können wir schauen, wie es andere machen und was uns weiter vorwärts bringt. Denn: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern eine Hilfe, besser oder schneller zu werden, Fehler zu vermeiden, neue Produkte zu entwickeln, neue Märkte zu entdecken, und vieles mehr. Wir wissen jetzt den Wert der digitalen Tools zu schätzen. Gleichzeitig haben wir aber auch erfahren, was uns fehlt, wenn wir uns überhaupt nicht mehr persönlich begegnen; dass wir etwa die Identität eines Unternehmens verlieren, wenn sich das Miteinander immer mehr atomisiert. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt: Digital ist normal. Jetzt geht es um die Inspiration, wie ich diese Digitalisierung bestmöglich und kreativ nutze. Kurzum: Wir müssen reden!

Welche neuen Themen spiegeln dies im Programm?

Zum Beispiel wird es um Führungskonflikte online gehen, denn das Führen auf Distanz aus dem Homeoffice entpuppte sich als echte Herausforderung. Über Monate Menschen gar nicht zu sehen, aber die Führungskraft zu sein - da haben wir alle ganz schön viel gelernt. Auch digitale Kommunikation im Allgemeinen spielt zum Beispiel eine Rolle.

Wie hat sich die regionale Start-up-Szene weiterentwickelt?

Generell vernetzt sie sich und kann zunehmend von guten Vorbildern lernen. Wir haben mittlerweile eine ganze Reihe erfolgreicher Startups hier: Die Faaren GmbH zum Beispiel, eine Plattform im Auto-Abo-Markt, oder die digitale Lieferantensuche Scoutbee. Das sorgt für eine Professionalisierung in der Herangehensweise. Und mein Eindruck ist auch: Wer heute als Startup an den Start geht, versucht dies ernsthaft und auf die richtige Weise. Das war vor vier, fünf Jahren noch anders.

Die Startup-Szene ist erwachsener und professioneller geworden - auch weil die entsprechenden Strukturen inzwischen vorhanden sind. Wir haben den Startup-Preis, den Gründerstammtisch, das Gründergrillen, Beratungsangebote oder auch die Bürogemeinschaft StartHub in der Sanderstraße.

Welche Startups werden sich bei der Würzburger Web Week präsentieren?

Die webfactor media GmbH thematisiert unter dem Stichwort »How to fuck up« das Scheitern: Fast jedes Startup erlebt Situationen, in denen es an seine Grenzen kommt. Wie geht man damit um? Gründerspirit spielt auf jeden Fall eine große Rolle bei der WueWebWeek. Auch, weil selbst ein Unternehmen wie unser eigenes, die 130 Jahre alte Vogel Communication Group, so agil wie ein Startup agieren muss, will es zukunftstauglich bleiben: Wir müssen uns permanent auf neue Herausforderungen einstellen. Unser Tochterunternehmen, die schoesslers Agentur für Kommunikation, wird unter dem Motto »Fail-Alarm für Startups« unter anderem unterschiedliche Gründertypen vorstellen.

Aufgefallen ist mir: Es geht jeden Tag auch um Achtsamkeit. Was hat das mit der Digitalisierung zu tun?

Das Thema hatte ich mir explizit gewünscht. Alexandra Andersen bietet jeden Tag einen Workshop an als Gegenkonzept. Die Digitalisierung beschleunigt uns, sie zwingt uns ständig aufs Smartphone zu schauen. Wie aber komme ich zur Ruhe, wenn ich ständig erreichbar bin und unter dem vermeintlichen Druck stehe, nochmal schauen zu müssen, ob etwas passiert ist. Welche Techniken brauche ich, um Digital Detox zu machen? Es gehört zur Digitalisierungskompetenz dazu, dass man weiß, wo Digitalisierung zum Problem wird, und selbst auf sich Acht gibt.

Ausführliches Programm unter: https://wueww.de

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