Der Pförtner für den besonderen Tag

Standesamt: Peter Körtel begrüßt im Frankfurter Römer jährlich 3000 Brautpaare und geleitet sie ins Trauzimmer

Frankfurt
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Hochzeitspförtner Peter Körtel
Hochzeitspförtner Peter Körtel an seinem Arbeitsort im Frankfurter Römer. Laut der Stadt ist er der einzige seiner Art in ganz Deutschland. Foto: Arne Dedert (dpa)
Foto: Arne Dedert (dpa)
Es ist über 30 Grad heiß, de­zent tupft sich der Hoch­zeitspfört­ner vor dem Frank­fur­ter Rö­mer den Schweiß von der Stirn. Trotz der Hit­ze trägt Pe­ter Kör­t­el sei­ne kor­rek­te Di­enst­k­lei­dung: schi­cke Ho­se, Cu­ta­way, dar­un­ter Hemd und Wes­te ­so­wie ei­nen vor­bild­lich ge­bun­de­nen Sch­lips. Auf dem Kopf thront ein schwar­zer Zy­lin­der, die schwar­zen Schu­he glän­zen in der Son­ne.
»Man muss in diesem Beruf schon körperlich robust sein«, erzählt er, während sich schon wieder neue Schweißtropfen auf der Stirn bilden. Trotzdem liebt der 60-Jährige seinen Job, der in Deutschland einzigartig ist. Begeistert erzählt er, wie sehr sich die Hochzeitspaare über ihn freuen. 
Tradition aus 20er Jahren
Körtel begrüßt die Hochzeitsgesellschaften und weist ihnen den richtigen Weg in den Trausaal. Frankfurt ist nach eigenen Angaben die einzige Stadt in Deutschland, die sich einen Hochzeitspförtner leistet. »Wir wollen damit den Brautpaaren einen besonderen Service bieten«, erklärt die Standesbeamtin Natascha Keck. Schon in den 1920er Jahren gab es im Frankfurter Römer den Pförtner für den besonderen Tag im Leben.
Körtel macht diesen Job seit fünf Jahren. Zuvor hatte er am Flughafen gearbeitet. Ende 2011 war er auf der Suche nach einer neuen Arbeit und las in der Zeitung das Stellengesuch des Frankfurter Standesamts. Angeboten wurde eine »repräsentative Tätigkeit als Hochzeitspförtner«. »Ich fand es imponierend, dass es so etwas überhaupt gibt«, erinnert er sich. Weil er gerne repräsentiert, wie er sagt, bewarb er sich - und wurde prompt genommen. 
Seit Sommer 2012 schließt er an sechs Tagen in der Woche mit dem langen Schlüssel am Römer die alt-ehrwürdige Pforte auf, von der aus die Hochzeitstreppe hoch bis kurz vor den Trausaal führt. Während er gekleidet wie ein englischer Adeliger am Römer auf die Hochzeitsgesellschaften wartet, wird er häufig von Passanten angesprochen. Sie fragen, was er macht, oft wird er auch fotografiert. »Und manchmal wollen Kinder wissen, ob ich ein Zauberer bin.« Denn im Winter trägt er zusätzlich einen schwarzen Umhang. 
Paare fühlen sich geehrt
Natürlich ist er vor allem im Sommer ein gefragter Mann. Unter der Woche stehen täglich bis zu elf Trauungen an, an den Samstagen sind es etwa acht Hochzeiten. Im 20-Minuten-Takt wird geheiratet, jährlich geben sich im Römer etwa 3000 Paare das Ja-Wort. »Ich begrüße zunächst die Hochzeitsgesellschaft im Namen der Stadt Frankfurt«, erzählt Körtel. Er erklärt ihnen den Ablauf, beruhigt bei Bedarf die Nerven und geleitet die Gesellschaft bis kurz vor das Trauzimmer. Der Service komme gut an, sagt er. »Die Paare fühlen sich unglaublich geehrt, dass sich jemand so um sie kümmert.« 
Besondere Zwischenfälle gibt es nicht. Dass Braut oder Bräutigam doch noch den Bund fürs Leben scheuen und die Flucht ergreifen, hat er noch nie erlebt. Manchmal muss einer auf den anderen ein wenig warten, doch zu spät zur Trauung kam bisher noch niemand der beiden Hauptpersonen, erzählt Körtel. 
SABINE MAURER
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