Die unterfränkische Neonazi-Szene wird weiblicher

Unterfranken: Expertin sieht zunehmend Frauen im rechtsextremen Umfeld - Aktiv im Verborgenen

Würzburg
3 Min.

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Weibliche Neonazis
ARCHIV - Etwa 120 Anhänger der rechtsextremen NPD nehmen am 11.09.2011 auf dem Alexanderplatz in Berlin an einer Kundgebung teil. Foto: Jörg Carstensen/dpa (zu Korr.-Bericht lth «Frauen als Nazis: Sympathieträgerinnen der rechten Szene» vom 05.08.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: Jörg Carstensen (dpa)
Glatz­köp­fe, Sprin­ger­s­tie­fel, Bom­ber­ja­cken - wer an »Rechts­ex­t­re­mis­mus« denkt, dem fal­len meist prompt je­ne Neo­na­zi-At­tri­bu­te ein. »Doch die­ses Bild ist kom­p­lett veral­tet«, sagt Con­stan­ze Borck­mann.
Sie arbeitet bei der der Re­gio­na­len Be­ra­tungs­s­tel­le ge­gen Rechts­ex­t­re­mis­mus für Mit­tel- und Un­ter­fran­ken. So sei Rechts­ex­t­re­mis­mus kein rein männ­li­ches Phä­no­men. Der Frau­en­an­teil in der Sze­ne stieg in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich an.

»Ein Drittel der rechtsextremen Szene besteht inzwischen aus Frauen«, berichtete die 31-jährige Sozialpädagogin bei einer Veranstaltung von KAB und Gewerkschaften in Würzburg. Nach wie vor würden Frauen in dem Bereich anders wahrgenommen als Männer. Was das Beispiel von Beate Zschäpe, Hautangeklagte des Prozesses um die Morde des »Nationalsozialistischen Untergrunds«, belegt. Zschäpes politische Gesinnung spielte Borckmanns Beobachtungen zufolge in der medialen Berichterstattung lange kaum eine Rolle: »Man interessierte sich viel mehr für ihr Privatleben, fragte etwa nach der Beziehung zu ihrer Mutter.«
»Ring nationaler Frauen«
Zu den prominentesten unterfränkischen Frauen mit rechtsextremer Gesinnung gehört Sigrid Schüßler, die 2005 für ihr Theater »Hollerbusch« den Aschaffenburger Existenzgründerpreis erhielt. 2013 kandidierte sie auf der Liste der NPD für den Bundestag. Kurz darauf wurde sie Vorsitzende des »Rings nationaler Frauen«. In Schweinfurt ist Monique Schober in der rechten Szene aktiv. Sie gründete die faschistische Bürgerinitiative »Franken Wehrt Sich - Asylmissbrauch nein Danke«. Bei rechten Demos in Würzburg nahmen in den letzten Jahren stets auch Frauen teil.
Ob ländlicher Raum oder Stadt - in allen Regionen Bayerns gibt es heute Rechtsextremismus. In Unterfranken umfasst das neofaschistische Spektrum rund 245 Personen. Die regionale Szene ist Borckmann zufolge sehr gut vernetzt und organisiert. Viele Aktivitäten finden nach Erkenntnissen der Extremismusexpertin allerdings im Verborgenen statt, werden also nicht mehr so wahrgenommen. Dies umso weniger, als nichts mehr »typisch« an Neonazis sei. So gebe es keine Kleiderordnung mehr.
Nach Borckmanns Beobachtung findet die rechte Szene immer mehr Anschluss an die Mitte der Gesellschaft. Es würden Themen aufgegriffen, die viele Menschen beschäftigen und oft Ängste und Verunsicherung auslösen: »Flüchtlinge, Europa oder Globalisierung.« Eben dadurch hoffe man auf eine möglichst hohe Zustimmung innerhalb der Bevölkerung für die eigene Sicht der Dinge.
In vielen regionalen Jugendeinrichtungen, Sportvereinen und Schulen wird versucht, mit Aktionen und Projekten Rechtsextremismus und Rassismus gegenzusteuern. Borckmann: »In den letzten Jahren ist das Interesse an diesem Thema gestiegen, immer mehr Menschen wollen sich an solchen Aktionen beteiligen.« So nehmen viele Schulen in Unterfranken am Netzwerk »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« teil. Die Kreis- und Stadtjugendringe tragen ebenfalls zur Prävention bei.
Hilfe für Ausstiegswillige
Laut dem unterfränkischen Polizeipräsidium geben Mitarbeiter der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus seit Februar 2011 Ausstiegswilligen »Hilfe zur Selbsthilfe«. Je nach Situation der Betroffenen fördert diese den Ausstieg selbst oder stellt Kontakte zum Jugendamt, zur Sozialbehörde, zur Arbeitsvermittlung, zur Schulleitung, zur Polizei, zum Bewährungshelfer oder anderen Institutionen her. Darüber hinaus gebe es anlassbezogen Präventionsgespräche und Ansprachen von Gefährdeten durch die Beamten der örtlichen Polizei.
Pat Christ
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